Schlimm. 20 Jahre nach Einführung der Demonstrationsfreiheit wissen Ostdeutsche immer noch nicht, wer demonstrieren darf und wer nicht. Sind dafür 1989 die Menschen in Leipzig auf die Straße gegangen, daß heute wieder Plakate mit Losungen wie “Problemlösung statt Problemverlagerung” zu sehen sind? Sicher nicht. Und, “Gegen Gewalt an Kindern“, das kann doch wohl niemand unterstützen, insbesondere dann nicht, weil dadurch ganz klar wird, daß immer noch nichts aus der Geschichte gelernt wurde. Fragt sich nur, aus welcher Geschichte.
Der Bundespräsident sieht sich inzwischen im “Stahlgewitter“. Meint er damit die Schuhprotestler, die vor dem hausbesetzten Schloß Zivilcourage demonstrieren? Die alle sind weder von Panzern, Flugzeugen oder Salven aus Maschinenpistolen bedroht, leiden also schreckliche Furcht, derweil sie ein wenig arabischen Frühling spielen. Kann man nur wünschen, das freiheitliebende Amerika schickt zur Unterstützung der Mutigen und Tapferen jede Menge Berater, Waffen und aufmunternde Worte, vielleicht erleben wir so bald den demokratischen Aufbruch in Deutschland. Den gab es zwar schon unter Wolfgang Schnur aber solange wir nicht endlich begriffen haben, daß daß Demonstrationsrecht nicht für jeden da ist, sondern nur für die Parteien in Deutschland, die die Regierung stellen, im jahreszeitlichen Wechsel oder Koalitionskarussell, wird das hier nichts mit der Demokratie. Die lebt nämlich vom Mitmachen. Aber da ist es wie mit den Kinderspielen oder der Auswahl für Mannschaften in der Sportstunde. Da durfte auch nicht jeder. Mitmachen. Obwohl er gerne gewollt hätte.
Besonders interessant ist aber das Handeln der Genossen der Volkspolizei. Unser Freunde und Helfer. – Als die Polizei Versammlungsleiterin Ilona Berg darauf aufmerksam machte, dass nun vielleicht ungewollte Demonstranten in ihren Reihen seien, stießen die Beamten auf Unverständnis. - Die haben den Rechtsstaat verstanden.
Das Dorf Insel bei Stendal kann sich aber freuen. Dank der objektiven Berichterstattung der Medien hat es nun seinen Ruf als Brutstätte Brauner Brut weg und dürfte zum beliebten Ausflugziel all derer werden, die endlich einmal gegen Adolf Hitler kämpfen wollen, der sich anscheinend in diesem kleinen Ort reinkarniert hat und zwar in der gesamten Bevölkerung, die beiden Straftäter natürlich ausgeschlossen. Die Straftäter, die der Ort durch friedliche Proteste loswerden möchte, und das muß der Blogwart ausdrücklich betonen, hätten in der Zeit von 33 – 45 zu den Verfolgten des Nazi – Regimes gezählt werden müssen, ein Pech für ihre Opfer, daß sie zu spät geboren wurden. Die Verfolgten.
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