Der Krieg vor dem Kriege

Jetzt, wo Griechenland Reparationsansprüche an Deutschland erhebt, was wohl bis zum Sankt Nimmerleins Tag so weitergehen wird, daß Deutschland seinen EU-Partnern zu zahlen hat, für im Zweiten Weltkrieg erlittene Schäden, als wäre der gerade mal zehn Jahre her, da ist es doch schön, daß der ZEITUNGSZEUGE mit dem Hitler-Stalin-Pakt aufmacht und der Nazischriftkundige erlesen kann, wie friedlich das herzliche Verhältnis zu Polen am 23. August 1939 bereits war, das Lärmen vor dem ersten Schuß sozusagen. Auch skrupellose Sachen erfährt man, zum Beispiel von einem Rechtsanwalt, der Juden nach Strich und Faden ausnahm, in dem er ihnen anbot, sie aus dem Reich zu schmuggeln, gegen Bares, versteht sich. Es aber nicht tat. Ob die verhängte Kerkerhaft wegen des Betrugs erfolgte oder wegen des Versuchs, Juden ausser Landes zu bringen, das erfährt der Leser nicht. Aus der FRANKFURTER ZEITUNG: Grafik anklicken, schont die Augen!

Anmerkung: Wenn hier von Volksdeutschen die Rede ist, handelt es sich um die deutsche Minderheit in Polen.

Polnische Grenzwächter schiessen auf deutsche Zollbeamte. Mährisch-Ostrau, 22. August. Am Grenzübergang Mischalkowitz-Süd bei Schlesisch-Ostrau ereignete sich ein Grenzzwischenfall, der nur durch die Kaltblütigkeit der angegriffenen deutschen Zollbeamten keine weiteren Folgen hatte. Zwei reichsdeutsche Zöllner unternahmen längs der Protektoratsgrenze einen Dienstgang, bei dem sie auch in der Nähe der polnischen Grenzwacchtbude am Grenzübergang Mischalkowitz vorbeikamen. In diesem Augenblick gab ein polnischer Polizeibeamter einen Schuß auf sie ab. Gleichzeitig alarmierte er weitere polnische Zollbeamte. … kam es bei Reichswaldau zu einem weiteren Zwischenfall, wobei ebenfalls von polnischer Seite auf eine deutsche Grenzstreife geschossen wurde. … Nach Eintritt der Dunkelheit konnten wiederholt Schüsse auf polnischer Seite gehört werden, die zeigen, daß durch die Truppenzusammenziehung auf polnischer Seite die Nervosität auch bei den Zollbeamten zunimmt. …

Schüsse auf deutsche Flüchtlinge.  Mährisch-Ostrau, 22. August. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß in den nächsten Tagen im Teschener-Bielitzer Gebiet mit einer Aktion gegen die Volksdeutschen zu rechnen ist. … Eine große Anzahl von Volksdeutschen konnte sich der beabsichtigten Verhaftung nur durch die Flucht entziehen…. Welch Schicksal sie erwartet, wenn sie ergriffen werden, kann man aus dem Los des Volksdeutschen Maletta ermessen, welcher von der Polizei unverletzt verhaftet wurde, dessen Tod jedoch nach wenigen Tagen gemeldet werden mußte. … Um die Flucht Volksdeutscher über die grüne Grenze ins Reich zu verhindern, ist der polnische Grenzpostendienst besonders nachts durch Militär verstärkt worden. … Am Sonntag, kurz vor 22 Uhr, überschritten vier zur Grenzwache herangezogene bewaffnete Aufständische die Reichsgrenze an der Zollstraße Hindenburg-Plesser-Strasse und gaben mehrere Schüsse auf den deutschen Zollbeamten ab, der das Feuer erwiderte ….

Überfälle in der Wojewodschaft Posen. Schneidemühl, 22. August. In Rawitsch (Wojewodschaft Posen) wurden hunderte deutscher Geschäftsleute von Polen, die mit Gummiknüppeln und Seitengewehren bewaffnet waren, mißhandelt. … Aus dem Kreise Schubin, in der Wojewodschaft Posen werden weitere Überfälle polnischer Soldaten auf Volksdeutsche gemeldet. … Neuerdings beteiligt sich auch uniformiertes polnisches Militär an der Zerstörung der Wohnungen der Volksdeutschen. … Unter der tschechischen bäuerlichen Bevölkerung des Olsagebietes herrscht wegen des Verhaltens der polnischen Siedlungsbehörden größte Aufregung. Die von der Wojewodschaft Kattowiz in die von der umfassenden Enteignung tschechischer Güter- und Siedlerstellen eingesetzten Zwangsverwalter richten die Güter zu Grunde. ….

In der Nähe der Danziger Grenze überfallen

Ein ganzes deutsches Dorf wandert aus …

So friedlich ist also die Welt im August 1939, daß Hitler einen fingierten Kriegsgrund benötigt, um über das säuglingsfriedliche Polen herzufallen. Weshalb wir den 1. September Weltfriedenstag heissen.

