Besuch bei „Sarrasani“

kraft-durch-freude1934 läuft das Programm der Nationalsozialisten an, Erholungsmöglichkeiten für die Arbeiter zu schaffen. Im Gegensatz zu den Kommunisten und der SPD von heute, oder der CDU unter Angela Merkel, sieht man das Allheilmittel nicht in der Enteignung der Reicheren oder einer neuen Reichensteuer, sondern es wird auf Volksgemeinschaft und Solidarität gesetzt. Es gibt im offiziellen Sprachgebrauch keine Intellektuellen und keine Arbeiter mehr, sondern das geistige Schaffen wird ebenso gewürdigt, wie das Stehen an der Werkzeugmaschine. Jeder trägt seinen Teil bei, damit es allen gut geht. Kein Sozialneid, wie er heute geschürt wird. Der Ingenieur macht sich Gedanken, um bessere Technologien und der Arbeiter setzt sie um. Ein völlig neues Konzept, das nicht auf Klassenkampf setzt sondern auf die Überlegung, dass der Unternehmer kein menschenfressendes Ungeheuer ist, sondern am Betrieb auch seine Existenz hängt und die seiner Arbeiter. Und geht es dem Unternehmen schlecht, geht es auch den Arbeitern schlecht. Etwas, was heute völlig verdrängt wird. Anette Schavan ist ein schönes Beispiel dafür. Dieses „Kraft durch Freude“ ermöglichte Arbeitern, die sich Reisen, Zirkusbesuche oder Dampferfahrten nicht leisten können, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, durch Spenden und Freiwilligkeit. Leute, die nie aus ihren Mietskasernen rausgekommen waren, konnten sich plötzlich Reisen aufs Land leisten. Und was ist in der heutigen Geschichtsschreibung davon haftengeblieben? Dass KdF-Dampfer als Truppentransporter fuhren. Dass das Winterhilfswerk warme Kleidung für die Soldaten sammelte, die Autobahnen für den Krieg gebaut wurden. Aber das war eben nicht ihr Ursprungszweck und das zu lesen, ist doch ganz interessant. Oder?

6 Responses to “Besuch bei „Sarrasani“”


  1. 1 pippin 26. Februar 2009 um 07:28

    Wir haben heute eine umgekehrte Volksgemeinschaft. Frauen gegen Männer, Arbeitnehmer gegen HarzIV-Empfänger u.s.w., Beipiele dafür sind Legion. Es gibt ganze Industrien die davon leben die Einen gegen die Anderen aufzuwiegeln. Das Grundprinzip ist immer dasselbe: den Leuten wird eingeredet sie seien gegenüber der anderen Gruppe benachteiligt, was gerechterweise abgeändert gehört.

  2. 2 Prosemit 26. Februar 2009 um 08:16

    Auch in den dritten Reiches wurde die Reichen enteignet – wenn sie Wertheim hiessen oder Moishe mit Vornamen. Noch nicht 1933/4 aber drei, vier Jahre später war es schon soweit.

    Der Kampf gegen das Kapital, egal ob es das jüdische Grosskapital, die Kulaken oder die Landjunker waren, war immer das erste Mittel der Wahl, die Massen zu befriedigen, die man als Basis für jedwelche Herrschaft brauchte.

    Heute wird der Reiche nicht mehr enteignet, er wird höflich darauf hingewiesen, dass breite Schultern auch ein bisschen mehr Last für das Wohl der Allgemeinheit schultern können.

  3. 3 pippin 26. Februar 2009 um 08:48

    @Prosemit:

    Die Expropriation der Expropriateure ist heute ein permanenter Prozess, was einerseits den großen Vorteil bringt dass der Ertrag ungleich größer ist als hätte man die Expropriateure auf einen Schlag expropririert, andererseits kann man gleichzeitig sogar behaupten eine Expropriation findet gar nicht real, sondern bloß in der Einbildug der Expropririerten statt.

  4. 4 Karl Eduard 26. Februar 2009 um 09:13

    @Prosemit

    Sicher, aber nicht, weil sie reich waren. Sie wurden enteignet, weil sie Juden waren. Für den einen Deutschen gab es die Fabrik und für den anderen Deutschen die Möbel zum Schnäppchenpreis oder den übrigen Haushalt. Und bevor es Beutegut aus Frankreich gab, gab es Beutegut aus Deutschland. Diese Kriegsgewinnlerei wird immer wieder gerne verschwiegen. Und auch die, als die Städter aufs Land fuhren und ihre Wertsachen gegen Kartoffeln tauschten. Nach dem Krieg.

    Aber das neue Prinzip war nicht die Einteignung der Reichen, wie es heute wieder gepredigt wird.

  5. 5 netzwerkrecherche 26. Februar 2009 um 13:32

    @pippin: Divide et impera! Das ist das Prinzip jedes weisen Herrschers gegenüber seinen Feinden und zugunsten seiner Macht.

    Im Übrigen ist auch das Schuldbockprinzip nicht zu verachten, um den Haß der Masse auf vermeintliche oder tatsächliche Gegner der Obrigkeit zu kanalisieren und das Kollektiv der „Guten“ gegen das „Böse“ zu vereinen und die Treue zur Herrschaft zu festigen.

    Für die Masse ist es von der Volksgemeinschaft zum Aufstand der Anständigen nur ein kleiner Schritt.

  6. 6 Stalker 26. Februar 2009 um 20:13

    Wenn Ende dieses Jahres Tankgutscheine und Nahrungsmittelbons an die Bevölkerung ausgeteilt werden, sind wir endlich alle gleich: der ehemalige Freiberufler steht neben dem ehemaligen H4-Empfänger. Einen wird uns das Gefühl, irgendwie ungerecht behandelt worden zu sein.
    Einen wird uns nicht das Gefühl für unser Land als Heimat und Vaterland Verantwortung zu tragen.

    Interessant, wer diesmal der von allen verfluchte Böse werden wird: das eingestürzte Finanzsystem „von der Ostküste“ wohl eher nicht. Welcher Unhold wird uns aber einen? Vielleicht sind es tatsächlich die „Reichen“, die nach Enteignung und Verstaatlichung öffentlich herhalten müssen.
    Das KDF auf Prora wäre übrigens eines der ökologischsten Bauwerke der Welt geworden: per Eisenbahn erreichbar, in die Dünen gebettet, die Landschaft erhöhend. Preisgekrönt auf der Weltausstellung jedenfalls war es schon…


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