Wieder Ausländer ermordet

Homburg, 20. Febr. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich heute morgen auf der Eisenbahnstrecke Homburg – Friedberg in der Nähe der Station Rodheim. Der Personenzug 920 fuhr in eine Rotte italienischer Arbeiter, von denen einer getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Eine dreizehnjährige Heldin. In Weiltingen (Bayrisch – Schwaben) hat die dreizehnjährige Landwirtstochter Auguste Lutz zwei fünf und sechs Jahre alte Kinder aus dem Treibeis der Wörnitz mit eigener höchster Lebensgefahr vom Tode gerettet.

Der “Storch” im Flugapparat. Es ist heutzutage nichts Seltenes mehr, schreibt die “Frankf. Ztg.”, daß sich junge Erdenbürger die neuesten Verkehrsmittel zur Stätte ihres Erscheinens auf dieser Welt aussuchen. Das modernste Kind ist doch wohl der junge Sohn des Bankiers Fulton in Neuyork, denn dieser junge Zeitgenosse suchte sich einen Flugapparat aus, um darin, gleichsam im Fluge, das Licht der Welt zu erblicken. Am 13. Januar machte der amerikanische Flieger Bothner einen Passagierflug, an dem der Bankier Fulton und seine Gattin teilnahmen. Der Flug gelang vorzüglich und führte bis zur Höhe von 150 Metern. Plötzlich aber wurde der Flieger veranlaßt, das Flugzeug zur Erde zu lenken, denn seine Begleiterin fühlte, daß ein erst in einiger Zeit erwartetes freudiges Ereignis jetzt schon eintrete. Kaum hatte sich das Flugzeug zur Erde niedergelassen, als der junge Erdenbürger mit freudigem Geschrei das Licht der Welt erblickte. Der Flieger konnte die Bemerkung nicht unterdrücken, daß er zwar schon allerlei Vögeln auf seinem Fluge begegnet sei, sich aber nicht erinnere, jemals einen “Storch” angetroffen zu haben.

Düsseldorf, 21. Febr. Hier ist es während der Karnevalstage mehrfach zu Ausschreitungen gekommen. In verschiedenen Fällen setzte es blutige Köpfe. Auch Messerstechereien waren vielfach zu verzeichnen. Im Polizeigewahrsam waren während der letzten Tage weit über 100 Personen untergebracht worden. *Coburger Zeitung 22. Februar 1912  *

Der Blogwart meint: Kein Wunder, wenn der Lokomotivführer die Italiener für eine Rotte Sauen gehalten hat, daß er nicht anhielt. Dennoch muß diese Tat ganz eindeutig der Statistik der Morde, begangen aus politischen Motiven, zugeordnet werden, wobei diese Motive nicht in der Errichtung der besseren Welt des Kommunismus liegen können, die bringen ja bekanntlich nur das Gute und Schöne hervor.

Auguste Lutz, eine Heldin unserer Zeit, aber – hätte sie sich 50 Phantomnazis entgegengeworfen, die die beiden Kinderlein unterm Eise hätten ertränken wollen, die Auszeichnung für Zivilcourage wäre ihr sicher gewesen und eine bis ans Lebensende andauernde Vortragsreise durch Kindergärten, Schulen und vor den Bundestag, wo sie als Überlebende von Naziterror hätte berichten müssen. So hat sie vielleicht einen Schnupfen bekommen, oder eine Lungenentzündung, die Mißbilligung der Eltern und einen kleineren Betrag Münzen durch wohlmeinende Mitbürger, mit den Worten: “Bist ein braves Mädchen, Auguste.” Pech gehabt!

Einen unbequemeren Platz zur Entbindung hätte die Bankiersgattin sich kaum aussuchen können. Wieder ein Kind, privilegiert im Flugzeug und mit goldenem Löffel im Mund geboren, worauf der Neuyorker Arbeitsmann mit den Worten Brechts ausruft: “Wäre ich nicht arm, wärst Du nicht reich.” Und Brecht gilt heute immer noch als großer Literat, weniger als sozialistischer Simpel, den auch Kommissar Ehrlicher immer mal im Munde führt. Aber ohne Flax, im Kaiserreich wurden all die Dinge entwickelt, die für uns heute zum alltäglichen Leben gehören und sind sie einmal fort, mangels Elektroenergie, wird es an intelligenten Menschen fehlen, die so etwas wieder zu erfinden vermögen. 

Damals mußten in Düsseldorf noch die Deutschen aufeinander einstechen. Heute müssen sie das nicht mehr. Dank der planmäßigen Zuwanderung von Facharbeitern in Messerstecherei, sind sie von dieser schmutzigen Arbeit entlastet. Höchstens, daß sie abgestochen werden. Dann freuen sie sich über die Arbeit ihrer Politiker, die ihnen diese schöne Erfahrung ermöglicht hat. 

2 Antworten zu „Wieder Ausländer ermordet“


  1. 1 Prosemit 22. Februar 2012 um 06:54

    Mir fällt wieder auf, daß die Reifen dieses nie zulassungsfähigen Mordinstruments kein vorgeschriebenes Profil haben, außerdem fehlen Sicherheitsgurte und die Stewardess, die die Verhaltensregeln tanzt.

    Daß außerdem Hochschwangere befördert wurden, zeigt den unverantwortlichen Umgang mit den anvertrauten Passagieren. Gut, daß es heute keine Unfälle mehr gibt.

  2. 2 Sophist X 22. Februar 2012 um 09:44

    Der Kommentator ist bestürzt und beschämt und möchte zu einer Schweigeminute aufrufen, um gegen die Entmenschung der Gastarbeiter des Kaisers zur Rotte Gesicht zu zeigen, woran auch die später mögliche Beförderung zum Rottenführer nur wenig verbessern konnte.
    Zur fliegenden Mordmaschine, bei der wohl weder Sitze noch Spannseile noch Auspuff über die nötigen Prüfzeichen verfügten, wurde ja schon alles wesentliche gesagt.


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