Tagesnachrichten

Schwer gestraft. Im Stadtwäldchen in Neisse gingen Mittwochabend 2 Kupferschmiedegesellen spazieren und begegneten einer in Begleitung eines Herrn des Weges kommenden Dame. Als sich einer der Leute der Dame zu nähern suchte, zog ihr Begleiter einen Revolver aus der Tasche und erschoß den Kupferschmied auf der Stelle. Das Paar ist noch nicht ermittelt.

Die französische Flotte. Paris, 25. Januar. Der Marineausschuß der Deputiertenkammer hat dem Plane zugestimmt, im Jahre 1911 zwei neue Panzerschiffe auf Stapel zu legen. Die Regierung hatte vorgeschlagen, mit ihrem Bau Privatfirmen zu beauftragen. Der Ausschuß wird jedoch die Forderung stellen, daß der Bau auf den Werften der Admiralität erfolgen soll. Der Plan, der einen Teil des Flottenprogramms bildet,  wird in der Kammer in einigen Tagen vorgelegt werden. Der Ausschuß billigte den Bau von zwei doppelten Docks im Hafen von Toulon.

Mutmaßliches Wetter am 27. und 28. Jan. Der Luftwirbel beherrscht jetzt ganz Europa. Über Süddeutschland ist infolgedessen eine südwestliche Luftströmung entstanden, die das Wetter am Freitag und Samstag milder, zeitweilig trübe gestalten und auch vereinzelte Niederschläge, in Höhenlagen Schneefälle hervorrufen wird. Vom Feldberg. 26. Januar. Schneehöhe 90 Ztm; Skibahn gut; Rauhreif, bedeckt; Westwind; Kälte 4 Grad.

Die Pest in China. Paris. 26. Januar. (W.T.B.) Wie dem Newyork – Herald  aus Peking gemeldet wird, breitet sich die Pest im Innern von China in erschreckendem Maße aus. In Futschi – Adjen seien allein in vergangener Woche 2776 Menschen der Seuche erlegen. Der Internationale Gerichtshof in Tientsin mußte seine Sitzungen unterbrechen, da die Richter geflüchtet waren. Auch aus Peking flüchten die Europäer. *Freiburger Zeitung 26.01.1911*

Vom deutschen Ozeandampfer. Jules Huret, der bekannte Berichterstatter des Figaro, hat eine neue Entdeckungsfahrt angetreten, er will seinen Landsleuten diesmal ein Bild von dem Wesen und Werden Argentiniens geben. Zur Fahrt nach Südamerika hat er sich auf einem deutschen Dampfer eingeschifft. “Warum nicht auf einem französischenSchiffe?” so fragt er in seinem Aufsatz und antwortet: “Es sei ehrlich und grob ausgesprochen: alle Leute haben mir abgeraten, durch falschen Patriotismus die Fahrlässigkeit gewisser französischer Dampfergesellschaften zu unterstützen. Franzosen, die die Reise nach Südamerika gemacht haben, warnten mich. Die Argentinier seufzten, daß sie ihre Sympathie für Frankreich in der Wahl der Reisegelegenheit unterdrücken müssen. “Vor zehn Jahren nahmen wir noch französische Schiffe”, so erklärte man mir hundert Mal. “Es waren die besten. Heute sind sie von den Engländern, Deutschen und Italienern so gewaltig überholt, daß die französischen Schiffe als Einwandererschiffe erscheinen. Wer sie heute noch benutzt, das sind nur die Beamten, die moralisch dazu gezwungen sind, und sie entschuldigen sich beinahe, daß sie auf diesen ungemütlichen, schlecht erhaltenen Fahrzeugen reisen. Auf den deutschen Schiffen fühlt man sich sehr wohl. Kein Brimborium, keine Pose, man hat alles, dessen man bedarf, um sich nicht ungemütlich zu fühlen. Eine Küche, die der französischen nachsteht, aber die englische übertrifft, eine liebenswürdige Aufnahme von den Offizieren der Besatzung, gut disziplinierte und eifrige Bedienung, Sauberkeit und überall Ordnung, kurz alle wichtigen Erfordernisse, die zu einer langen Seereise gehören, sind erfüllt.” *Freiburger Zeitung 26.01.1911* Bild: Nicht die besagte Dame, deretwegen der Kupferschmiedgeselle sein Leben lassen mußte, sondern die deutsche Kronprinzessin auf Weltreise. Station Assuan. Unzweifelhaft auch eine Dame. *Wiener Bilder 18.01.1911*

6 Antworten zu „Tagesnachrichten“


  1. 1 Prosemit 26. Januar 2011 um 07:28

    Es wäre interessant, aber völlig unfair, die Kosten des DWD gegenüber dem kaiserlichen Wetterdienst in Relation zu stellen.

    Der DWD kostet einfach.

  2. 2 Prosemit 26. Januar 2011 um 07:51

    “Kupferschmiedegesellen”

    Vielleicht nicht jedem bekannt.

    Die Hauptaufgabe der Kupferschmiede waren die Töpfe im Haushalt. Jeder Haushalt hatte damals Kupfertöpfe, innen mit Zinn überzogen, im Gebrauch. Stahlgeschirr war praktisch unbekannt und Blechtöpfe in den ärmeren Bevölkerungsschichten in Gebrauch, davor Tongeschirr.

    Kupfer”kessel” waren relativ teuer und nutzten sich im Gebrauch ab. Ein Aufgabenfeld, dem sich die wandernden Kesselflicker widmeten, die auch wieder das Geschirr neu verzinnten, denn das blanke Kupfer, den Säuren der Lebensmittel ausgesetzt, entwickelt Grünspan, dessen Giftigkeit damals wohl bekannt war.

    In der Küche ist heute noch für spezielle Aufgaben Kupfer unersetzlich, z.B. bei den Zuckerkesseln der Patisserie.

  3. 3 Rucki 26. Januar 2011 um 08:44

    In meinem oberhessischen Heimatdorf hieß es nach einer Kirmesschlägerei:

    “Die haben sich gekloppt wie die Kesselflicker.”

    Anscheinend wurden gegen diesen Berufsstand rassistische, Vorurteile gepflegt, die lange überdauerten. Dagegen gibt es heute, Politik sei dank, Antidiskriminierungsgesetze und unsere VorurteilsbekämpferInn, FrauInn Leutbeisser Schnarrenflicker oder so ähnlich.

  4. 4 Barbarossa 26. Januar 2011 um 10:15

    Das mit dem Revolver war die einzig richtige Reaktion.

    Wünsche ich mir für heute auch so.

    PS: Damals erwischte es einen sozailversicherungspflichtig tätigen Arbeitnehmer. Heute würde man einen sozialhilfeempfangenden Nichtsnutz erwischen. So gesehen wäre diese schnelle, pragmatische Lösung bei Störung der Bürgerruhe und Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit doppelt positiv.

  5. 5 vakna 26. Januar 2011 um 20:03

    Waren Kesselflicker nicht oft auch gleichzeitig Angehörige einer mobilen ethnischen Minderheit?

  6. 6 Prosemit 26. Januar 2011 um 20:16

    vakna 26. Januar 2011 um 20:03

    Waren Kesselflicker nicht oft auch gleichzeitig Angehörige einer mobilen ethnischen Minderheit?

    Nicht unbedingt. Siehe Wikipedia

    “Die Schmiedezunft setzte teilweise Verordnungen durch, die in Orten mit Niederlassungen von Kupferschmieden den Kesselflickern Flickarbeiten verbot.[2] In Südosteuropa war die Reparatur metallener Küchengeräte eine Spezialität auch bestimmter Roma-Gruppen.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kesselflicker


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