15 Antworten zu „Der Krieg vor dem Kriege“


  1. 1 wlodek 20. Februar 2010 um 14:27

    Gut, dass Hitler, diese “Provokationen” Polens im August 1939 vorausahnend, schon Monate früher den Befehl zum Vernichtungskrieg gab und mit den Vorbereitungen zum Aufmarsch der Wehrmacht begonnen wurde. Dann kann man einen polnischen Zollbeamten – oder eine Person in polnischer Uniform – prima zum Hauptschuldigen für den Ausbruch des 2. Weltkrieges machen. Heil!

  2. 2 Karl Eduard 20. Februar 2010 um 15:30

    Du hast ja so Recht und es ist alles ganz klar wie Klossbrühe. Warum ich da selber nur nicht darauf gekommen bin?

    Jetzt geh ich gleich los und latsche über einen Rasen. Als Wiedergutmachung.

  3. 3 Prosemit 20. Februar 2010 um 17:13

    Geschichte ist immer einfach.

    Die Sieger sind die Guten und die Verlierer sind die Bösen. Und! Rasenkanten nicht aussparen!

  4. 4 Karl Eduard 20. Februar 2010 um 17:16

    Ja, ich habs dem Rasen gegeben, dem Haderlumpen! :) Sind die Bilder, die Du verlinkt hast eigentlich frei?

  5. 5 Prosemit 20. Februar 2010 um 17:19

    Ja, die Bilder sind frei, da von einer amerikanischen Uni…

  6. 6 Karl Eduard 20. Februar 2010 um 17:32

    Ich würde die gerne mal in ein Video einbinden. Deshalb. Es gibt ein Buch, “Im Strom der Zeit”, Zeitreisender betritt die Welt vor dem Ersten Weltkriege. Hat mich sehr fasziniert und die Bilder erinnern mich daran.

  7. 7 Prosemit 20. Februar 2010 um 17:48

    Wenn Du noch irgendetwas brauchen solltest, Text oder Grafik, dann bitte kurze Notiz. Mein Archiv ist gut gefüllt von Sachen, die über Google eher weniger gefunden werden – wegen dem bekannten Problem.

  8. 8 Karl Eduard 20. Februar 2010 um 17:57

    Danke für das Angebot, meistens fallen mit Themen spontan ein. Wenn Du selber mal was schreiben willst, kein Problem, wenn Deine E-Mail-Adresse stimmt, kann ich Dir meine schicken und bin gerne bereit, Deine Texte zu veröffentlichen.

  9. 9 Bexbacher 20. Februar 2010 um 21:00

    War mit dem Thema selbst mal lange beschäftigt beim Post Scriptum Info Board (wurde mittlerweile vom Netz genommen- hatte 3.000 Zugriffe täglich)- Völkermord an Deutschen in Polen- ist noch als sitemap vorhanden. Nebenbei: dem Begriff Völkermord halte ich für falsch- der webmaster nannte es so.
    Mich würden Artikel der “Frankfurter Zeitung” zu diesem Thema interessieren, da sie witgehend ns-unabhängig war.

  10. 10 antifo 21. Februar 2010 um 03:35

    Die Details der Verhandlungen mit Polen, wie sie damals in den Zeitungen zu lesen waren, kann man auch in der Ausgabe Sept./Okt. 1939 der Weissen Blätter in der Rubrik “Das große Weltgeschehen” nachlesen:

    http://tinyurl.com/ybdjjxm

  11. 11 Prosemit 21. Februar 2010 um 07:31

    @ antifo 21. Februar 2010 um 03:35

    Danke für den Link zu den Weissen Blättern.

  12. 12 antifo 21. Februar 2010 um 08:07

    @Prosemit

    Gern geschehen. Weitere Ausgaben und deren Inhaltsverzeichnisse findest Du hier. Sollte es Schwierigkeiten mit den Ausgaben auf scribd.com geben, laß es mich wissen: Einfach Kommentar bei meinem Blog hinterlassen ;)

  13. 13 Prosemit 21. Februar 2010 um 08:15

    Danke für den Link, ich werde sie mir von scribd.com holen. Dort habe ich auch immer wieder mal Veröffentlichungen.

  14. 14 antifo 21. Februar 2010 um 10:54

    So. Jetzt gibt es auch eine Wikipedia-Seite zu den Weißen Blättern:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Weiße_Blätter

    Das ist zwar national-konservativ, aber die Inahlte stammen aus einem Lexikon und sind allemal ausgewogen. Außerdem gibt es auf den Seiten der Gedenkstätte Deutscher Widerstand eine Publikation zu der Zeitung. Insofern kann da kaum etwas passieren. Ich habe sowieso festgestellt, daß man eigentlich sehr viel in die WP’ia einpflegen kann, wenn man entsprechende Belege (in Form von Links oder ordentlichen Literaturangaben) befügt.

  15. 15 Prosemit 21. Februar 2010 um 11:05

    Dann bin ich eben einer der ersten Leser geworden :-)

    Gut geschrieben.


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