Lange bevor uns ein deutscher Regisseur mit dem Zweiteiler „Der Untergang“ daran erinnerte, dass die falsche Partei zu wählen, sich nicht immer auszahlt, auch wenn sie Abwrackprämie oder Reichensteuer verspricht, zeigten uns die Genossen, wie sich sowjetische Filmkunst vorstellte, wie die Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus hätte ablaufen können, hätten die ruhmreichen Sowjetsoldaten darauf verzichtet, alles zu vergewaltigen, was irgendwie nach Frau aussah. Die Befreiung blieb zwar immer noch Befreiung, bekam damit aber einen Beigeschmack, der in den ganzen Jahren, die die Arbeiter- und Bauernmacht auf DDR-Boden existierte, nie erwähnt wurde und wenn, hätte sie die Empörung des werktätigen Volkes und seiner Jung- und Thälmannpionieren nach sich gezogen. Und so zeigte das Befreiermonument im Treptower Park auch keine vergewaltigende Bestie, sondern ein gerettetes deutsches Kind, das der Sowjetsoldat sicher und warm im Arm hält. Trotz der Erlkönige da draussen. Es waren eben nicht alle Sowjetsoldaten Vergewaltiger und wenn, hatten es die Deutschen dann nicht verdient, wo sie doch über die halbe Welt hergefallen waren? Unvermittelt, nur so und aus Jux, weil sie Langeweile hatten?
Wer erinnert sich noch an die Truppenübungsplätze, die die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland hinterliess oder die Aufregung, wenn einer ihrer Wehrpflichtigen oder Serganten mit einer Kalaschnikow und mehreren Magazinen voller Munition ausgebüxt war und dann in grossräumiger Kesselschlacht liquidiert werden musste? Wer erinnert sich noch an Eisenbahnunglücke, weil ein Panzer aus der ruhmreichen T-Serie beschlossen hatte, auf Gleisen eine Rast einzulegen? Aber nicht alles war nur Schattenseite.
So, wie es auch den freundlichen Dönerverkäufer gibt, der von Freundlichkeit und Dönern lebt und deshalb darauf verzichtet, seine Käufer zu schlagen oder in die Luft zu sprengen, so gab es auch die Sowjetsoldaten, die in Großstädten herumliefen, um darauf zu warten, dass Kinder aus den obersten Stockwerken fallen, um sie dann aufzufangen, die bei Hochwassern halfen oder Bränden und die freigiebig ihr Brot und ihre Suppe teilten. Und daran wollen wir uns erinnern. Oder nicht?
Wer kennt es noch, das Jammerlied des Klaus Laage, das in uns Abscheu und Hoffnung weckte, weil davon gesungen wurde, dass der letzte Kuss bis Konstantinopel reichen muss, während der Rückfahrt? Ja, das hat damals die deutschen Menschen berührt, die verbotene Liebe zwischen Kopftuchsulaika und blondem Hans oder Brigitte Mira und dem 14jährigen Mehmed oder umgekehrt und dem Unverständnis der deutschen Spiesser darüber , die so unfassbare Wünsche geäussert haben, wie „die Türkei den Türken!“ Weswegen sie auch zu recht ins Koma gedroschen werden, diese Spiesser! Leider ist die gesungene Anklage im Netz schwer auffindbar. Sie ist aber von aussergewöhnlicher Poesie und Gegenstücke dazu findet man heuer nimmer. Zum Beispiel gesungene Klagelieder, wie deutsche Rentner ihre Stadtteile verlassen, weil sie von denen, die unser Leben reicher und schöner machen, in unzumutbarer Weise mit Liebe überschüttet werden. Das liegt vielleicht daran, dass deutsche Sänger nie gezwungen waren, die ganze geballte Liebe derer, die nach ihren eigenen Worten unser Land aufbauten, obwohl sie da noch gar nicht anwesend waren, in Empfang zu nehmen. Schwamm drüber.
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