Vorsicht bei Kuschelweich!

Nur durch ein Birkenwäldchen von Polen getrennt, kaum vermag man sich diese Kühnheit und Tapferkeit heute noch vorzustellen, weswegen sie auch in den Artikel gehört, modernisiert ein Kapitalist die materielle Basis des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt, in der das einzige Spülmittel der DDR, Fit, mit dem der Proletarier, Bauer, werktätige Geiststesarbeiter und das mutterlose Schlüsselkind, die Reste der kärglichen Mahlzeiten von Tellern und Pfannen spült, produziert wird, das seither die westdeutsche Reinigungs- und Waschmittelindustrie unterwandert. Ein Traum Walter Ulbrichts wird wahr, den Kapitalismus zu überholen, ohne ihn einzuholen.

Fit! Siegeszug eines Spülmittels, dessen Marktanteil im Osten bei 30 Prozent liegt, weil Fit für unsere Menschen das Spülmittel schlechthin ist, sie kannten ja nichts anderes.

Das grüne Zeug aus der Flasche war für den Abwasch da und Verwechslungen mit Waldmeisterbrause ausgeschlossen, die gab es auf Politbürobeschluß nicht mehr, krebserregend, aber es kann gut sein, einer der Genossen im Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, das unbegrenzten Zugriff auf die Waldmeisterreserven der Republik hatte und die Brause auch, hatte sich beim Versuch, die Lebenskameradin und Genossin im Haushalt zu entlasten, einfach vergriffen.

Einen Marktanteil von 30 Prozent hat auch DIE LINKE, in der im Osten die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands steckt, weil unsere Menschen gewöhnt sind, Wirtschaftsversager zu wählen. Immerhin hat der Sozialismus in der DDR 40 Jahre gehalten, sagen sie sich. Unsere Regierungen halten, kommt es hoch, gerade mal zehn Jahre, da ist es kein Wunder, daß das werktätige Volk auf Bewährtes setzt, statt sich immer neue Ministernamen merken zu müssen. Zum Glück bleibt wenigstens die Generalsekretärin dieselbe.

Neue Maschinen, ein wenig Druck am Arbeitsplatz und selbst das Spülmittel der Arbeiter- und Bauernmacht wird konkurrenzfähig. Die war allerdings von Anfang an von den Genossen nie vorgesehen, die Konkurrenzfähigkeit der Erzeugnisse der DDR. Man wähnte sich auf einer sozialistischen Insel, auf der nicht der Weltmarkt unbarmherzig selektiert, sondern die staatliche Plankommission.  Und daran hat sich nicht viel geändert. An der Vorstellung, wir würden auf einer Insel leben und die Stürme da draußen tobten an uns vorbei.

Spülmittel im Test

3 Antworten zu „Vorsicht bei Kuschelweich!“


  1. 1 Prosemit 28. Oktober 2009 um 07:09

    Neue Maschinen, ein wenig Druck am Arbeitsplatz und selbst das Spülmittel der Arbeiter- und Bauernmacht wird konkurrenzfähig.

    Oder die schier unglaubliche Erfolgsgeschichte von Rotkäppchen Sekt…

  2. 2 pippin 28. Oktober 2009 um 09:13

    Wenn maich nicht alles täuscht, ist Fit aber auch nicht mehr das was es mal war.

  3. 3 Karl Eduard 29. Oktober 2009 um 03:50

    Ja, es hat viel von seiner Ätzkraft verloren. Geblieben ist das Grün.


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