DER ZEITUNGSZEUGE ist wieder da und dieses Mal geht es immer noch um die Juden, denn Deutschland wird gerade arisiert. Ob sich in hundert Jahren jemand mit der Mohamedanisierung beschäftigen wird, wo überall die Parteizentralen der grünen NAZIS mit Demokratenhilfe intalliert werden, das können wir wohl ruhig vergessen. IM NEUEN TAGEBUCH stehen einige interessante Aufsätze, zum Beispiel unter PARADIGMA schreibt der Herausgeber unter anderem über das Versagen der großen Demokratien 600 000 Juden aufzunehmen, statt sich in endlosem Geschwätz zu ergehen. Und diese Texte sind so anwendbar auf das Heute, man glaubt es kaum.
… Aber noch trüber und pessimistischer ist das, was man die moralische Symbolik nennen kann. Wohl haben wir in einigen Ländern enorme moralische Aufwallungen gesehen. Es ist wohl kein Zufall, daß es gerade Länder sind, in denen die Religion noch sehr mächtig ist: England, die Vereinigten Staaten, Holland. Hier haben nicht nur die öffentlichen Meinungen; sondern mit ihnen auch die Regierungen sich erhoben; sie haben sich nicht nur erhoben in einer reinen Humanität, sondern in einem Gefühl, das viel weiter geht: in einem Gefühl, das die paar Grund- Postulate des Rechtes, der Sittlichkeit und der Menschenrechte die ganze Basis dessen sind, was den verteidigungswerten Besitzstand der Menschheit ausmacht, und daß alles in diesen einzelnen Grund-Postulaten dermssen miteinander verknüpft ist, daß nichts Einzelnes daran zerbrochen werden kann, ohne daß sofort auch anderes zu Bruch geht. Aber es ist eine ermüdete Apathie für solche Gefühle bei anderen Völkern und Regierungen zu spüren; und mann kann sagen, daß dies das besorgniserregendste Licht ist, das von der deutschen Juden-Vernichtung auf andere weitere Probleme fällt. Denn das Leben, die Beharrung, die Existenzkraft der Völker sind in erster Linie eine moralische Bedingtheit. Es verteidigt sich nichts was nur Materie ist. Es verteidigt sich nur ein moralischer Besitzstand, und nur in dem Grade, in dem er den Gemütern teuer und in hohen, heiligen Ehren ist. Wo das Reich, das 500 000 Menschen ausrottet, nur eben als Feind dieser Menschen verstanden wird, nicht als Bedroher von moralischen Kategorien, die zum Inbegriff des eigenen Lebens gehören – wo nur das Los der Opfer selbst als im Spiele befindlich empfunden wird und nicht auch das Los derjenigen werte, auf denen die Gesellschaft fußt, - wo das so ist, da sind moralische Morschungen eingetreten, die kaum verfehlen können, auch in anderen Zusammenhängen den Selbsterhaltungstrieb zu mindern. Daß die Reaktion auf das Verbrechen in Deutschland in wesentlichen Teilen Europas schon von solcher ethischer Müdigkeit war, ist, wenn von Paradigmen die Rede ist, das wenigst verheissungsvolle von allem. 26. November 1928
Und da frage ich mich doch unwillkürlich, welches ist der moralische Besitzstand von Leuten, die hier forciert eine Ideologie einführen, die woanders bombt, Leute entführt und ihnen die Hälse durchschneidet, vor laufender Kamera, Menschen die Bildung und selbstbestimmtes Leben verwehrt, mindestens die Hälfte der Bevölkerung für minderwertig und Dreck hält, Frauen und Männer in die Erde eingräbt, um sie anschließend mit Steinen totzuschmeissen und Brüder dazu bringt, auf Beschluß der Familie, ihre Schwester oder die Mutter oder die Freundin totzuschlagen und uns zu erklären, das wäre mit unseren Werten durchaus vertretbar? Was ist deren moralischer Besitzstand?
Ja genau, dieser Leute. Was ist deren Gemütern teuer und in hohen heiligen Ehren?

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