Archiv für Juli 2010



Bündnisverpflichtungen

Vor dem 25. Juli 1914 waren der österreichische Thronfolger und seine Frau am 28. Juni von einem serbischen Nationalisten ermordet worden. Das ist so, als würde heute jemand einen Staatspräsidenten umbringen, nur zum Verständnis.   Sport & Salon berichtet in lateinischen Lettern über die Opfer. Seitdem forderte Österreich-Ungarn von der serbischen Regierung scharfe Maßnahmen gegen die serbischen Nationalisten, im heutigen Sprachgebrauch Extremisten oder Terroristen, was Serbien offenbar ablehnte. Auch heute ist so etwas ein Kriegsgrund, wenn ein Staat Terroristen begünstigt. Hugo Chavez droht gerade mit einem. Zuvor, wir erinnern uns, gab es bereits drei Balkankriege, in denen Serbien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, die Türkei, mal miteinander, mal gegeneinander, um Erhalt oder Erweiterung ihrer Territorien Krieg führten. Ruhige Zeiten also. Paradiesische, bis dann dieser kriegslüsterne deutsche Kaiser Wilhelm aus der Kiste sprang, so die allgemeine Geschichtsbildcharta für Deutschland. Seither trägt Deutschland die Alleinschuld am I. Weltkriege, das weiß jedes Schulkind. Demzufolge hatte es die Kriegslasten des Krieges alleine zu tragen und begleicht wohl immer noch die aufgezwungenen Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag. Der wiederum schuf die Bedingungen für einen Adolf Hitler 1933, der Zeitpunkt, an dem deutsche Geschichte überhaupt erst begann.

Wien, 25. Juli (1914). Ministerpräsident Pasitsch erschien wenige Minuten vor 6 Uhr in der k. und k. Gesandschaft in Belgrad und erteilte eine ungenügende Antwort auf unsere Note. Baron Giesl notifizierte ihm hierauf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und verließ mit dem Gesandschaftspersonal um 6.30 Minuten Belgrad. Die serbische Regierung hatte schon früher, um 3 Uhr nachmittags die Mobilmachung der gesamten Armee angeordnet. Der Hof und die Regierung sowie die Truppen räumten Belgrad. Die Regierung soll nach Kragujuvac verlegt werden. Wien, 25. Juli (Priv.) Nachdem die Antwortnote der serbischen Regierung nicht zur Befriedigung Österreichs ausgefallen ist, hat unser Gesandter um 6 Uhr 30 Minuten Belgrad verlassen und sich nach Semlin begeben. Die Staatsarchive und die Schatzdepots sind, soweit solche noch vorhanden waren, nach Risch gebracht worden. Eine tausendköpfige Menschenmenge wogt durch die Straßen. Überall wird die Volkshymne entblößten Hauptes gesungen. Die Leute umarmen einander auf offener Straße und bringen Hochrufe auf Kaiser Franz Josef aus. …

Der Bündnisfall. Die „Vossische Zeitung“ befaßt sich mit den Bündnispflichten des Deutschen Reiches und sagt: Die deutsche Regierung hat wiederholt ihre Bündnistreue versichert. Träte der Bündnisfall ein, so käme sie sicherlich ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen nach. Welche Verpflichtungen sind das? Der deutsch-österreichische Bündnisvertrag vom 7. Oktober 1879 ist am 3. Februar 1888 veröffentlicht worden. In der Erklärung erklären die Monarchen, daß sie für die Sicherheit ihrer Reiche und die Ruhe ihrer Völker unter allen Umständen zu sorgen und deshalb einen „Bund des Friedens und zu gegenseitiger Verteidigung“ zu knüpfen beschlossen haben. Artikel I. lautet:

„Sollte wider Verhoffen und gegen den aufrichtigen Wunsch der beiden hohen Kontrahenten eines der beiden Reiche von seiten Rußlands angegriffen werden, so sind die hohen Konttrahenten verpflichtet, einander mit der gesamten Kriegsmacht ihrer Reiche beizustehen und demgemäß den Frieden und nur übereinstimmend zu schließen.“

Danach wäre also für Deutschland der Bündnisfall gegeben, sobald Rußland Österreich-Ungarn angreift. Der Artikel II. nimmt den Fall an, daß Deutschland oder Österreich-Ungarn in einen Krieg mit einer anderen Macht als Rußland verwickelt würde. Hier werden Verpflichtungen nur aufgestellt, sofern der Verbündete angegriffen wird, nicht sofern er angreift. Wird der Verbündete von einer dritten Macht angegriffen, so hat der andere Kontrahent dem Angreifer nicht nur nicht beizustehen, sondern „mindestens eine wohlwollende neutrale Haltung gegen den hohen Mitkontrahenten zu beobachten“. Dann fährt der Artikel fort:

