Überfall der Berliner Matrosen auf die Reichsregierung. Berlin war am Montag Nachmittag wieder Schauplatz bedenklicher Vorgänge, die erneut zeigen, wie wenig Vertrauen die Entwicklung der Dinge in der Reichshauptstadt verdient. Die “Volksmarine” in Berlin, die den Schutz der Regierung übernommen hatte, überfällt den Volksbeauftragten Ebert und setzt ihn im eigenen Hause gefangen. Eine Matrosenabteilung richtet ihren Vorstoß gegen die Stadtkommandantur, nimmt den Stadtkommandanten und zwei seiner Gehilfen gefangen und eröffnet ein Feuergefecht in den Straßen. Man könnte in der Tat glauben, daß es deutsche Volksgenossen gibt, dazu noch die eigene bewaffnete Macht, die den Einmarsch des Feindes bewußt und mit Gewalt herbeiführen wollen! Nach diesen neuen Ereignissen erscheint der Wunsch der Regierungskreise, die Matrosen in ihre Heimat abzuschieben, nur zu begreiflich. …
Der Grund des Vorgehens der Matrosen war folgender: Die Reichsregierung hatte die Zahlung der am 21. Dezember fälligen Löhnung der Matrosen davon abhängig gemacht, daß sie das Schloß zu räumen hätten. Unerhörte Diebstähle an Inventarstücken gaben Veranlassung zur Stellung dieser Bedingung. Die Matrosen, die übrigens schon bei der Zahlung der Löhnung am 11. Dezember die Räumung des Schlosses versprochen hatten, wollten auf die Bedingungen nicht eingehen und sich die Zahlung durch ihr jetziges Vorgehen erzwingen. Wäre ja auch noch schöner! Fette Weidegründe einfach so zu verlassen, bevor die sozial gerechte Umverteilung von allem, was nicht niet- und nagelfest, vollständig abgeschlossen ist. *Freiburger Zeitung 25.12.1918*
Bilder: Aus den Wiener Bildern vom 05.01.1919. Der Matrosenputsch gegen die Reichsregierung in Berlin: (Links): Das Hauptportal des ehemaligen königlichen Schlosses nach der Beschießung durch Artillerie. (Rechts): Die sichtbaren Spuren der Beschießung des Marstallgebäudes, in dem sich die Matrosen behaupteten.

Revolutionäre haben sich schon immer Volkseigentum angeeignet.