Dumperfahrer Wilhelm Döll

5 Antworten zu „Dumperfahrer Wilhelm Döll“


  1. 1 Friederich 27. August 2009 um 14:14

    Tja, und im Westen gab es den Baggerführer Willibald. Dessen betriebs- und volkswirtschaftliches Konzept scheint heute noch auf viele eine große Fascination auszuüben, und das geht so: Baggerbesitzer enteignen: da man nun die Betriebsmittel umsonst hat und diese auch nicht mehr in der Kalkulation auftauchen, ganz billige Häuser bauen, so billig vermieten, daß keine Instandhaltungsrücklagen gebildet werden, was dazu führt, daß die Häuser verfallen. Bagger baut auch niemand mehr, weil der enteignete Chef keine neuen Bagger mehr kauft. Der alte Bagger wird über Jahrzehnte geflickt, um noch ein bißchen weiterzubaggern, aber er baggert natürlich immer schlechter, so daß auch die Häuser immer schlechter werden. Nachbarländer haben schon längst Bagger concipiert, die zehnmal schneller und präciser baggern, so daß die Arbeitsproduktivität im Lande von Willibald im Weltmaßstab gefährlich absackt. Einstweilen kann man das noch durch Subbotniks* abmildern, aber die Agonie der Volkswirtschaft kann das nur noch verzögern. In den Häusern, die mit der veralteten Technik gebaut werden, will keiner mehr wohnen. Die sind zwar billig wie zur Zeit von Willibalds Revolution, aber die Löhne sind ja seitdem auch nicht gestiegen, und die Häuser sind immer schlechter geworden. Willibald wohnt als Veteran in dem enteigneten Haus des alten Chefs, das noch gebaut wurde, als der alte Bagger noch wie neu war. Der rostet inzwischen aber im Schwimmbad vor sich hin. Auch bei Willibald regnet es inzwischen durchs Dach, aber die KWV** hat keine Baukapazitäten frei und ein privater Dachdecker kommt nur, wenn Willibald ihn mit Geld eines Nachbarlandes entlohnt, weil er sich einen Dachziegel-Lastenaufzug kaufen will, der in Williland nicht hergestellt wird. Für die Binnenwährung aus Williland kann der Dachdecker aber im Ausland keine Maschine kaufen. In Williland kann er einen Antrag auf eine Maschine stellen, der wird aber nicht bewilligt, weil die inländische Maschinenproduktion nicht einmal ausreicht, um die volkseigenen Kombinate auszurüsten und importieren geht nicht, weil im Ausland kaum noch jemand die Produkte aus Williland kaufen will. Da schimpft Willi fürchterlich auf dieses kapitalistisch verdorbene Handwerkerschwein und regt in der Wohnparteiorganisation die zwangsweise Überführung aller privaten Dachdeckerbetriebe in eine PGH*** an. Das geschieht auch, mit der Folge, daß der Verfall der Dächer sich drastisch beschleunigt.

    Man höre sich nur mal den Text von Willibald in Ruhe an; da kann man ohne Probleme wunderbar eine Lehrstunde über die Grundirrtümer sozialistischer Volkswirtschaft darauf aufbauen.

    Für westlich oder spät geborene:

    * »freiwillige« Sonderschichten am Samstag
    ** »Kommunale Wohnungsverwaltung«
    *** »Produktionsgenossenschaft des Handwerks«

  2. 2 Karl Eduard 27. August 2009 um 17:54

    Ich weiß wirklich nicht, warum Du immer SPAM bist.

  3. 3 Prosemit 27. August 2009 um 18:05

    Man höre sich nur mal den Text von Willibald in Ruhe an; da kann man ohne Probleme wunderbar eine Lehrstunde über die Grundirrtümer sozialistischer Volkswirtschaft darauf aufbauen.

    Wenn man die aktuelle politische Diskussion verfolgt muss man annehmen, dass der Kapitalismus endgültig abgewirtschaftet hat und das Modell der sozialistischen Volkswirtschaft das strahlende Heil der Massen und die leuchtende Zukunft im roten Osten bedeutet. Ganz so, als hätte es die Einsichten von 1989 niemals gegeben.

  4. 4 Karl Eduard 27. August 2009 um 18:18

    Vielen ist es besser gegangen seit 1989. Die wollen nur die Verbesserungen nicht sehen, die Armleuchter.

  5. 5 Friederich 27. August 2009 um 19:44

    Ich weiß wirklich nicht, warum Du immer SPAM bist.

    Bestimmt weil ich Citat und Cement mit C schreibe. Da stolpert die automatische Censur-Software jedesmal drüber und gibt eine Meldung an einen Censur-Mitarbeiter heraus, daß da jemand mit einer Geheimsprache vermutlich finstere Anschläge auf die sozialistische Grundordnung plant. Dann muß der Censor erst alles händisch auf seine Verfassungsmäßigkeit prüfen. Damit die Verzögerung nicht auffällt, kennzeichnet der Censor das ganze dann als Spam.


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