Kleine Frakturübung

Mit Bedauern nimmt dieses Blog zur Kenntnis, daß das Schreiben und das Lesen immer weniger zum Fache kanakisch sprechenden Nachwuchses gehört, der so auf die Geschichtsdeutungen wohlmeinender aber völlig verblödeter Bildungswissenschaftler angewiesen ist, die die Geschichte vom heutigen inhumanen Menschenbilde aus beurteilen, das zwar die Eroberung Amerikas durch die Spanier, Engländer, Holländer und Franzosen als schlimme Ureinwohnerversklavung  verurteilt, nicht aber die Eroberung und Versklavung der Osteuropäer durch die Osmanen, von der Sklaverei in Afrika, deren Hauptabnehmer das osmanische Reich war, ganz zu schweigen.

Die meisten Dokumente zur Geschichte sind aber in Fraktur geschrieben, wie der verdienstvolle Kommentator Prosemit einmal richtig bemerkte. Wer heute in ein Museum geht, das keine kulturwerkstättisch verfälschte Ausstellung beherbergt, gebastelt von einer colorierten Frau, wird die Bücher in den Schaukästen ohne die Beherrschung von Fraktur nicht lesen können.  Manchmal kommt erschwerend sogar Latein hinzu!

Wir haben uns deshalb heute, am Reformationstage, der Bildung der frakturunkundigen Leser verschrieben, mit einem Angebot, ähnlich dem Rosettastein, der half, ägyptische Kritzeleien in Sprache zu übersetzen. Luther übersetzte damals die Bibel ins Deutsche und so war der Lateinunkundige in der Lage, das Orginal zu lesen und nicht mehr angewiesen auf die Interpretationen von Geistlichen. Ein schöner Fortschritt. Koraniten hingegen müssen noch heute den Koran in Arabisch auswendig lernen. Weshalb für weitere Bildung keine Zeit bleibt.

Hier die Vorlage aus dem Berliner Lokalanzeiger:

Wenn die Sirene heult

Ausschneiden! Aufbewahren!

Wenn die Sirene heult

Im Dienste des  Luftschutzes

Die Entrümpelung des Dachbodens ist gesetzlich vorgeschrieben. Überzeuge dich davon, daß sie ausreichend durchgeführt worden ist.  Nicht nur altes Gerümpel ist zu entfernen, auch entbehrliche ebrauchsgegenstände und übeflüssige Vorräte dürfen nicht auf dem Dachboden aufbewahrt werden. Dies gilt sowohl für die Dachbodenräume von Haushaltungen als auch von Betrieben. In einem leeren Dachgeschoß breitet sich ein Brand so langsam aus, daß er noch im Entstehen untertrückt werden kann. Rohstoffe und Gebrauchsgegenstände, die bei der Entrümpelung entfernt werden, sollen dem Vierjahresplan oder bedürftigen Volksgenossen zukommen.

Das war doch nicht so schwer. Oder?

8 Antworten zu „Kleine Frakturübung“


  1. 1 stalker 31. Oktober 2009 um 11:43

    wenn ich mich richtig erinnere, war für mich das Buch Mario und die Tiere von Waldemar Bonsel, ein wunderbares, naturromantisches Nazibuch, der Lehrstoff für die Nazischrift. Das Buch erschien in den 20igern.

    Ebenfalls Lehrstoff im Lesen von Nazibuchstaben war für mich das in der Weihnachtsnazizeit sehr zu empfehlende Buch “Drei Männer in Schnee”, geschrieben durch den jüdischen Nazischriftsteller Erich Kästner in Nazifraktur im Nazijahr 1934.

  2. 2 Karl Eduard 31. Oktober 2009 um 11:55

    Du hast aus eigenem Antrieb gelesen? Unfassbar!

  3. 3 stalker 31. Oktober 2009 um 12:09

    Na ja, nicht ganz. Fordern und Fördern eben. Ich dachte sogar eine ganze Zeit lang, das Lesen zu Hause wäre nicht normal: alle anderen spielten schliesslich draußen auf dem Rohbau Russen gegen Deutsche…

  4. 4 vakna 31. Oktober 2009 um 19:48

    Ich wusste schon immer, dass ich anormal bin, habe ich doch aus eigenen Antrieb gelesen (allerdings durch die Familie gefördert).

    Fraktur lesen kam, als alle anderen Bücher vom Opa durchgeackert waren. Meistens irgendwelche Freiheitskampf-Romane und Familiensagas aus dem damaligen Bücherclub.

    Interessant auch die Jahrbücher von Ende der 30er bis Mitte der 40er: Ab 1942 wars aus mit der Nazischrift. Wahrscheinlich sind den Schriftsetzern die Lettern ausgegangen…

  5. 5 Karl Eduard 31. Oktober 2009 um 21:24

    Ich hab mir das aus Schwarten angeeignet, in den Sommerferien bei den Großeltern. Das Frukturische. Ansonsten hat mir meine eine Großmutter Geschichten vorgelesen und da wollte ich die natürlich auch lesen können.

  6. 6 Prosemit 1. November 2009 um 07:26

    Hmmmmm,

    kaum zu glauben, aber wir “mussten” noch in der Schule Fraktur lesen und schreiben lernen. Mit der Feder als Kalligraphieunterricht und dem Füller als Schreibschrift. Aber das waren noch die finsteren Zeiten ohne Schulpsychologen, die den überforderten Kindern mit Betreueung und Medikamenten zur Seite standen. Mit einem vernünftigen Füller schreibe ich noch heute.

  7. 7 vakna 1. November 2009 um 12:17

    Der Handschrift meiner Großmutter hat man angesehen, welche Schreibschrift sie in der Schule gelernt hat.
    Das m und n war sehr eckig und das a halboffen. Das einmal gelernte kam immer wieder durch, wohl auch, weil sie kaum schreiben mußte.
    Dafür kann ich die alte Schreibschrift nur mühevoll lesen und auch das nur, wenn sie sauber geschrieben ist.

  8. 8 Karl Eduard 1. November 2009 um 12:22

    Mit der Schreibschrift bin ich auch überfordert. Sie sah aber gut aus.


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