Gute Aussichten

Karl Ranseier ist tot. Und Fritz Schramma kandidiert nicht mehr. Fritz Schramma, der seine eigenen Sturmabteilungen schuf, heftig beklatscht von Bartträgern wie Wolfgang Thierse, ging in die Geschichte ein, als Kölner Oberbürgermeister,  der aus der Stadt, die einst Heine beschrieb, im Wintermärchen, Mekka und Medina machte und der der Demokratie den ersten Fußtritt versetzte, als er seinen Horden den Auftrag gab, eine gewählte Stadtratsfraktion mit Flaschen und Steinen anzugreifen. Freilich wird das nicht  im Gedächtnis der Menschen haftenbleiben, sondern die Mär vom aufrechten Bürgermeister, dem aus heiterem Himmel ein Stadtarchiv abhanden kam, mit Dokumenten, nicht so alt wie die Bibliothek von Alexandria aber einmalig und wichtig, für die letzten Eingeborenen Kölns, um nachzulesen, woher sie kamen obwohl das sowieso keinen von ihnen interessiert. Eher das nächste Karnevalskostüm oder die Gestaltung des Umzugswagens, der auf  keinen Fall, die Bart-und Burkaträger verärgern darf. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, für solch herausragendes Bodenpersonal Allahs und so kann Herr Schramma sicher sein, irgendwann wird einmal ein Wunder geschehen, wie es Nina Hagen verkündete, und er steigt empor aus der Asche Kölns als neuer Bundeskanzler, wie auch schon ein Anderer vor ihm. Heil, mein Fritz, dank Dir kommen grünere Zeiten.  DER MITTAG  5./6.April 1934:

adenauer

8 Antworten zu „Gute Aussichten“


  1. 2 netzwerkrecherche 30. März 2009 um 07:42

    Da gab es einige Korruptionsaffären, die nach 1933 „aufgedeckt“ wurden. Allerdings wurde bei vielen offensichtlich nachgeholfen – wer sucht, der findet wohl immer etwas – , um an den „Feinden der Bewegung“ Rache zu üben.

    Das ist heute nicht anders, nur daß die Exekution medial vollzogen wird.
    http://netzwerkrecherche.wordpress.com/2009/03/11/mediale-hinrichtung-und-soziale-exekution/

  2. 3 Karl Eduard 30. März 2009 um 16:25

    Ich denke mal,beim Kölschen Klüngel wird es nicht schwergefallen sein,den Dreck zu finden.

  3. 4 netzwerkrecherche 31. März 2009 um 07:32

    Mag sein, zumindest gab es seinerzeit massiven Protest von Justizleuten bei Hitler, welche die vielen Korruptionsprozesse gegen den rheinschen Klüngel als politisch motiviert anprangerten. Nach 1945 ging es dann wieder in umgekehrter Richtung gegen die Nazis. Und vor 1933 werden die rheinschen Nazis vom rheinschen Klüngel wohl auch gehässig behandelt worden sein. Mensch bleibt Mensch, aber ob Rache wirklich Genugtuung bringt?

    Wie gesagt, wer sucht, der findet. Und wenn ich mich auf die Lauer lege, dann finde ich beim redlichsten Manne Gesetzesverstöße. Wetten?

  4. 5 Friederich 31. März 2009 um 16:11

    Wie gesagt, wer sucht, der findet. Und wenn ich mich auf die Lauer lege, dann finde ich beim redlichsten Manne Gesetzesverstöße. Wetten?

    Das ist eben ein Zeichen mangelnder Rechtsstaatlichkeit, daß das Rechtssystem so komplex und intransparent ist, daß jederzeit jeder kriminalisiert werden kann. So kann man unliebsame Bürger erpressen oder einfach auf juristischem Wege lahmlegen.
    Wenn Du nicht in die LPG eintreten willst, finden wir heraus, daß Du in der Badewanne Obladi-Oblada gepfiffen hast, ohne GEMA-Gebühren abzuführen. Oder so ähnlich.

  5. 6 netzwerkrecherche 1. April 2009 um 21:53

    “Man gebe mir sechs Zeilen, geschrieben von dem redlichsten Menschen, und ich werde darin etwas finden, um ihn aufhängen zu lassen.”
    Armand-Jean I. du Plessis de Richelieu, genannt vor allem Kardinal Richelieu, (* 9. September 1585 auf Schloss Richelieu, Dépt. Indre-et-Loire; † 4. Dezember 1642 in Paris); maßgeblicher Berater und Minister Ludwigs XIII.

  6. 7 Karl Eduard 2. April 2009 um 06:12

    Nun, was will uns der Kardinal damit sagen? Auch Redlichkeit schützt nicht vor schurkischem Tun?

  7. 8 netzwerkrecherche 2. April 2009 um 22:01

    Hmm, vielleicht verdeutlicht er Willkür.


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