Die grausame Nacht hat ein End*

Unter dem Motto, „Ich fordere Dich, weil ich Dich achte“, hat die ehrenwerte Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, einen neuen Anlauf unternommen, um die Angehörigen der jungen Generation und der heranwachsende Jugend in unserem Staat mit weiteren verantwortungsvollen Aufgaben zu betrauen. Neben dem wachsamen Ausspähen rassistischer, rechter und klassenfeindlicher Aktivitäten im Internet, bei denen Blogs schon hervorragende Erfolge im Kampf gegen die Relikte der bürgerlichen Meinungsfreiheit erzielten und Hasssänger wie Udo Lindenberg als national völkisch entlarvten, Netzwerkrecherche berichtete davon, gilt es jetzt auch, diesen Kampf im wahren Leben zu führen.

Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing hat einen neuen Anlauf für Alkohol-Testkäufe durch Jugendliche angekündigt. Diese seien ein sehr wirksames Mittel, die Händler zu erwischen, die an Minderjährige Hochprozentiges verkaufen, sagte Bätzing der Rheinischen Post . In Niedersachsen etwa hätten bei Testkäufen 70 Prozent der Händler verbotenerweise Alkohol an Jugendliche abgegeben. Die Testkäufer müssten mindestens 15 Jahre alt und geschult sein sowie von Erwachsenen begleitet werden.(Newsticker)

Was sich hier anhört, wie ein fröhlicher Halloweneabend, bei dem Mitglieder der Freien Deutschen Jugend oder der Thälmannpioniere losziehen, begleitet  von Freiwilligen Helfern der Deutschen Volkspolizei, um zu überprüfen, ob die Besuchten Erstes Deutsches Fernsehen empfangen oder RIAS, um ihnen dann die Westantennen abzuknicken, nur übertragen auf den Alkoholverkauf, hat einen ernsten Hintergrund.

Zu wenig wird Genossin Bätzing wahrgenommen und zu wenig wird unsere revolutionäre Jugend vor wahrhaft fesselnde Aufgaben gestellt.

Freilich, mögen manche Genossen einwenden, Büttel des Faschistenstaates Deutschland zu Krüppeln steinigen, Polizeiautos und Autos von Arbeiterverrätern in Berlin anzünden, die mit ihnen zur Ausbeutung in kapitalistische Betriebe fahren wollten, oder Mannschaftswagen der Bundeswehr,  die, wie wir wissen, alles potentielle Mörder sind, die Soldaten der Bundeswehr,  im Gegensatz zur NVA, das Werfen von Buttersäure in Lokale, die kein Tartar, Würzfleisch oder die herzhafte Soljanka anbieten, sind das nicht alles wichtige Aktivitäten, die unser Land der proletarischen Revolution näherbringen, damit es unser Land wird?

Das Verprügeln von Ewiggestrigen, die glauben, Infostände eröffnen zu können oder das Anprangern von Nazischweinen durch sogenannte Mahnwachen, all das ist alles richtig und wichtig, weiss Genossin Bätzing.

Aber der Tatendrang der Masse unserer jungen Menschen wird dadurch nicht befriedigt. Wo sind heute Projekte zu sehen, wie die Grosse Friedländer Wiese, bei der die Jugend des ganzen östlichen Landes, als es noch östlich war, zum Spaten griff, um sie urbar zu machen? Wo ist ein neues „Max braucht Wasser„? Wo bleibt der Aufruf der Ehrenvorsitzenden der Freien Deutschen Jugend, der Freundin der Jugend, Merkel, Steine zu sammeln, für den Rostocker Hafen, nicht, um sie auf Polizeibüttel zu pfeffern, die damals noch keine waren, sondern Freunde und Helfer? Oder sich nach Sibirien zu begeben an die Erdgastrasse, um die Energieversorgung der Republik sicherzustellen?

