Komasaufen

Der Meistertrunk: Glaubt man dem Stück von Adam Hörber, dann soll sich die Geschichte folgendermaßen zugetragen haben (tatsächlich gibt es allerdings keine historischen Belege dafür, dass Tilly die eroberte Stadt überhaupt betreten hat): Tilly hatte die Ratsherren zum Tode verurteilt und wollte die Stadt brandschatzen lassen. In ihrer Not boten die Ratsherren Tilly als Willkommenstrunk Wein in einem prachtvollen bunten Glasbecher dar, der 3 1/4 Liter fasste. Tilly wurde dadurch milde gestimmt und sagte, wenn jemand diesen Becher voll Wein in einem Zuge austrinken könne, würde er die Stadt verschonen. Altbürgermeister Georg Nusch meldete sich freiwillig, und zu jedermanns Erstaunen gelang es ihm, den Becher in einem Zuge zu leeren. Tilly war dadurch so beeindruckt, dass er die Stadt verschonte.

3 Antworten zu „Komasaufen“


  1. 1 Prosemit 24. Mai 2010 um 08:19

    Das ist durchaus möglich. Man sollte Geschichte(n) durchaus als realistisch ansehen. Wie immer sind uns aus dem Mittelalter und der Neuzeit zahlreiche Quellen erhalten. Die Haushaltungsbücher (ich hatte hier schon etwas vorgestellt) geben auf den Pfennig genau oder auch auf das Glas genau die Mengen fest, die Bedienstete und Angestellte bekamen.

    Man trank sehr viel mehr Wein als heute. Es hatte mehrere Gründe, die ich kurz anreissen will. Wein war bis das mit Abstand gesündeste Getränk. Es war keimfrei! im Gegensatz zu dem normalen Brunnen- und Flusswasser. Der Wein hatte auch nicht die hohen Alkoholprozente wie heute und lag bei 6 bis 9 Volumen Prozent. Immerhin noch genug. Ohne Alkoholiker zu sein, tranken die Leute schlichtweg mehr, sehr viel mehr.

    In Bayern bekamen als Beispiel die Beamten des Landhuter Herzogs zwei Liter Wein am Tag, im Kloster Prüfening (gerade Klosterbücher (Rechnungsbücher) sind in phantastischer Zahl erhalten) bekommen die Angestellten zwischen 2,2 und 6,3(!!) Liter (2 bis 6 Maß) Wein am Tag. Sie werden das auch getrunken haben, denn den Wein bekam man in der Kanne und nicht haltbar abgefüllt in einer Flasche.

    Bekannt ist auch der Bierkonsum der früheren Bierfahrer und Knechte im 20. Jahrhundert. 7 bis 10 Liter Bier und damit Flüssigkeit war eher die Regel statt der Ausnahme. Das geht nur mit entsprechendem Magen (Größe) und (noch) funktionierender Leber und Nieren.

    Der gute Mann hatte sicherlich einen ausgezeichneten Zug, doch dürfte er im Training gewesen sein, was den aus dem Norden (mit wenig Wein) kommenden Tilly beeindruckt haben dürfte.

  2. 2 Karl Eduard 24. Mai 2010 um 08:22

    Im Sepp-Depp stand, die Tillyschen hätten nicht Magdeburg verheert. Es war der schwedische Kommandant und Proletarier aus der Fischergilde. So wird Geschichte umgelogen, daß heute jeder weiß, es waren die Kaiserlichen.

  3. 3 Prosemit 30. Mai 2010 um 07:38

    Noch ein Nachtrag.

    Der Bürgermeister mit dem guten Zug war ja auch Gastwirt. Ein Zitat aus dem nur partiell interessanten Vortrag über Alkohol bei Studenten von einem Verfechter der damaligen Antialkoholigerbewegung geschrieben.

    Ich selbst hatte Gelegenheit, einen Bierwirt zu behandeln, der während eines Zeitraums von 20 Jahren täglich 18–20 l Bier ohne irgendwelche Berauschung zu sich genommen hatte.

    Nun, der hätte wahrscheinlich einen solchen Humpen auch leeren können.

    Student und Alkohol.
    Vortrag von Dr. L. Loewenfeld. 1910

    http://www.gutenberg.org/files/29327/29327-h/29327-h.htm


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