Derweil erklärt der Genosse Stalin in der „Deutsche Volkszeitung“, dem Organ der Berufsrevolutionäre und Kommunisten, die Methoden der Faschisten. Und zwar am 19. Oktober 1934. 
Natürlich hätte der Grosse Stalin schon 1934 über die erfolgreiche planmässige Umsetzung der Totenzahlen in der Sowjetunion plaudern können aber schon damals reisten Schriftsteller und Künstler nicht in Diktaturen, um Leichenberge zu besichtigen, sondern um das Positive hinter all den notwendigen Verbrechen zu begutachten. So wie diese: Der Staat braucht Kapital, braucht Gold, und Kolyma ist noch nicht entdeckt. Ende 1929 beginnt der berühmte Goldrausch, mit dem Unterschied bloß, daß dieses Fieber nicht jene schüttelt, die das Gold suchen, sondern jene, aus denen es herausgebeutelt wird. Die Eigenheit des neuen »Goldstromes« besteht darin, daß die GPU diesen ihren Karnickeln eigentlich gar nichts vorwirft und sich mit dem Versand auf den GULAG-Archipel Zeit läßt. Ihr Recht des Stärkeren setzt sie einzig dazu ein, des Goldes habhaft zu werden; darum bleibt – bei überfüllten Gefängnissen und total überlasteten Untersuchungsrichtern – der Nachschub für die Transportstellen, Durchgangsgefängnisse und Lager unverhältnismäßig niedrig. Wer gerät in den »goldenen« Strom? Jeder, der irgendwann vor fünfzehn Jahren ein Geschäft betrieb, vom Handel oder einem Handwerk lebte und nach Auffassung der GPU Gold zurückgelegt haben könnte. Doch gerade diese Leute hatten selten Gold: Ihr Vermögen legten sie in Mobilien und Immobilien an; längst hatte es sich in Luft aufgelöst, war während der Revolution verlorengegangen – was sollte da übriggeblieben sein? Große Hoffnung setzt man natürlich auf die einsitzenden Zahntechniker, Juweliere undUhrmacher. Goldbesitz in allerseltsamsten Händen wird denunziert: ein hundertprozentiger »Werkbankproletarier« habe irgendwo sechzig goldene Nikolajewsche Fünfrubelmünzen ergattert; der bekannte sibirische Partisan Murjawjow sei mit einem Goldbeutel in Odessaangekommen; alle Petersburger Lastfuhrwerker, lauter Tataren, hätten Gold gehortet. Ob’s wahr ist oder unwahr, das kann nur in den Folterkammern ergründet werden. weiterlesen ‘Genosse Stalin erklärt’
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