„Wenn jedoch in solchem Falle die angreifende Macht von Seite Rußlands, sei es in Form einer aktiven Kooperation, sei es durch militärische Maßnahmen, welche den Angegriffenen bedrohen, unterstützt werden sollte, so tritt die in Artikel I stipulierte Verpflichtung des gegenseitigen Beistandes  mit voller Heeresmacht auch in diesem Fall sofort in Kraft, und die Kriegführung der beiden hohen Kontrahenten wird auch dann eine gemeinsame bis zum gemeinsamen Friedensschluß.“

Das heißt: 1) Angenommen, Österreich ist Serbien gegenüber der angreifende Teil, und Rußland schickt Truppen gegen die österreichische Grenze vor, ohne gegen Österreich die Feindseligkeiten zu eröffnen, so hat Deutschland keine Verpflichtung zum Eingreifen. 2) Angenommen, Serbien ist der angreifende Teil, und Rußland unterstützt es durch militärische Maßnahmen, die Österreich bedrohen, so hat das Deutsche Reich sofort der Habsburgischen Monarchie mit voller Heeresmacht beizustehen. Quelle.

Niemand muss „Mediencharta“ unterschreiben

Jetzt sind wir alle beruhigt. Unser Integrationstalent, Sozialministerin Aygül Özkan hat klargestellt: Niemand von der Presse oder den Sendern muß eine Mediencharta unterschreiben, bei der sich die Unterzeichner darauf einigen, türkische oder libanesische Tottreter, die Ali oder Serkan heißen,  nur noch Fritz und Witja zu nennen und so extra sensibel mit den Problemen umzugehen, die die ARD nur ganz, ganz spät nach Mitternacht ausstrahlt, wenn sowieso alles schläft.  „Bei dem Runden Tisch geht es um eine Diskussion auf Augenhöhe. Eine Unterschrift wird selbstverständlich von niemandem verlangt„, sagte eine Ministeriumssprecherin der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“. Natürlich muß niemand unterschreiben, künftig jeden, mit özkanschem Hintergrund, der halbwegs Deutsch radebrechen kann und nicht vom Sozialstaat lebt als zu bewundernden Integrationserfolg zu bejubeln, an der Straße der besten Integrierten, sozusagen. Wo auch der Stachanowflugunternehmer Öger dauerhängt. Niemand muß. Es kann auch jeder der tapferen Eingeladenen mit fester zittriger Stimme sagen, nein, Genossin Gleichschaltungsministerin, ich sehe es als die Aufgabe meiner Zeitung oder meines Senders an, kritisch die Realität abzubilden und Probleme und Gefahren zu benennen, ich mache diese freiwillige Kastration nicht mit. Kann jeder tun, in der illustren Runde der Anwesenden. Der wird sich dann aber die Frage gefallen lassen, die auch jetzt schon immer Leser stellen, weil sie völlig von der Rolle sind, wenn Zeitungen mal ausnahmsweise kritische Artikel die sich mit dem Volke Özkan befassen, ob diese widerliche Hetze gegen Muslime sein muß, die hier ja auch nur vom Sozialstaat leben wollen und von Geldwäsche oder der Straßenraub und immerhin gibt es sogar Gemüsehändler, die schlagen ihre Frau erst zuhause! Ja, das sollte man doch mal bedenken. Nicht?

Bild: Isch schör: Wir wollen uns nur darüber am Runden Tisch unterhalten, was Zeitungen schreiben und was sie nicht schreiben. Das ist keine Zensur. Isch schwör. Alles ist freiwillig. Wie in der Türkei. Da muß auch niemand fürchten, ermordet zu werden, wenn er unsensibel über das schreibt, was meine Heimat mit den Armeniern gemacht hat. Oder mit den Kurden tut. Auch denen, die keine Bomben werfen.

Unser Dauerbester

Seit 40 Jahren muß Vural Öger als Erfolgsmodell herhalten. Weil die Medien niemand anderen finden. Oder nicht suchen. Aber nicht jeder Türke kann Bundestagsabgeordneter oder Flugunternehmer werden. Das demotiviert große Teile, die deswegen eine Laufbahn als Türsteher, Gemüsehändler, Geldwäscher oder HARTZ IV anstreben. Zum Glück haben wir jetzt auch  Aygül Özkan. Denen immer wieder von Feinden der Integration Fallen gestellt wird.