Nichts von alledem ist heute in Sicht. Einerseits können wir stolz darauf sein, dass die Grosse Friedländer Wiese wieder Moor wurde, wo sich die Vögelein tummeln, die jetzt schon wieder alle da sind, der Hafen Rostocks verödet und Max schon lange kein Wasser mehr braucht, andererseits benötigt Jugend grosse heroische Aufgaben, wie das Schnüffeln im Internet, um nicht dem westlichen Yeah-jeah-jeah zu verfallen und dem Nietenhosenwahn.

Da passt die „Bätzing-Initiative“ wie die Faust in die Magengrube des kapitalistischen Ausbeutersystems.

Wo  unsere junge Kampfreserve der Partei künftig Personen aufspüren wird, die unserer Jugend Alkohol verkauft, um sie vom Studium der Klassiker des Marxismus-Leninismus-Trotzkismus-Stalinismus-Maoismus-Merkelismus abzuhalten, gegen den wird keine unrevolutionäre Nachsicht geübt werden!

Nach einer Testphase, die mit dem Ziel abgeschlossen werden wird 50 000 Verkäufer von Alkohol an Jugendliche  bis zum 07.Oktober 2009, dem Geburtstag unserer Republik, als Volksschädlinge zu entlarven, so verspricht die Partei und Staatsführung, wird die Kontrolle auch auf weitere Tatbestände ausgedehnt werden, um möglichst viele der jungen, heranwachsenden Generation in die Klassenkampfarbeit einzubinden. Vorschläge dazu sind im Zentralrat der FDJ abzugeben unter dem Stichwort, „Bätzing-Initiative“. Zustimmende Grussadressen ebenfalls.  Oder über elektronische Post.

*Jugend erwach, erhebe Dich jetzt!

8 Responses to “Die grausame Nacht hat ein End*”


  1. 1 Prosemit 18. März 2009 um 06:55

    Karl Eduard hat sehr gut das System hinter den „Alkoholtestkäufen“ herausgearbeitet. Kunststück! Er kennt sich schliesslich mit den Interna eines Denunzianten- und überwacherstaates aus. Man muss den Volksfeinden nur eine Falle stellen, sie entlarven und die blutige Maske des Profiteurs am Alkoholverkauf vom Gesicht reissen.

    Merkwürdig, dass die berüchtigten Alkoholverkäufe an Minderjährige in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Bundesrepublik keinerlei Thema waren. Vielleicht liegt es doch nicht an der Profitgier des Alkoholverkäufers, vielleicht liegt das Problem ganz woanders. Ganz, ganz woanders. Dort, wohin kein Linksgeschultes Auge blicken will.

    Ich sehe noch andere Parallelen. Irgendwann ist der Empfang der Feindsender wieder verboten. Kewil brachte das Thema auch : Verboten! Verboten!! VERBOTEN!!!

  2. 2 Robin Renitent 18. März 2009 um 07:18

    Wenn man sieht wie auf der JF, trotz Beaobachtungsverbots, rumgehackt wird, weiß man wohin die Kiste fährt.

    Und die Providerverpflichtung zählt auch dazu. Das bestimmte Blogs ihre Adresse ins Ausland verlegt haben ist ein weiterer Schritt. Dann – der Leyenfilter, die reine Unschuld.

    So wie Karl-Eduard Assoziationen hat, hat die auch meine Frau, die in der SU aufwuchs. Die Bätzing Initiative ist ja wohl das Letzte.

    Die Freiheit stirbt in kleinen Schritten.

    Wie immer klar, daß wir uns an nichts halten, sondern unseren eigenen Strebel machen! Man muß weder seinen Verstand, noch sein Gerechtigkeitsempfinden, noch seine Ehre in der Garderobe abgeben.

  3. 3 netzwerkrecherche 18. März 2009 um 08:18

    Als früher das Kind zum Dorfwirt geschickt wurde, um dem Vater die abendliche Kanne Bier zu holen, gab es auch keinen Mißbrauch. Der Genußgiftegebrauch hat doch eher gesellschaftliche Ursachen. Dieses Herumdoktorn an Symptomen ist nur noch lächerlich!

