Archiv für 31. Juli 2010

Der einstige Brigant als Schneider

Ab und zu speien die italienischen Zuchthäuser altersgraue Gestalten aus, die zu einer längst verflossenen Zeit, als Europa noch ganz anders aussah als heute, durch ihre Einschließung hinter Kerkermauern dem Anblick der neuzeitlichen Entwicklung entzogen worden sind. So verließ unlängst der Brigant Giuseppe Tarantini die Strafanstalt von Nisida bei Neapel, wo er 45 Jahre Zuchthaus verbüßt hat. Sein Verbrechen war die Teilnahme an dem von bourbonischen Agenten im ehemaligen neapolitanischen Reich geleiteten Räuberunwesen, das im Jahre 1865 durch General Pallavicini mit militärischer Gewalt unterdrückt worden ist. Tarantini focht, stahl und mordete als Mitglied der Bande des berüchtigten Crocgo in den Bergen und Wäldern der Basilicata herum, bis er verhaftet wurde. Der höheren Gewalt gehorchend, widmete Tarantini sich im Zuchthaus dem friedlichen Schneidergewerbe, führte sich gut auf und brachte es in dem stillen Reiche zum angesehenen Schneidermeister. Nun ist der Alte fast 70 Jahre und kehrt in die Freiheit zurück. Er hat sofort nach seiner Entlassung die Reise in die Heimat angetreten, wo die Verwandten ihn mit Jubel empfingen, denn er bringt als Lohn seiner 45 jährigen fleißigen Arbeit ein kleines Vermögen mit und kann somit sein Alter als anständiger Mensch verleben. *DIE NEUE ZEITUNG 31.07.1910 *

Ein Schrein für die Raver der Herzen

Nachdem sich die verkannten Albert Schweitzer der Techno-, Sex- und Drogenszene, sowie all die Mütter Theresas  in Duisburg, die beim all dem aufopfernden Drängeln um eine schnelle Nummer oder einen weiteres Bier, auf dem Altar des Profits fielen und Oberbürgermeister Sauerland demnächst vors Völkerkriegstribunal wird geschleift werden müssen, da wird es auch einen Schrein, eine Humptata-Humptata-Kapelle oder auch einen Raum gehen, in dem sich verheulte Loveparadeteilnehmer gegenseitig schluchzend in die Arme fallen können, in dem sie sich trösten und versichern, eigentlich hätten sie ja gleich nach Bekanntgabe des erfolgten Massenmordes an ihren Mitravern aufhören wollen, zu hüpfen, alleine, es ging nicht und immer noch sind sie betroffen, ganz traurig und traumatisiert fürs Leben. Jedenfalls so weit, wie ihr Gedächtnis zurückreichen wird, mindestens aber bis zum nächsten Event. Und da sollten wir diesem Geschäftsmann, der diesen Weiheort schaffen will, doch ziemlich dankbar sein. Angesichts der Moscheedichte um Duisburg müssen wir uns aber fragen, ob mit der Errichtung einer Kapelle dann nicht doch nur wieder eine bestimmte Religion diskriminiert werden soll. Ich fürchte ja.

Wer hat die Kokosmilch verschüttet?


Blog Stats

  • 718,546 hits

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.