Messer, Gabel, Schere, Licht …

Fulda, 22. Jan. Das alte Lied. In der Villa Völker des Besitzers des Basaltwerkes in Bacha a. d. Werra hatte das junge Kinderfräulein den verhängnisvollen Einfall mit dem Gewehr seines abwesenden Herren zu spielen und es in Gegenwart der Hausmagd scherzhaft auf sich selbst anzulegen. Ein Schuß ging los und verletzte die unvorsichtige Dame so schwer, daß sie alsbald im städtischen Krankenhause verstarb.

Plauen, 21. Jan. Selbstmord am Grabe.  An dem Grab ihres Freundes, eines hiesigen kürzlich verstorbenen Fabrikanten, erschoß sich gestern die zuletzt in Leipzig wohnhafte, von ihrem Ehemanne getrennt lebende Kaufmannsgattin Redlich. Sie führte bei sich zwei Briefe, einen an ihren Ehemann, den anderen an die Polizei, die über den Beweggrund ihres Todes Auskunft geben.

Kiel, 22. Jan. Ein blutiges Liebesdrama hat sich am Lankersee bei Kiel abgespielt. Dort fand man am Montag früh die Leiche des Obermatrosen Freimuth von dem kleinen Kreuzer “Dresden” und dessen Braut mit durchschossener Schläfe tot auf. Nach den bisherigen Ermittlungen hat Freimuth seine Braut erschossen und dann sich selbst entleibt. Das BKA würde heute zum gegenteiligen Schluß kommen, also, daß Freimuth sich zuerst selbst erschoß, dann einen Abschiedsbrief schrieb und anschließend seine Braut zum Tode beförderte.  Das Motiv soll in unüberwindlichen Ehehindernissen zu suchen sein. Die Erschossene war ein Fräulein Martha Brandt aus Berlin.

Von Mädchenhändlern entführt wurde die bei einem Fabrikanten in Reschwitz an der Elbe bedienstete 18jähr bildschöne Else Wacker aus Bühlau bei Dresden. In Moskau erschoß sich die bekannte Schauspielerin Schrjenikova vom Künstlerischen Theater, nachdem sie von einem Kostümball  bei Dr. Baschenow nach Hause zurückgekehrt war. Im ganzen Land fanden keine Schweigeminuten statt, weder für die Opfer inländischer noch migrantischer Gewalttäter. Schwachköpfe und Narren wurden damals nicht für Regierungsämter zugelassen. Heute ist das zwingend Bedingung. *Coburger Zeitung 24. Februar 1912  *

Bild: Obwohl genügend Menschen 1912 Schußwaffen zum Opfer fallen, versäumt es der deutsche Reichstag sich bei den Opfern der Schußwaffengewalt zu entschulden, insbesondere deutsche Waffen sind für ihre mörderische Zweckmäßigkeit geradezu berühmt. Untraumatisiert träumen deutsche Buben folgerichtig davon, wie es wäre, ein Gewehr oder eine Pistole zu besitzen. So ist der erste Weltkrieg nicht mehr aufzuhalten.

5 Antworten zu „Messer, Gabel, Schere, Licht …“


  1. 1 Prosemit 24. Februar 2012 um 07:27

    Eine schreckliche Zeit war das damals. Erschossene, wohin man blickte. Und auch noch Namen und Herkunft von den Tätern wurde genannt! Kein Täterschutz so wie heutzutage.

    Gut, daß heute alles anders ist, besser, schöner, friedlicher, mit einem Wort . mehr Öko…

  2. 2 Prosemit 24. Februar 2012 um 07:30

    Militär heute…

    Die Bundeswehr in Afghanistan zieht Konsequenzen aus den Unruhen nach der jüngsten Verbrennung von Koranschriften. Der Stützpunkt in Talokan wird früher geräumt als geplant. Das kleine Lager war von Steinewerfern attackiert worden und erwies sich als sehr schwer zu sichern.

    Bundeswehr gibt afghanischen Außenposten vorzeitig auf
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817260,00.html

    Kann es sein, daß die ungläubigen Schweine von den stolzen Afghanen für nicht ganz voll genommen werden?

  3. 3 Karl Eduard 24. Februar 2012 um 07:39

    Kann sein, die Bundeswehr ist nicht im Steinewerfen ausgebildet, verfettet, und muß deshalb den militärisch überlegenen Kämpfern weichen. Die Schußwaffe einzusetzen geht da natürlich nicht, wegen der sozialen Militärtechnikungerechtigkeit. Andererseits hätte man sich auch Bauanleitungen für Ballisten und anderes römisches Kriegsgerät aus dem Internet laden, selbiges herstellen und die Barbarenhorden damit zurückschlagen können.

  4. 4 eulenfurz 24. Februar 2012 um 09:47

    Schrecklich, früher haben sich die Selbstmörder am Grabe ihrer Freunde erschießen müssen.

    Schußwaffen verbieten!

    Man kann sich auch vor den Zug werfen!

  5. 5 Karl Eduard 24. Februar 2012 um 10:01

    Züge verbieten!


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