Archiv für 10. Januar 2012

Zum Geburtstag Friedrichs des Großen

schrieb die Wiener Illustrierte Zeitung vom 21.01. 1912 unter anderem: … Auch wir Österreicher können anläßlich der Vollendung eines so bedeutsamen Zeitabschnittes, wie es 200 Jahre sind (jetzt 300), die uns vom Geburtstage König Friedrichs des Großen trennen, nicht ohneweiteres an dem Gedenktage vorübergehen, wenn auch die Erinnerung an einzelne Momente seiner Regierung auf den ersten Blick hin, im österreichischen Patriotismus weniger angenehme Gefühle auszulösen scheint, wie bei den Nachkommen der einstigen Untertanen Friedrichs. Aber ist auch Friedrich der Große zeitweise ein Feind unserer Monarchie gewesen, so darf  Zis- und Translethanien nicht vergessen, daß es seinerzeit in der Hand dieses Herrschers gelegen war, Österreich zu vernichten und mit einem Schlage seiner Großmachtstellung zu berauben, wenn dies seinem Willen entsprochen hätte.

Nach der für ihn so günstig ausgefallenen Schlacht von Mollwitz machte ihm der Abbè Fleury das Anerbieten der Bildung einer mitteleuropäischen Hilfsallianz wider das Habsburgerreich. Standhaft aber widerstand Friedrich der Große diesen Plänen, indem er erklärte, er wolle nicht den Österreicherstaat, den ja immerhin der nominelle Kaiser des Deutschen Reiches beherrschte, zerstören, um an seiner Stelle die übermütige Hegemonie der französischen Bourbonen aufzurichten. …

Die Vorliebe Friedrichs des Großen für Philosophie brachte es mit sich, daß wir in seinem Leben so viele Widersprüche zu entdecken gewohnt sind, die aus der sonderbaren Verquickung von absolutem Herrschertum und philosophischer Gleichgültigkeit gegen äußere Würden entwachsen. Während er auf der einen Seite mit dem freimütig abgelegten Bekenntnis “Ich bin nur der erste Diener des Staates” die Anschauung seiner gekrönten europäischen Kollegen von ihren überirdischen Privilegien, ihrem Gottgnadentum kräftig verneinte, stützte er auf der anderen Seite die Macht des absoluten Königtums, den Respekt vor der überlieferten Herrschergewalt der Dynastie.

Daß ihn seine Philosophie auf die altgriechischen Denker und ihre demokratischen Ansichrten zurückführte, ist selbstverständlich. Und ebenso verständlich ist es, was an den Höfen des Kontinents eine kleine Revolution verursachte, daß er eine Zeitung herausgeben ließ, die “Staats- und Gelehrtensachen” ohne Zensur besprechen sollte. Diese von Haude und Spencer herausgegeben, im englischen Geschmacke redigierte Zeitung benützte Friedrich II. von Zeit zu Zeit selbst, um über einzelne Regierungsakte vor der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulegen. mit seinen eigenen Worten, “es dürfen Zeitungen, wenn sie interessant sein sollen, nicht geniertet werden”, charakterisieren wir seinen Standpunkt gegenüber dem Wortführer der öffentlichen Meinung: Der Presse. Daß Friedrich II. die Folter abschaffen ließ und der Bauernschaft weitgehende Erleichterungen gewährte, dürfte dem aufmerksamen Geschichtsleser ja bekannt sein….

So weit das Orginalzitat. Erläuternd fügt der Blogwart hinzu, daß er ganz froh ist, daß die unsägliche Herrscherzeit dieses Friedrich vorüber ist, der ja nicht nur den KanzlerInnen – Pod – Cast erfunden hat, damals auf Papier gedruckt, und die Pressefreiheit, sondern auch in einem völlig kuscheligen und friedlichen Europa, das immerfort am Daumen nuckelte, ununterbrochen Kriege entfesselte, und das nicht mal wegen der Menschenrechte oder der westlichen Werte! Heute müssen sich, Demokratie sei Dank,  hohe deutsche Regierungsbeamte nicht mehr als Staatsdiener begreifen, sondern als die, denen der Staat, also die Bürger in ihrer Gesamtheit,  die Taschen zu füllen hat. Koste es, was es wolle.

Bild: Friedrich der Zweite. Würde heute wegen der Vorbereitung und Durchführung von Angriffskriegen von der bundesdeutschen Justiz verurteilt. Zum Glück für Friedrich gab es die damals noch nicht.

So funktioniert Demokratie!

Allen voran besuchten zwei Inselerinnen (Namen sind der Redaktion bekannt) gestern die Stendaler AZ-Reaktion und klagten ihr Leid. Unter Tränen berichtete eine der Frauen, dass in den Medien immer nur die Demonstranten erwähnt werden würden, die sich gegen den Verbleib der beiden Ex-Sicherungsverwahrten aussprechen. Dabei würde nur ein kleiner Teil der rund 450-köpfigen Dorfbevölkerung auch wirklich demonstrieren und sich gegen die neuen Mitbürger stellen.

Da kann der Blogwart nur tiefbetrübt den Kopf schütteln. “Ihr guten Frauen!” So möchte er da tröstend rufen. “Ihr guten Frauen, so funktioniert die Mediendemokratie aber nun einmal. Gehört werden immer nur die, die sich da versammeln, am lautesten schreien oder die unverschämtesten Forderungen aufstellen.”

Und einen Rat gibt er. Organisiert doch eine Demonstration für das Bleiberecht der “neuen Mitbürger”. Als Losungen schlägt er vor: “Auch Vergewaltiger haben Menschenrechte!” “Vergewaltiger bereichern uns!” “Einmal muß Schluß sein!” “Die Würde von Vergewaltigern ist unantastbar!” “Gib Vergewaltigungen eine Chance!” “Nehmt uns!” Und “Eure Kinder sind uns scheißegal!”

Er ist sich gewiß, in dem Ort, in dem sich eine Minderheit gegen das Bleiberecht verurteilter Mehrfachvergewaltiger und Mörder auf der Straße ausspricht, wie woanders gegen Autobahnen, Moschee- oder Kraftwerksneubauten,  Flugplätzen, Bahnhöfen und dergleichen, wird sich auch die unterstützende Mehrheit rasch mobilisieren lassen. Man muß es nur tun.

Bild: Auch in China wurde 1912 die schweigende Mehrheit nicht gefragt, ob der Kaiser weg soll. Das ist Demokratie! Das Beste für die Menschen über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden.

Amerika eilt dem arabischen Frühling in China zu Hilfe. Der chinesische Aufruhr. Washington, 9. Januar. Die Regierung kündigte die Entsendung von 500 Mann nach China an, die bei der Aufrechterhaltung des Eisenbahnverkehrs zwischen Peking und der Küste mitwirken sollen. Es wird erklärt, daß der amerikanische Gesandte in Peking, Calhoun, nach einer Besprechung mit dem diplomatischen Korps in Peking die Entsendung dieser Truppenzahl als vollständig hinreichend empfohlen habe. *Freiburger Zeitung vom 10.01.1912*


 

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