Unglaublich

was für eine aussergewöhnliche Frau! Die Filme sind mir heute zufällig untergekommen. Was hätten die Mädchen damals gesagt, was sie werden wollen? Fliegerin, wie Hanna Reitsch. Testpilotin. Oder noch früher vielleicht Forscherin, wie Marie Curie. Heute schreiben die, die nur über gutes Aussehen verfügen schon mit 16 ihre Memoiren. Was haben wir uns zurückentwickelt, wo die Mädels Schlange stehen, um mit krächziger oder piepsiger Stimme oder Gossenjargon der Superstar zu werden.  Superstar, also der hellste, strahlendste Stern am Firmament. Und dann so was. Was für ein Abstieg! Und man schaue sich mal die Bilder von der Technikentwicklung an. Deutsche Spitzenprodukte! Heute ist Siemens schon so glücklich, wenn China die Patente abkupfert, was für eine Anerkennung. Oder ein deutsches Konsortium freut sich im Kreise, weil es Moscheen bauen darf. Junge, was sind wir aus dem Häuschen darüber. Das wird der Exportschlager in die aufstrebenden Industrienationen. Festungen der Rückständigkeit in deutscher Ausführung. Aber was kann man von einem Land erwarten, dessen Kanzlerin allen Ernstes erklärt, sie wäre in der Lage die Erderwärmung nach Belieben rauf- oder runterzuschrauben, als hätten wir es mit einer Zentralheizung in einer Wohnung zu tun, wo jeder weiss, dass es keine konstante Raumtemperatur gibt, sobald Leben dort stattfindet oder die Sonne durch die Fensterscheiben lugt. Ist es da ein Wunder, dass solche Frauen ausgestorben sind und nur noch Labertaschen und Dummtussen übrig? Die uns sogar führen dürfen. Herrrrrlichen  stromlosen Zeiten entgegen, will man ihnen glauben. Zum Glück sind die Zeiten Hanna Reitschens vorüber, denn die waren wirklich wirklich finster. Heut haben wir dafür Claudia Roth, die unnachahmlich betroffen sein kann, worum uns alle Welt beneidet. Darauf können wir stolz sein.

17 Antworten zu „Unglaublich“


  1. 1 Robin Renitent 21. März 2009 um 09:15

    „Was hätten die Mädchen damals gesagt, was sie werden wollen?“

    Super.

    Unsere heutigen „Vorbilder“ sind Paris Hilton, Dolly Buster, oder „maximal“ Ann Will. Letztlich alles nichts , wenn man ambitioniert ist.

    Habe den Film gleich meiner Tochter (9) gezeigt. Danke!

  2. 2 pippin 21. März 2009 um 10:09

    Oder noch früher vielleicht Forscherin, wie Marie Curie.

    Die Frau Melitta aus Dresden war die letzte ErfinderIn. Seiher gibt es Gleichstellungsbeauftragte, dennoch warten wir auf großartige Erfindungen, wie die Reichsflugscheibe, vergeblich. Wo klemmts den nun noch?

  3. 3 Friederich 21. März 2009 um 10:20

    »Wo klemmts den nun noch?«

    Es ist halt viel bequemer, Soziologie zu studieren und hernach GleichstellungsbeauftragtIn zu werden, mit beamtengleicher Versorgungssicherheit, als den steinigen Weg richtiger Arbeit zu gehen. Die Dame mit der Filtertüte hieß übrigens Frau (Melitta) Bentz.

  4. 4 pippin 21. März 2009 um 10:32

    @Friederich:

    Die Dame mit der Filtertüte hieß übrigens Frau (Melitta) Bentz.

    Auch ihre Keramikaufsätze für die Filtertüten sind heute noch unschlagbar. Da kommt keine Kaffeemaschine mit:

    original Melitta Kaffeefilter

  5. 5 Karl Eduard 21. März 2009 um 11:01

    @Robin

    Ach Du meine Güte. Kompensier das bloss mit irgendwas Antifaschistischem.

  6. 6 Robin Renitent 21. März 2009 um 14:31

    Warum sollte ich?

    Guck mal auf meinen Blog und ließ den Nachtragskommentar.