    @robin renitent:
    „Irgendwann ist der Empfang der Feindsender wieder verboten.“

    Nur, wenn es (politische) Konkurrenz zur Gleichschaltquote gäbe. Solange aber, wie 100 Fernsehsender prinzipiell das Gleiche bringen bzw. tatsächlich „feindliche“ Sender dank unattraktiver Programme keine Gefahr darstellen, solange wird auch dem HartzIV-Empfänger die GEZ-Gebühr erlassen und dem Insolventen die Glotze nicht gepfändet. Es gibt ein ungeheures Interesse daran, die Psyche aller Menschen, ihre Empfindungen und Erfahrungen und Empörungen und Hoffnungen usw. über die Medien zu uniformieren.

  4. 4 Friederich 18. März 2009 um 08:53

    »Kein Zwang und kein Drill, der eigene Will bestimme dein Leben fortan …«

    Kann es sein, daß solche ketzerischen Zeilen der Grund waren, daß dieses Lied spätestens in den Siebzigern in der Versenkung verschwunden war und sozusagen nicht dauerhaft zum »kulturellen Erbe der Arbeiterklasse« gehörte?

  5. 5 erniesouchak 18. März 2009 um 13:06

    Ich wage einen völlig anderen revolutionären Ansatz und werde mich als Rassist, Nazi und die Inkarnation des Bösen outen.

    Kinder deren Eltern ihnen einen respektvollen Umgang mit Alkohol beibringen, haben eventuell gar kein Bedürfnis zum Komasaufen. Zumindest nicht 24 Stunden 7 Tage die Woche.

    Aber ach, wie ketzerisch sind meine Worte. Eltern die Verantwortung übernehmen und ihre Kinder erziehen, wo gibt es denn so etwas noch in unserem der Staat-kümmert-sich-um-alles-und-verbietet-den-Rest Land?

  6. 6 pippin 18. März 2009 um 13:42

    In Niedersachsen etwa hätten bei Testkäufen 70 Prozent der Händler verbotenerweise Alkohol an Jugendliche abgegeben.

    Un schon wieder ist eine neue Geldquelle für Vater Staat erschlossen.

  7. 7 vakna 18. März 2009 um 18:00

    Jugendliche haben nunmal ihre Ausprobierphase. Ob das Zigaretten, Allolol oder Drogen sind. Da kann Pappi Staat sowieso nichts machen. Obwohl es in der DDR keine Zigarettenautomaten gab und bei Alkohol/Zigaretten wirklich der Ausweis kontrolliert wurde (soweit ich das erlebt habe), war es kein Problem, sich zu besaufen oder zu qualmen.

    Der Unterschied zu Früher ist, daß sie sich jetzt mitten in der Woche besaufen. Und daß sie die Tüte nicht mehr am Samstag Abend genießen sondern völlig selbstverständlich auf dem Weg vom/zum Zug paffen. Aber da können sowieso nur die Eltern was machen, wenn die sich nicht kümmern ist alles andere verlorene Liebesmüh'(gerade Hanfraucher erkennt man am Gestank, Eltern die das nicht merken können auch Schwefelwasserstoff nicht von Parfüm unterscheiden).

    Und die Verkaufskontrollen sind in der Schweiz gerade ganz große Mode. Die Linken sind da ganz versessen darauf, „die Jugend zu schützen“. Derweil pafft der Juso-Präsident Cedric Wermuth an der SP-Delegiertenversammlung öffentlich einen Joint.

    Ja, was soll man dazu sagen. Sind halt Linke.

  8. 8 stalker 18. März 2009 um 21:51

    so ein Unfug!

    Demnächst verbieten sie uns auch noch „Mein Kampf“ zu lesen, oder mit dem alten Diesel in die Innenstadt zu fahren oder gar unsere Kinder selber zu erziehen…

    äh..

    äh, Moment mal, da soll doch gleich…


Comments are currently closed.



März 2009
M D M D F S S
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Blog Stats

  • 2.271.605 hits

Archiv


%d Bloggern gefällt das: