Vor dem 25. Juli 1914 waren der österreichische Thronfolger und seine Frau am 28. Juni von einem serbischen Nationalisten ermordet worden. Das ist so, als würde heute jemand einen Staatspräsidenten umbringen, nur zum Verständnis. Sport & Salon berichtet in lateinischen Lettern über die Opfer. Seitdem forderte Österreich-Ungarn von der serbischen Regierung scharfe Maßnahmen gegen die serbischen Nationalisten, im heutigen Sprachgebrauch Extremisten oder Terroristen, was Serbien offenbar ablehnte. Auch heute ist so etwas ein Kriegsgrund, wenn ein Staat Terroristen begünstigt. Hugo Chavez droht gerade mit einem. Zuvor, wir erinnern uns, gab es bereits drei Balkankriege, in denen Serbien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, die Türkei, mal miteinander, mal gegeneinander, um Erhalt oder Erweiterung ihrer Territorien Krieg führten. Ruhige Zeiten also. Paradiesische, bis dann dieser kriegslüsterne deutsche Kaiser Wilhelm aus der Kiste sprang, so die allgemeine Geschichtsbildcharta für Deutschland. Seither trägt Deutschland die Alleinschuld am I. Weltkriege, das weiß jedes Schulkind. Demzufolge hatte es die Kriegslasten des Krieges alleine zu tragen und begleicht wohl immer noch die aufgezwungenen Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag. Der wiederum schuf die Bedingungen für einen Adolf Hitler 1933, der Zeitpunkt, an dem deutsche Geschichte überhaupt erst begann.
Wien, 25. Juli (1914). Ministerpräsident Pasitsch erschien wenige Minuten vor 6 Uhr in der k. und k. Gesandschaft in Belgrad und erteilte eine ungenügende Antwort auf unsere Note. Baron Giesl notifizierte ihm hierauf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und verließ mit dem Gesandschaftspersonal um 6.30 Minuten Belgrad. Die serbische Regierung hatte schon früher, um 3 Uhr nachmittags die Mobilmachung der gesamten Armee angeordnet. Der Hof und die Regierung sowie die Truppen räumten Belgrad. Die Regierung soll nach Kragujuvac verlegt werden. Wien, 25. Juli (Priv.) Nachdem die Antwortnote der serbischen Regierung nicht zur Befriedigung Österreichs ausgefallen ist, hat unser Gesandter um 6 Uhr 30 Minuten Belgrad verlassen und sich nach Semlin begeben. Die Staatsarchive und die Schatzdepots sind, soweit solche noch vorhanden waren, nach Risch gebracht worden. Eine tausendköpfige Menschenmenge wogt durch die Straßen. Überall wird die Volkshymne entblößten Hauptes gesungen. Die Leute umarmen einander auf offener Straße und bringen Hochrufe auf Kaiser Franz Josef aus. …
Der Bündnisfall. Die “Vossische Zeitung” befaßt sich mit den Bündnispflichten des Deutschen Reiches und sagt: Die deutsche Regierung hat wiederholt ihre Bündnistreue versichert. Träte der Bündnisfall ein, so käme sie sicherlich ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen nach. Welche Verpflichtungen sind das? Der deutsch-österreichische Bündnisvertrag vom 7. Oktober 1879 ist am 3. Februar 1888 veröffentlicht worden. In der Erklärung erklären die Monarchen, daß sie für die Sicherheit ihrer Reiche und die Ruhe ihrer Völker unter allen Umständen zu sorgen und deshalb einen “Bund des Friedens und zu gegenseitiger Verteidigung” zu knüpfen beschlossen haben. Artikel I. lautet:
“Sollte wider Verhoffen und gegen den aufrichtigen Wunsch der beiden hohen Kontrahenten eines der beiden Reiche von seiten Rußlands angegriffen werden, so sind die hohen Konttrahenten verpflichtet, einander mit der gesamten Kriegsmacht ihrer Reiche beizustehen und demgemäß den Frieden und nur übereinstimmend zu schließen.”
Danach wäre also für Deutschland der Bündnisfall gegeben, sobald Rußland Österreich-Ungarn angreift. Der Artikel II. nimmt den Fall an, daß Deutschland oder Österreich-Ungarn in einen Krieg mit einer anderen Macht als Rußland verwickelt würde. Hier werden Verpflichtungen nur aufgestellt, sofern der Verbündete angegriffen wird, nicht sofern er angreift. Wird der Verbündete von einer dritten Macht angegriffen, so hat der andere Kontrahent dem Angreifer nicht nur nicht beizustehen, sondern “mindestens eine wohlwollende neutrale Haltung gegen den hohen Mitkontrahenten zu beobachten”. Dann fährt der Artikel fort:
“Wenn jedoch in solchem Falle die angreifende Macht von Seite Rußlands, sei es in Form einer aktiven Kooperation, sei es durch militärische Maßnahmen, welche den Angegriffenen bedrohen, unterstützt werden sollte, so tritt die in Artikel I stipulierte Verpflichtung des gegenseitigen Beistandes mit voller Heeresmacht auch in diesem Fall sofort in Kraft, und die Kriegführung der beiden hohen Kontrahenten wird auch dann eine gemeinsame bis zum gemeinsamen Friedensschluß.”
Das heißt: 1) Angenommen, Österreich ist Serbien gegenüber der angreifende Teil, und Rußland schickt Truppen gegen die österreichische Grenze vor, ohne gegen Österreich die Feindseligkeiten zu eröffnen, so hat Deutschland keine Verpflichtung zum Eingreifen. 2) Angenommen, Serbien ist der angreifende Teil, und Rußland unterstützt es durch militärische Maßnahmen, die Österreich bedrohen, so hat das Deutsche Reich sofort der Habsburgischen Monarchie mit voller Heeresmacht beizustehen. Quelle.

Für Wienreisende lohnt der Besuch des Heeresgeschichtlichen Museums. Dort ist auch der Wagen ausgestellt, in dem der Thronfolger erschossen wurde – und mit 1918 endet auch praktisch die Geschichte in diesem Museum. Es muß nicht immer Schloß Schönbrunn sein.
Zum Schicksal Deutschlands kann man kurz sagen : Der Krieg hat viele Väter, aber nur einen Schuldigen. Der wird vom Sieger bestimmt.
http://www.hgm.or.at/ger/
Zu der unendlichen Literatur, die sich mit dem ersten Weltkrieg befasst weise ich noch einmal auf Karl Kautsky hin. Er ist einer der unverdächtigsten Beobachter des ersten Weltkrieges.
Wikipedia unterschlägt in gewohnter linker Manier einige wichtige Werke Kautskys und seine Beurteilung des ersten Weltkriegs :
In monatelanger Arbeit studierte er die Dokumente des Amtes aus dem Jahr 1914 und legte im Februar 1919 eine Denkschrift über den großen Anteil der deutschen Regierung Bethmann Hollweg an der Kriegsschuld vor. Reichskanzler Philipp Scheidemann verhinderte jedoch eine Veröffentlichung der Denkschrift, weil er glaubte, sie würde der deutschen Position bei den Friedensverhandlungen von Versailles schaden.
Das ist nicht nur die halbe Wahrheit, das ist eine glatte Lüge durch Unterlassung.
In der Bibliographie von Wikipedia wird das Werk
“Die deutschen Dokument zum Kriegsausbruch
vollständige Sammlung der von Karl Kautsky zusammengestellten amtliche Aktenstücke
1919″
unterschlagen. Karl Kautsky war beauftragt als bekennender Marxist und bekannter Linker die Kriegsschuldfrage anhand der Aktenstücke zu belegen. Er kam jedoch zu einem als historisch zu bewertenden Urteil zu einem anderen Schluss, den er ebenfalls in einem von Wikipedia unterschlagenen Buch veröffentlichte.
“Delbrück und Wilhelm II: Ein Nachwort zu meinem Kriegsbuch,
Verlag Neues Vaterland 1920″
Ich zitiere die Passage aus Seite 37 :
b) Die deutsche Schuld.
Ich kann hier das Geständnis machen, daß es eine Zeit gab, in der ich der deutschen Regierung unrecht tat. Wohl besaß ich nicht das felsenfeste Vertrauen Delbrücks in die Klarheit und Wohlüberlegtheit ihres Programms, immerhin nahm ich an, daß sie sich der sinnenfälligsten Konsequenzen ihres Vorgehens klar bewußt war, als sie sich zur Unterstützung Österreichs entschloß. Dann aber konnte man auf Grund der bekannten Tatsachen nur zu dem Ergebnis kommen, daß Deutschland
den Weltkrieg 1914 gewollt hatte, ihn planmäßig herbeiführte. Zu
erklären war dieser Krieg nur als Präventivkrieg.
Ich war sehr überrascht, als ich Einsicht in die Akten bekam.
Meine ursprüngliche Auffassung erwies sich mir als unhaltbar. Deutschland hat auf den Weltkrieg nicht planmäßig hingearbeitet. Es hat ihn schließlich zu vermeiden gesucht. Delbrück findet denn auch, daß für den aufmerksamen Leser Kautsky nicht der Ankläger, sondern der Verteidiger der deutschen Regierung ist.
Danke für die Ergänzung. man kommt ja erst im hohen Alter dazu, sich darüber Gedanken zu machen. Von der Schule her war alles klar. Deutschland hatte Schuld am Kriege. Basta.
Es dürfte weniger das hohe Alter sein.
Durch das Internet kommt man zu einem Informationsangebot und Informationsaustausch, der früher undenkbar war. In diesen Blogs beschäftigen wir uns häufig mit dem Islam und der Zuwanderung. Dem Denkenden wird irgendwann klar, dass das Mantra “Islam ist Frieden” und “Zuwanderung bedeutet gesicherte Renten” völlig unsinnig und grundsätzlich falsch ist. So wird der Keim des Zweifels eingepflanzt und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo der Zweifel das Hinterfragen bringt. Bei Einigen kommt dann das Aha! Erlebnis, bei den meisten aber nichts, denn Zweifel ist mühsam. In der Matrix zu leben, bedeutend einfacher.
Man darf ganz einfach annehmen, dass heute die gesamte Geschichtsschreibung nur aus linker Perspektive existiert. Damit kann man aber nur als überzeugter Marxist-Leninist leben.
Als mündiger Bürger und überzeugter Demokrat muss man sich von vielen “Vorurteilen” lösen. Dieses Blog macht das überzeugend.