Der Sommer 1911

Prag, 26. Juli. Die an das gestrige Gewitter geknüpften Hoffnungen, daß nunmehr kühleres Wetter vorherrschen wird, haben sich nicht erfüllt und heute stieg die Temperatur hier zu einer Höhe hinan, wie sie schon seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Sonnenseitig wurden mittags 54 Grad Celsius abgelesen. Infolge der drückenden Schwüle wurden zahlreiche Personen von Unwohlsein befallen. Der Aufenthalt in den Straßen war in den Mittagsstunden geradezu unmöglich. …

Berlin, 23. Juli. Berlin hat heute den heißesten Tag seit 6 Jahren (!) gehabt. Im Schatten wurde eine Temperatur von 36 Grad gemessen. Ein Kutscher wurde vom Hitzschlag getroffen. Er fiel vornüber aus dem Wagen, wurde überfahren und getötet. In Wannsee erlitt eine Dame im Bad einen Hitzschlag und starb bald darauf.

Berlin, 25. Juli. Hier sind zahlreiche Hitzschläge konstatiert worden. In Leipzig sind 40 Grad Celsius konstatiert worden. Vier Personen sind infolge Hitzschlages krank geworden.

Köln, 23. Juli. Seit 8 Tagen herrscht hier furchtbare Hitze, die vielfach bösartige Krankheiten hervorgerufen hat und zahlreiche Todesopfer insbesonders unter den Kindern forderte. Gestern wurden zehn Personen vom Hitzschlag getroffen.

Stettin, 23. Juli. Gestern wurden 40 Grad Celsius abgelesen. Vom Kaisergrenadierregiment Nr. 2, das in der Nähe der Stadt eine Übung veranstaltete, wurden infolge Hitze 96 Mann marschunfähig.

Hamburg, 23. Juli. Die Hitze war gestern und heute unerträglich. 30 Personen wurden vom Hitzschlag getroffen.

318 Schweine verendet. Von einem Schweinetransport aus Norddeutschland wurden bei der Ankunft am Kölner Schlachthofe 318 Stück infolge der Hitze verendet vorgefunden.

Zahlreiche Hitzschläge in Sachsen. Wie das „Gothaer Tagblatt“ meldet, sind von den Mannschaften der Infanterieregimenter Nr. 71, 94 und 95, die sich gegenwärtig auf einem Übungsmarsche nach Ohrdruff befinden, 100 Mann infolge der großen Hitze dienstunfähig geworden. Zwei der erkrankten Soldaten sind an Hitzschlag bereits gestorben. Die Übungen mußten abgebrochen werden. Aus der ganzen Provinz Sachsen laufen Nachrichten ein, wonach zahlreiche Personen Hitzschläge erlitten haben. In den letzten beiden Tagen sind in der Provinz Sachsen 20 Personen an Hitzschlag gestorben. …

Große Hitze in London. London 22. Juli. Mit 42 Grad Celsius erreichte heute die Hitze ihren Höhepunkt. Seit September 1906 wurde in London eine derartige Hitze nicht erlebt. In vielen Teilen des Landes hat der Torfboden Feuer gefangen. Die Flammen bedrohen viele historische Landsitze und Dörfer. Unzählige Fälle von Hitzschlag haben sich ereignet.  Quelle.

Es betrifft auch die Schweine

Totgedrängelt

Eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, ist furchtbar“, sagte Wulff der „Bild am Sonntag“. „Wie viele Menschen in unserem Land, die von diesem Unglück erfahren, bin ich mit meinen Gedanken bei den Opfern der Tragödie und allen ihren Angehörigen und Freunden. Ich hoffe, dass ihnen und allen Verletzten schnelle und wirksame Hilfe zuteil wird und die Ursachen rückhaltlos aufgeklärt werden.

Ist ein Flugzeug abgestürzt, ein Autofahrer besoffen in eine Menge gerast, ist eine Bombe explodiert? Nein, die Leute waren einfach zu bescheuert, gesittet durch einen Zugang zu schreiten, ohne sich gegenseitig totzuquetschen und da ging es noch nicht mal ums nackte Leben, wegen Brand oder Flut oder weil eine Herde Stiere auf sie zuraste, sondern nur um die Teilnahme an einer Drogen- und Sexparty. Das ist die Ursache, Herr Bundespräsident. Bescheuertheit. Nichts anderes. Nun könnte man ja Ursachenforschung betreiben, warum die Leute bescheuert sind, warum sie sich totdrängeln.  Aber das wird wohl niemand tun. Doch Dr. Motte, die Inkarnation der Unschuld, weiß Bescheid. Es war die Profitgier der Veranstalter, die Menschen dazu gebracht hat, sich zu schubsen und zu quetschen und die Masse aufzuschaukeln. Wir wissen ja: Krieg und Leichen – immer noch Hoffnung der Reichen. Weshalb letztere enteignet gehören.