    Waleri Pawlowitsch Tschkalow war ja auch in erster Linie Flieger und hatte nur das zweifelhafte Glück unter Stalin aktiv zu sein. Es würde Deinen Beitrag erheblich schmälern, wenn Du nach jedem Satz oder Absatz darauf hinweisen würdest, daß Hanna Reitsch auch den Deutschen Gruß entboten hat.

  7. 7 Karl Eduard 21. März 2009 um 15:00

    Hab ich das nicht? Dann muss ich das noch schnell nachholen. :)

  8. 8 Prosemit 21. März 2009 um 18:09

    Hanna Reitsch kannte ich persönlich. Wer sie nicht kannte, ahnte nicht einmal, dass sie eine grosse Fliegerin war. Sie war eine sehr bescheidene und zurückhaltende Frau gewesen. Und eine gute Erzählerin.

    Wer will, sollte ihr Buch „Ich flog für Kwame Nkrumah“ lesen. Auf diese Frau traf das „Fliegen aus Leidenschaft“ wirklich zu.

    Wie viele andere Schicksale hatte sie mit den Prinzipien des NS Regimes wenig bis überhaupt Nichts zu tun. Das einzige Lebensprinzip war das Fliegen. Sie wäre genauso unter Stalin geflogen wie unter Kennedy Testpilotin gewesen oder später eine Astronautin.

    Eine ganz grosse fliegerische Leistung war der Versuch, Hitler aus Berlin auszufliegen. Und ein an Tollkühnheit grenzender Mut, der aber aus dem Vertrauen in ihre fliegerischen Fähigkeiten kam.

  9. 9 Karl Eduard 21. März 2009 um 18:11

    Junge, Junge, da bin ich baff.

  10. 10 Prosemit 21. März 2009 um 18:20

    Ich bin ja auch schon etwas älter…

  11. 11 Karl Eduard 21. März 2009 um 19:01

    Ich frag jetzt lieber nicht weiter. :)

  12. 12 stalker 21. März 2009 um 23:23

    in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg wurden in deutschen Wohnzimmern Segelflugzeuge gebaut. Von Studenten. Zum Fliegen. Ohne Computer. Mit Säge und Leim. Von der Wasserkuppe in der Rhön aus haben junge Männer in ihren Sperrholzkisten sitzend Aufwinde gesucht, sind hunderte Kilometer weit geflogen. Gelegentliche Knochenbrüche gehörten dazu.

    Ich frage mich: gibt es heute noch den Männer mit 25 Jahren, der mit den Mitteln unserer Zeit so ein Wagnis angehen?

  13. 13 Karl Eduard 22. März 2009 um 04:04

    Bestimmt, nur findest Du heute kein freies Plätzchen mehr und kaum dass Du abgehoben bist, kommt die Polizei – tatütata – und will Deine Genehmigungen sehen:

    so ein Ding zu bauen, es zu transportieren, gerade hier zu starten – und überhaupt darfst Du nicht einfach so im Luftraum herumgondeln -

    und inzwischen ist auch der Hubschrauber aus Karlsruhe da, Du kriegst einen schmucken Overall und Handschellen und wirst wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Pech, wenn Du nicht zur Mili Görüs gehörst und mit dem Bundesinnenminister Kekse knabberst. Auf irgendeiner Konferenz.

  14. 14 Prosemit 22. März 2009 um 06:15

    Mutige junge Männer gibt es sicherlich immer noch, auch wenn das sogenannte „Sicherheitsbedürfnis“ massiv gestiegen ist. Aber ich leite damit elegant zu einem meiner bevorzugten Themen um :

    Irgendwann fehlen die Leute, die überhaupt ein Flugzeug konstruieren können, oder ein Kraftwerk bedienen….


    Ingenieur-Mangel in Deutschland eskaliert trotz Wirtschaftskrise

    Deutschland gehen die Ingenieure aus: Nach SPIEGEL-Informationen bekommen Unternehmen trotz Rezession vermehrt Probleme, frei werdende Stellen zu füllen – schon jetzt sind 50.000 Jobs unbesetzt. Experten fordern mehr Investitionen in die Fachkräfteausbildung.

