… am 26. Oktober(1863), begab sich der König nach einem anderen Theile seiner Lande,…. Die neuvorpommersche Eisenbahn, welche von Angermünde und von Stettin aus über Prenzlau, Pasewalk, Anklam und Greifswald nach der alten Seestadt Stralsund (gegenüber der herrlichen Insel Rügen) und durch eine Seitenbahn nach Wolgast führt, sollte am genannten Tage feierlich eröffnet werden. Der König folgte der Einladung der Eisenbahn-Gesellschaft zur Theilnahme an dem Eröffnungsfest und begab sich in zahlreicher Begleitung nach Stralsund. ... Dort würdigte der König die technische Innovation mit den Worten: »Ich sage Meinen Dank für die Worte, die Sie so eben ausgesprochen haben. Ihre drei Worte sind eine Beruhigung für Mein Herz, getrost, muthig und mit Gottvertrauen. Ich wünsche Ihnen Allen Glück, daß nun auch diese Stadt durch Eisenschienen mit dem Innern des Landes und mit Europa in Verkehr gesetzt ist. Erheben Sie Alle, die hier als Gäste sind, das Glas auf das Wohl der Stadt Stralsund!«
Während desssen gingen draußen die Proteste und Demonstrationen der aufgebrachten Bürger gegen die Eisenbahn weiter, deren stählerne Schienen nicht nur große Teile herrlichster Landschaft zerschneiden sollten, nein, auch Tausende alter Bäume würden ihr zum Opfer fallen, aus diesem Grunde waren Bayern, Thüringer, Friesen und Hessen angereist, alles Aktivisten und Freunde der Deutschen Heimat, die mit allem Anstand, aber energisch ihre Stimme erhoben, wobei manchem Ladenbesitzer Hab und Gut verwüstet wurde und manch braver Schutzmann arge Blessuren davontrug.
Daß der König nicht gezwungen wurde, vor den blauen Augen der Demonstranten den Hut zu ziehen, ist nur dem Umstand geschuldet, daß niemand von den Umweltaktivisten auf die Idee kam, vielleicht erinnerte sie das aber auch zu sehr an die Jahre 48/49.
Erst unter Einsatz eines Schlichters, der von der Eisenbahngesellschaft ernannt wurde, der früher einmal einen Ruf hatte und von dem man hoffte, er wäre noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, wurde der Eisenbahnbau schliesslich gestoppt. Seither gibt es in Vorpommern keine Eisenbahn und das ist auch gut so.
Kleine Eisenbahnballade
Bei den früheren russischen Bahnen kassierten die Ingenieure und Planer bares Geld in Mengen, wenn sie die Bahn so planten, daß sie an ihrer Stadt vorbeiführte.
Mir ist ein Fall im Gedächntis, leider finde ich nicht auf die Schnelle diese wahre Quelle (ein Reim am Morgen befreit von Sorgen), in dem sich die Stadtväter weigerten den obligaten Obulus zu entrichten und die Planer die Bahn 5 Werst von der Stadt entfernt vorbeilaufen liessen. Es war ein schlechtes Geschäft für die Stadt, denn der Bau und der Unterhalt der Straße (im Winter!) kostete mehr, als das Bakschisch jemals ausgemacht hätte.
In damaligen Zeiten war es nicht so einfach als Demonstrant dort hin zu reisen wo gerade die Eisenbahn gebaut wurde, um gegen die Eisenbahn zu demonstrieren, da die Eisenbahn gegen die man demonstrieren wollte, erst gebaut wurde musste, um mit der selbigen dort hin zu kommen, um gegen sie zu demonstrieren.
Das erklär jetzt einmal einem rot-grünen Berufdemonstranten, der versteht nur Bahnhof, und schon demonstriert er dagegen.
Auch damals waren Bürger in Sorge wegen des bedenklich voranschreitenden Fortschritts. So waren Leute besorgt, dass das Eisen wie ein gigantischer Blitzableiter Blitze anziehen würde (der Blitzableiter und die dazugehörige Physik waren damals kein Schulstoff). Die Befürchtung, dass die extreme Geschwindigkeit von über 40 km/h den Menschen gesundheitlichen Schaden zufügen würde, war vielleicht auch noch nicht in allen Teilen der Bevölkerung ausgeräumt.
Aber davon abgesehen, dass, wie der Vorredner korrekt bemerkte, die Anreise zum Anti-Eisenbahn-Protest eine leistungsfähige Verkehrsinfrakstruktur voraussetzte (=Eisenbahn), mussten die Leute damals auch arbeiten wenn sie was zu fressen haben wollten und konnten nicht mal eben ein paar Tage verjuxen. Denn dann verreckte das Vieh im Stall und die Frucht auf den Feldern ging kaputt oder den Job auf dem Marktplatz machte ein anderer.
War aber auch besser für die Berufsdemonstantenaugen, damals…
Ohne Eisenbahn.
au Mann, die Alleen drüben, und gerade auch in der beschriebenen
Gegend, sind wirklich … WIRKLICH toll. Echt was für´s Gemüt.
Da kann man durchfahren mit Perspektiven, wie in einem
Stanley Kubrick-Film (nur im Kino) . Satte Fluchten.
…ist schon ein interessanter Gedanke, dass dies eventuell so
durch die Nichteisenbahnen und der Demonstrant_innen gegen den König gekommen ist.
Und wenn dem so ist, muss sagen, … hat sich gelohnt.
Apropos, es gibt auch Gegenden mit Königen wo nicht ständig
gegen Eisenbahnen gestänkert wird.
z.B. hatte sich König Alfons der viertel vor 12ten nie zu sehr von seiner Eisenbahn entfremdet,
wie man es nun bei Deutschen Politiker_Ininnen sehen kann.
Ja, unsere frühen Umweltbewegten, die wie der Fischer und seine Frau am liebsten im Pisspott hocken und es nicht leiden, wenn andere Papst sind.