Der Kopf ist hohl und leer

Wie hohl und leer die Teilnehmerköpfe waren, darauf weist Ostseestadion hin. Rettungskräfte sind verwundert, daß sie bei den Rettungsarbeiten beschimpft und mit Steinen beworfen wurden.

Ärger mit der Eisenbahn

Alles stöhnt über ausgefallene Klimaanlagen im ICE, was für Erdnüsse! Pünktlich muß die Bahn fahren, pünktlich! Was dabei herauskommt, wenn sie, wie heute immer öfters, unpünktlich fährt, kann man nachfolgend lesen, dann kommen nämlich die Badener zu spät! Der Juli 1866 war heiß, sehr, heiß, was auf einen frühen Schellnhuberschen Klimawandel hindeutete. Nur gab es da weder das Lügenmaul Al Gore, noch den besagten professoralen Klimawandel – folgen – forschungs – profiteur, demzufolge schwitzten die Leute nur, ohne angstvoll zum Pol zu eilen, um Eisbären zu kraulen oder Gletschern wärmende, bzw. kühlende Decken aufzulegen. Außerdem hatten sie andere Sorgen. Nämlich die auftreibenden Leichen von ihren Äckern, Wiesen und Straßen zu holen und die Verwundeten zu bergen. Einfach so, mit Karren und auf Geheiß ihrer Bürgermeister oder Amtsvorsteher.

Wien, 23. Juli (1866). FREIE PRESSE. Der ehemalige Kriegsminister aus der Reichsrathzeit, Graf Degenfeld, befindet sich in Begleitung des ehemaligen österreichischen Gesandten in Berlin, Grafen Karolyi, und des früheren österreichischen Gesandten in Darmstadt, Freiherrn von Brenner, gegenwärtig im preußischen Hauptquartier zu Nikolsburg, um während der eingetretenen fünftägigen Waffenruhe mit dem preußischen General-Lieutenant v. Moltke und dem Grafen Bismark die Bedingungen eines die Friedens-Präliminarien enthaltenden Waffenstillstands zu vereinbaren. Wenn auch  noch nicht den Wortlaut, so kennt man doch bereits die wesentlichen Punkte dieser  Friedens-Präliminarien, und nach Allem, was uns darüber gestern aus Paris berichtet wurde, zu urteilen, sind dieselben so hart, wie dies unter den gegenwärtigen höchst traurigen Umständen nur denkbar ist. Österreich soll aufhören, zu Deutschland zu gehören; aber auch ohne Österreich soll Deutschland nicht einheitlich constituiert werden. Preußen wird politisch und militärisch  der Gebieter über Deutschland bis zur Mainlinie, Baiern, Würtemberg, Hessen-Darmstadt, Baden sollen unter der Führung Baierns eine selbständige Gruppe bilden. So will es nicht Österreich, so will es auch nicht Preußen, so will es eine Macht, die in deutschen Dingen nichts mitzureden haben sollte, so will es das napoleonische Frankreich … .

Von der schlesisch-böhmischen Grenze schreibt man der A. A.  Ztg. unterm 18. Juli: Aus Pleß wird gemeldet, daß die Beunruhigung der oberschlesischen Grenze durch österreichische Streifzüge fortdauert, und namentlich beschossen die Österreicher am 16. v. das Badehaus zu Goczalkowitz und es mußte das in Pleß stehende Militär gegen dieselben ausrücken, wobei mehrere Preußen durch Schüsse verwundet wurden. Unter der Kriegsbeute, welche jetzt oft über die Grenze gebracht wird, sieht man mitunter auch österreichische Gewehre von so schlechter Beschaffenheit, daß die preußischen Miniègewehre, mit welcher die Landwehr zweiten Aufgebots bewaffnet wird, mit denselben den Vergleich aushalten. Auch die Kanonen scheinen von geringerer Beschaffenheit als jene der preußischen zu sein, aber im Allgemeinen stimmen die Preußen darin überein, daß die österreichische Artillerie besser schießt als die preußische. …