    Das mit den Investitionen (sprich Ausgaben) ist, wer sich etwas in der Materie auskennt, natürlich Unsinn. Es ist nicht das fehlende Geld, es ist die rapide abnehmende Intelligenz und Bildungsfähigkeit breiter Schichten der nachrückenden Jugend. Das Problem wird noch dramatisch werden.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,614717,00.html

  15. 15 Karl Eduard 22. März 2009 um 06:32

    Es fehlen natürlich auch die äusserern Anreize, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen. Oder Technik. Um dabei zu lernen. Also darzustellen, was das für ein Wagnis ist, mit dem selbstgebauten Flugzeug zu gleiten und was für ein Hochgefühl, wenn es klappt. Statt Deutschland sucht den Supertechniker sucht Deutschland nur noch den Supersangesbruder, der nicht mal singen können muss oder die Schwester. Wo soll da das Interesse herkommen, wo der Bühnenstar alles ist und der Techniker oder Forscher nichts? In den Anfängen der DDR wurde so etwas auch noch gefördert, natürlich, um die Jugend wehrfähig zu machen aber immerhin! Da wurde auch segelgeflogen, wenn auch nicht mehr selbstgebaut und Funkamateure veranstalteten Fuchsjagden oder bauten Funkgeräte, bis das nachher verpönt war, weil man illegal mit dem Klassenfeind funken könnte. Und Arbeitsgemeinschaften Naturforscher gab es auch. Zu meiner Zeit war dann aber schon alles wieder eingeschlafen. Wahrscheinlich hatte ein Parteitag beschlossen, dass das nicht mehr nötig ist, selbst zu forschen, Bücher reichen aus. :)

  16. 16 stalker 22. März 2009 um 08:05

    geheimnissvoller Prosemit!

    Ihr Thema Ingenieursmangel: Die erloschene Begeisterung für die Ingenieurskunst in der weißen Zivilisation hängt wohl mit der Entmännlichung der weißen Rasse zusammen. Auch hier vermute ich das Schleifen der Männerburgen, -Bünde, -Spiele als Ursache. Wir sind eben alle eierlos geworden. Jungs spielen nicht mehr mit selbstgebauten Segelmodellflugzeugen, sondern mit chinesischem Plastikmüll in metrosexuellen Adoptivfamilien.

    Karleduard!

    Äussere Anreize? Wer soll die machen? Claudia Roth und ihre Grundgesetzpatrioten? Selbst der organisierte Modellbauer in der DDR war mental verkrüppelt. Versuche doch mal, ein Klima der Begeisterung und höchster Motivation herzustellen. Ohne gemeinsame Lieder, gemeinsamen Feind, gemeinsamen Gott, gemeinsame Freunde, gemeinsame Heimat geht das nicht.
    Wir haben eben verloren…

  17. 17 Prosemit 22. März 2009 um 08:27

    Ihr Thema Ingenieursmangel: Die erloschene Begeisterung für die Ingenieurskunst in der weißen Zivilisation hängt wohl mit der Entmännlichung der weißen Rasse zusammen.

    Da ist was dran. Der Anker Baukasten oder der Märklin Baukasten ist durch die Kindershow im Fernsehen abgelöst worden. Das Kind hat nicht nur das Spielen verlernt, durch den vorgefertigten Plastikmüll wird dem Kind auch die Phantasie genommen. Das alles ist für die Entwicklung notwendig. Zum „Ingenieursein“ kommt immer noch das Wissen wollen dazu. Das ist nicht erlernbar, kann aber gefördert werden.

    Botanisiertrommel? Kennt niemand mehr. Schmeil-Fittschen? Nie gehört. Das eigene Immersionsmikroskop und als Weihnachtswunsch einen Zehnjährigen ein Schlittenmikrotom? Wozu soll das gut sein?

    Das Alles wird durch eine mediale Verblödungsindustrie ersetzt und durch Kindergärten, in den die Jungen Rollenspiele lernen und Puppen im Kinderwagen schieben.

    Die Folgen sind bereits dramatisch, aber noch nicht Allen offensichtlich. Der Mann als Erfinder, Forscher, Kämpfer, Pionier und Wissenschaftler wird aussterben. In Europa mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

    Die Folgen kann man an der Geschichte der „dark ages“ studieren. Bis zur nächsten Renaissance.


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