Das ist ja gar nicht mehr deutsch hier

Es fällt immer mehr Leuten auf. Schlimm ist aber, daß die anderen Fahrgäste, die freie Meinungsäußerungen hörten wie „Scheißtürken“, „Türkenpack ab nach Auschwitz“ und „sollte man vergasen“ sich weder vom Manne verhetzen liessen, der vom Rechte derselben Gebrauch machte, es unterließen, das  „Türkenpack ab nach Auschwitz“ zu chauffieren, um es dort zu vergasen, offenbar ahnten sie, daß die Vorrichtungen dazu außer Betrieb sind,  aber auch nicht Sprechchöre anstimmten wie “Bunt statt Braun!”, “Deutschland den Türken, Ausländer rein” oder ganz einfach den Kerl windelweich prügelten und aus der fahrenden Bahn warfen.

Dieser Mangel an Zivilcourage macht den Blogwart empört, betroffen, aber auch ein Stück weit traurig. Insbesondere die Rolle der Bahn muß hier kritisch beleuchtet werden, half sie doch in der Vergangenheit bereits Millionen und Abermillionen nach Auschwitz zu fahren und nun weigerte sich der Zugführer polizeiliche Maßnahmen zu ergreifen! Vielleicht überschritt das seine Befugnisse oder er hatte genügend Erfahrung mit Menschen mit Migrationshintergrund aber all das kann sein politisches Versagen natürlich nicht entschuldigen. Wir werden uns also für die Zukunft eines weiteren “Zugs der Erinnerung” erfreuen können müssen, in dem fotodokumentarisch Menschen mit Migrationshintergrund von ihren unglaublichen Demütigungen in Deutschland berichten, einem Land, in dem es sich super von den Sozialleistungen leben läßt, die die Einheimischen für sie erarbeiten und das sie deshalb nicht verlassen werden. Trotz aller Demütigungen.

Versagt haben aber auch die Lehrer. Hier hätten sie gleich die Situation nutzen müssen, um zu klären, was ein Nazi ist. “Das, liebe Kinder”, hätten sie sagen müssen, “das ist ein Nazi. Jemand, der Angst vor Überfremdung hat, der sich im eigenen Land überrannt fühlt, von Menschen mit Migrationshintergrund und der kein Recht hat, sich so über Euch zu äußern, denn das, was er sagt, das ist Faschismus, der bekanntlich keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen. Er ist ein Meinungsverbrecher, der abgeurteilt gehört.” Ja, das haben sie verpasst. Die Lehrer. Oder vielleicht haben sie es auch getan, nur schreibt die Zeitung nichts darüber. Und das ist doch traurig. Denn es hätte den Zustand des Landes etwas erhellt.

4 Antworten zu „Das ist ja gar nicht mehr deutsch hier“


  1. 1 Sophist X 22. Februar 2012 um 06:19

    Vergasen soll man freilich niemanden, nichtmal Rechtsextremisten, aber karren Leute wie die Direktorin Dagmar Döntgen-Dreissig nicht von sich aus und auf Staatskosten jedes Jahr tausende und abertausende Kinder nach Auschwitz? Oder gilt diese Pflichtfahrt nur für Biodeutsche (C. Özdemir), nicht aber für die Nachkommen der Armenierkritiker von 1915?

  2. 2 Prosemit 22. Februar 2012 um 06:47

    Ich finde es unverantwortlich, daß die Kleinen daran erinnert wurden, daß sie Türken Migranten seien, wo doch Elterhaus und Schule alles unternimmt, daß sie sich als Deutsche einheimische Berliner fühlen.

  3. 3 eulenfurz 22. Februar 2012 um 09:45

    Ein S-Bahn-Sprecher verwies zudem darauf, dass sich auch die S-Bahn an der bundesweiten Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer rechtsextremer Gewalt beteiligen werde.

    Die S-Bahn schweigt für eine Minute? Was redet sie denn sonst so? “Tuff, tuff, tuff” etwa? Und legt sie auch eine Schweigestunde für die Opfer von Migrantengewalt ein, die in S-Bahnen und S-Bahnhöfen immanent ist?

  4. 4 Mjoelnir.Thorshammar.Feindschmetterer@web.de 23. Februar 2012 um 07:53

    @Eulenfurz:

    legt sie auch eine Schweigestunde für die Opfer von Migrantengewalt ein

    geht nicht, schon bei Schweigesekunden stünde sie mehr, denn sie führe…


Die Kommentare sind zur Zeit ausgeschaltet.



 

Februar 2012
M D M D F S S
« Jan   Mar »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  

Blog Stats

  • 718,546 hits

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.