Über die Kämpfe des achten Bundes-Armeecorps mit den Preußen bei und in Aschaffenburg bringt der „Schwäbische Merkur“ nachstehende Berichte: Aschaffenburg, 17. Juli. Soeben, Dienstag Abends um 9 Uhr, lange ich hier an. Auf der Mainbrücke sind die Preußen beschäftigt, die Minen zur Sprengung der brücke zu legen. Es heißt, die Bundesarmee werde in der kommenden Nacht die Stadt bombardieren. Die Bewohner der am Main-Ufer gelegenen Häuser sind angewiesen, ihre Wohnungen für diese Nacht zu verlassen. Vor der Stadt, auf dem linken Main-Ufer, liegt eine Abteilung Preußen in Stockstadt, eine halbe Stunde von Aschaffenburg, eine Compagnie in einer viertelstunde Entfernung im Bivouak, und soeben ertönt ein Signal, das ein weiteres Bataillon zum Bivouakieren von der Stadt ruft. Die 10 – 18,000 Mann, welche in der Stadt liegen, sind die Sieger von Kissingen, die seit jener Schlacht in zweiter Linie stehen; die Kämpfer von Langensalza stehen noch weiter zurück, in Hößbach und Umgebung, und bilden die Reserve, bis wieder die Reihe an sie kommt, die Angriffskolonne zu bilden.

Laufach 18. Juli. Die Nacht in Aschaffenburg ging ohne Störung vorüber. Diesen Morgen um halb 6 Uhr wurden die 900 Österreicher(Italiener), welche bei Aschaffenburg freiwillig die Gewehre streckten, und 500 gefangene Bayern mittels der Eisenbahn auf eine preußische Festung  (Königsberg wurde genannt) befördert. Ich habe das Schlachtfeld von Aschaffenburg bis Laufach, in einer Ausdehnung von drei Stunden, begangen und den Ort der Verwüstung gesehen, die zahlreichen Lazarethe, die man in jedem Weiler und jedem Dorf antrifft, theilweise – unter Anderem die Kirche in Laufach, welche von Stühlen und Bänken ganz geräumt, nur als Lazarteh dient – besucht, die auf den Feldern angelegten Begräbnisstätten, die vier größten bei Frohnhofen(Filiale von Laufach), angesehen. Die einstimmige Ansicht von Soldaten und Bürgern ging dahin, daß es ein tollkühnes Unternehmen von General Perglas gewesen sei, trotz wiederholter Warnungen mit 6000 Hessen und vier Kanonen vom Thal aus die Preußen ohne Kenntnis ihrer Stärke (ihre Zahl wuchs allmählich auf 20,000 Mann mit 24 Kanonen, dieselben, die jetzt in Frankfurt liegen) anzugreifen. Die auf der Landstraße von Lohr heranziehenden Preußen theilten sich bei Hain in zwei Colonnen; die eine besetzte eine bewaldete Höhe südlich von Frohnhofen, die andere zog sich in einer Schlucht östlich vom Weiler aus der sie die Anhöhe erklettern konnten, die sie zugleich als Wall benützt; beide Colonnen konnten die auf einem hinter dem Weiler nördlich ansteigenden Kornfelde aufgestellten Hessen vollständig mit ihren Schüssen beherrschen. Bald zogen sich die Hessen nach großen Verlusten im Thal abwärts nach Aschaffenburg, wo von Frankfurt her ein paar tausend Österreicher eben noch zur Zeit ankamen, um den Rückzug der Hessen einigermaßen zu decken. Die Badener, auf deren Nachfolge die Österreicher sicher rechneten, kamen nicht, da sich der Bahnzug auf irgendwelche Weise verspätete. Nun folgte noch ein harter Kampf um und in Aschaffenburg, während welchem 900 Österreicher zu den Preußen übergingen. Auf dem linken Ufer des Mains verfolgten die Preußen noch ihre Feinde bis Stockstadt, wo den Hessen eine von Hanau retirierte Colonne Würtemberger zu Hilfe kam und zur Sistierung des Kampfes, der vom Vormittag 11 Uhr bis zum Einbruch der Nacht gedauert, mitwirkte. Heute erstreckt sich die preußische Armee bis zum Weiberhof, zwischen Hößbach und Laufach. Ein Sanitäts-Commando befindet sich auch hier und Vorposten treten über Hain hinaus. …

Die Nachricht, daß bei Aschaffenburg 1500 Österreicher gefangen genommen wurden, ist leider wahr; es sind dies durchgängig Italiener vom Regimente Wernhardt, das früher in Mainz lag. Schon auf dem Durchmarsche durch Frankfurt erzählten mir die Offiziere, daß, seitdem den Leuten die Abtretung Italiens bekannt geworden, ein schlechter Geist unter denselben herrsche und sie im Falle, daß die Truppe ins Gefecht kommt, sich wenig Gutes versprechen. …

Quelle.

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