Fern, in den Bergen lebt ein Volk, das irgendwie beim Durchzug eines islamischen Eroberers vom Pferd gefallen ist und deshalb noch heute in wunderbar archaisch-patriarchalischen Stammesverbänden lebt und sich mit dem Züchten von Schafen, Pferden, Gemüseanbau und ein wenig Blutrache über Wasser hält. Wer möchte nicht so leben? Weshalb der Strom von Touristen, die der Elektrizität, fliessend warmen Wasser und Innentoiletten überdrüssig sind, nie abreisst.
Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie Menschen, die vor Lebensgefahr nach Deutschland fliehen, hier sehr schnell vergessen, dass sie hierher vor dem vermeintlichen Tode geflohen sind. Da reicht es nicht mehr, am Leben zu bleiben, behaust und beköstigt zu werden, nein, es muss schon komfortabel sein. Ansonsten fühlt man sich in Angst und bedroht und jammert und schimpft und wenn sich jemand in den Finger schneidet oder beim Grillen verbrennt, dann waren es mindestens die Nazis, denn wenn hier jemand Brand- oder Schnittwunden bekommt, dann waren es immer Nazis, die dafür als Verursacher feststehen. So wie es die Nazis waren, die in Sebnitz einen Apothekersohn ersäuften, in Mittweida einer Jean de Arc ein Hakenkreuz in die Hüfte schnitzten, in Ludwigshafen unsachgemässen Stromklau betrieben, was zu einem Brand(siehste wohl) führte oder in Mügeln einen Haufen Inder 50 m kreuz und quer durch den Ort lynchten, um sich dann von einer gläsernen Pizzeriatür aufhalten zu lassen. Nazis machen sich immer gut und das hat sich auch bis in den hintersten Winkel der Welt herumgesprochen. Immerhin schreibt die Zeitung noch, die Ursache der Verletzungen eines Irakers seien noch ungeklärt, und das ist es doch, was uns eigentlich betroffen und ein Stückchen weit traurig machen sollte, denn wenn ein Herbeigereister mit Hintergrund sagt, ein Deutscher habe ihm etwas angetan, der zudem noch naturgemäss Nazi ist, es sei denn, er fristet sein Leben damit, Opfer zu beraten, dann sollte gefälligst die Schlagzeile lauten,
„Deutsche verbrennen Ausländer!“
Am betroffensten sollte uns aber machen, dass sich bisher weder Charlotte Knobloch, noch Stephan Kramer oder Sebastian Edathy, der fürs indische Volk auf die Menschenrechtssituation in Deutschland achtet, zum Brandanschlag auf den Iraker in Möhlau geäussert haben. Keine Zeit, gleichgültig geworden oder einfach nur müde, das Deutsche Volk andauernd mit der Schnauze in den Kothaufen von Auschwitz stupsen zu müssen? Ich weiss es nicht und ich kann nur hoffen, diese unentwegten Gewissen des Deutschen Volkes sind nur wegen der Ferien so still und stumm und nicht wegen der 80jährigen Rechtsextremistin, die mit privaten Pogromen drohte, sollte die unübertroffene Frau Knobloch weiterhin ihr Recht ausüben, uns andauernd darauf hinzuweisen, dass unter der biederen Demokratenmaske der Folternazi lauert. Vor allem der Satz der 80 jährigen, „Sie müssen nicht in Deutschland leben – in diesem bösen Land, wo, wie Sie sagen, sechs Millionen der Ihren vergast wurden,“ brachte Frau Knobloch in Rage, denn natürlich muss sie. Im Land der Richter und Henker leben und es die Enkel der Richter und Henker jeden Tag wissen lassen, dass sie wie die Richter und Henker selbst sind. Das ist normal.
Normal ist auch, dass Asylbewerber in einem Land leben müssen, in dem sie jeden Tag verbrannt werden und uns das auch wissen lassen, anstatt einfach dahin zu gehen, wo sie hergekommen sind und es anscheinend weniger gefährlich war als hier. Das wurde nun vor Gericht festgestellt, dass das eine Beleidigung und ein Angriff auf die persönliche Ehre ist, zu sagen, geht doch dahin, wo der Pfeffer wächst und wenigstens das ist ein Trost.
Als Konsequenz aus der Bluttat wurde die für Nachmittag geplante Eröffnung der Wanderausstellung «Im Namen des Volkes? – Über die Justiz im Staat der SED» im Foyer des Gerichtssaals abgesetzt. Und die passt doch wie die Faust aufs Auge.
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