Antifaschismus der Tat

Wer sich schon immer wunderte, wie “Stadtväter” die Städte verwalten, die immer ärmer, abgerissener und dadurch um so begehrenswerter werden, mit den Grünanlagen umgehen, die jährlich von Horden Hammel grillender Barbaren heimgesucht werden oder von einer Horde junger Leute, während so genannter Paraden, und fassungslos den Kopf schüttelte, der sollte sich schnell bei seinem ANTIFA-Beauftragten des Wohngebietes melden, um sich eine ideologische Schulung verpassen zu lassen. Grünanlagen zu verwüsten ist nämlich, wir haben es geahnt, Antifaschismus der Tat. Im ZEITUNGSZEUGEN, der besonders interessant ist, weil alles auf den Polenkrieg zusteuert, von dem wir wissen, daß er kommen wird, steht folgender Artikel, der erklärt, warum Autobahn gar nicht geht, so wie die Unterstützung der Familie oder das Ablatschen der Rasenkanten. Davor verblasst der Volksentscheid der Deutschen in Danzig völlig, die fordern, sie wollen heim ins Reich, aber schon damals wußten die Demokratien Europas ihre Interessen zu schützen.

Hier der Beweis, für ein noch unaufgearbeitetes Kapitel deutschen Widerstandes gegen ein Regime, das seine politischen Gegner vor Gericht stellte und Bevölkerungsgruppen nach Rasse, Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Weltanschauung unterschiedlich behandelte.

Nicht auf den Rasen treten!

Wer Kanten abtritt, wird bestraft.

Die zahlreichen Grünanlagen und Rasenplätze Berlins pflegten bisher mit einem niedrigen eisernen Stolpergitter versehen zu sein. Das war einmal! Der Vierjahresplan hatte eine bessere Verwendung für die übrigens nicht immer schönen Eisengitter. Sie wurden entfernt, und einige tausend Tonnen Eisen konnten der Verschrottung zugeführt werden. Man konnte allerdings nur diese Befreiung der Rasenplätze von den häßlichen Gittern in der festen Voraussicht vornehmen, daß die Berliner Bevölkerung ihrerseits nun auch ohne Gitter den Grünanlagen eine verständnisvolle Schonung entgegenbringen würde. Und wie ist es wirklich?

Die schönsten Rasenflächen sehen aus wie an den Kanten angenagte Teppiche. Schmale Wege führen wie ausgetretene Wildpfade durch die Grünflächen. Und wo einst dichter, grüner Rasen war, macht sich jetzt blasser märkischer Sand breit. Besonders in letzter Zeit häufen sich die Fälle, daß den Rasenplätzen und Anpflanzungen auf Straßenplätzen schwerer Schaden zugefügt wird. Und zwar zum größten Teil durch Unachtsamkeit.

Dazu wäre folgendes zu bemerken: Die öffentlichen Grünanlagen der Reichshauptstadt sind Volksgut. Mit erheblichen Geldmitteln der Allgemeinheit werden sie hergestellt und dienen ausschließlich der Erholung und der Gesundheit aller Volksgenossen. Jede Beschädigung, gleich ob aus  Gedankenlosigkeit oder Böswilligkeit, ist daher ein Verbrechen gegen die Allgemeinheit und muß schärfstens bekämpft werden.

Es wird die allgemeine Zustimmung finden, daß jetzt die Behörde jedes unbefugte Betreten und Benutzen der Grünanlagen außerhalb der freigegebenen Plätze sowie jede Beschädigung der Anpflanzungen bei Strafe verbietet. Wer jetzt noch dabei erwischt wird, daß er beispielsweise an den Rasenkanten die Kurve zu eng nimmt, wird eine Strafverfügung zu gewärtigen haben. Außerdem werden die Betreffenden ersatzpflichtig gemacht werden. Eltern, die bei Zuwiderhandlungen der Kinder mit entsprechenden Strafen und Schadensersatzforderungen rechnen müssen, handeln im eigenen Interesse, wenn sie in dieser Beziehung ihre Kinder auf ein diszipliniertes  Verhalten aufmerksam machen. Jeder Volksgenosse wird gebeten, die Polizeibeamten und Parkwächter in ihrer Arbeit zu unterstützen. DER ANGRIFF 19. Juni 1939

Jetzt aber wird es endlich Zeit, einer weiteren Opfergruppe in Berlin ein Denkmal zu setzen, dem unbekannten Rasenkantenablatscher, der schon damals seine Verachtung des  Besitzes der Allgemeinheit deutlich zu Schau trug und damit wesentlich zum Sturz des Nazi-Regimes beitrug, in dem er wesentliche Arbeitskräfte zur Wiederherstellung der Grünanlagen band, die sonst in Rüstungsbetrieben oder Konzentrationslagern angestellt gewesen wären. Ihm gilt unser Dank.

17 Antworten zu „Antifaschismus der Tat“


  1. 1 Prosemit 19. Februar 2010 um 06:24

    Im dritten Reich waren die Sitten schon etwas verwildert.

    Man suche über Google und betrachte Bilder aus dem öffentlichen Raum der Kaiserzeit. Ich versuche heute Abend einige zu posten. Was dort aufällt, ist nicht nur der äusserst gepflegte Blumenschmuck, sondern die Tatsache, dass einfach Klappstühle an den Strassen stehen konnten, für die, die sich ausruhen und die Blumen betrachten wollten. Teure Stühle, die jeder hätte mitnehmen können, die aber niemand mitnahm – heute völlig undenkbar.

  2. 2 Karl Eduard 19. Februar 2010 um 06:30

    Ja, heute werden Bänke auseinander- und aus ihren Fundamenten gerissen und wären sie aus Stein, würde man versuchen, sie zu zertrümmern.

  3. 3 Karl Eduard 19. Februar 2010 um 06:32

    Wenn Deine Links nicht durchkommen, muss ich sie erst aus dem Spamfilter holen. Also nicht doppelt schicken.

  4. 4 Friederich 19. Februar 2010 um 10:20

    Tja, heute buhlt die Stadt Berlin um die Rasenkantenzerlatscher und Parkvermüller, weil sie diese als Wirtschaftsfaktor (sog. Liebesparade) erkannt hat. O tempora, o mores!

  5. 5 vakna 19. Februar 2010 um 10:44

    @Prosemit:

    Stühle, die einfach so zum Benutzen auf dem Rasen rumstehen habe ich letztens in einer Hauptstadt gesehen. Es war London.
    Und ein Denkmal, für im Dienst umgekommene Polizisten ist da auch.

    Ist das in Berlin möglich?
    Ich glaube nein, kann mich aber auch irren.

    @Karl Eduard:

    Da hast du mir aber ein Ei gelegt!
    Ich habe mühevoll die Nazischrift entziffert und dann steht drunter die “Übersetzung” in unbedenklicher Schrift…

    Dieses Rasenlatschen war bestimmt ein stiller Protest, weiß doch jeder, daß das Eisen der Gitter für die Kriegsproduktion gebraucht wurde. Ich bin dafür, die Rasenlatscher als Widerstandskämpfer zu ehren!

  6. 6 Karl Eduard 19. Februar 2010 um 10:57

    Ja, gerade, wo es wieder Schlimmeres zu verhüten gilt.

  7. 7 netzwerkrecherche 19. Februar 2010 um 11:03

    @vakna
    Ja, ich habe mir auch mühsam die Augen ausgelesen, um den Inhalt der schlechten Grafik zu entziffern. Aber mal ehrlich: So liest es sich doch viel authentischer.

    Im Übrigen ist auch das Wegwerfen von Essensverpackungen im 5-Km-Umkreis der McDonalds-Filialen ein stiller Protest gegen den bürgerlichen Ordnungswahn.

  8. 9 Karl Eduard 19. Februar 2010 um 14:13

    Vielen Dank für die Mühe und tatsächlich Klappstühle. Hat die Abends keiner zusammengeklappt?

  9. 10 go1331 19. Februar 2010 um 15:44

    @vakna

    nazischrift? wo?

  10. 11 vakna 19. Februar 2010 um 16:48

    @go1331:

    Mal hier im Blog bei den älteren Beiträgen lesen.

    Natürlich wissen die Leute, die hier schreiben, daß Fraktur keine “Nazischrift” ist.

  11. 12 Franz 19. Februar 2010 um 17:00

    @Prosemit

    Bei zeno.org gibts es eine Menge Ansichtskarten aus der Zeit um 1900 zu sehen. Sehr schön!

    Hier ein paar schöne Bilder aus meiner Heimatstadt:
    http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/big/AK02903a.jpg
    http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/big/AK02949a.jpg
    http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/big/AK02854a.jpg

  12. 13 Franz 19. Februar 2010 um 17:07

    Könnte mir stundenlang alte Bilder ansehen.
    Hier noch ein Bild aus Leipzig : http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/big/AK05976a.jpg

    Eine untergegangene Welt. Traurig.

    Hier kann man sich 10000 Ansichstkarten anschauen. Von Aachen bis Zwingenberg: http://www.zeno.org/Ansichtskarten/W/Inhaltsverzeichnis

  13. 14 Karl Eduard 19. Februar 2010 um 17:30

    Hm, frischer Speckkuchen. :)

  14. 15 ostseestadion 19. Februar 2010 um 18:06

    aber erst ab 6 8 uhr.
    das dauert alo noch.:-(

  15. 16 VolkerStramm 19. Februar 2010 um 20:34

    Franz, danke für den Link.
    In Dresden ist ja wieder viel aufgebaut. Genaugenommen ist alles viel schöner als je zuvor. Denn so was widerliches
    http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/big/AK05976a.jpg
    gibt´s nicht mehr. Heterofamilie mit Kindern, einfach ekelhaft.

  16. 17 Prosemit 20. Februar 2010 um 17:15

    @ Franz

    Danke für den Hinweis.
    Von zenor.org benutze ich bisher nur die Lexika, jetzt muss ich mir mal die Bilder zu Genüte führen.


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