Jobs in der Amokinduistrie

Wer eine ehrliche Arbeit hat, braucht sich nicht zu schämen. Sagt man. Nicht zu trifft das auf all jene, die vom Leid anderer leben, sie gezielt über die Ohren hauen oder auch sonst mit allerlei Scharlatanerie um ihr sauer verdientes Geld bringen. So geniessen die Berufsgruppen Politiker, Sozialpädagogen, Psychologen, wie Töpfchen-Pfeiffer, Journalisten, wie Rita Kimmkorn, oder Banker besonders hohes Ansehen in der Bevölkerung. Leider kann nicht jeder nutzlose Bastard, sei er weiblich oder männlich, einen Platz als Therapietante ergattern, um herauszufinden, woran es dem Amokschützen, Messerstecher, Raubmörder oder Mehrfachvergewaltiger wirklich gefehlt hat, Liebe, Zuwendung, bedingungsloses Grundeinkommen von 5000 €, mehrfach in der Woche den Arsch voll oder  einfach die  schnelle Abschiebung nach Afghanistan, mitsamt der Sippe.

So viele ungenutzte Potentiale, die alle nicht säen oder ernten wollen und dennoch hoffen, jemand   ernährt sie und hängt bebend an ihren Lippen, die Wichtiges zu verkünden haben. In der nächsten Talkrunde.

Nun strahlt endlich ein Licht am Horizont auf. Nach der grausamen Nacht von Winninden, bildlich gesprochen, erscheint Hoffnung über dem Rand der flachen Erde und verspricht eine bezahlte Stelle im Schulbetrieb, auf die wir alle schon gewartet haben, vor allem aber jene, die mit ihren Steuergeldern für die Bildung aufkommen und wo statt der neuen Computerausstattung die Gesundheitspflegerin aufgeht.

Wer jetzt an Schwester Agnes denkt, der robusten Pillenverteilerin und Seelentrösterin, die mit ihrer „Schwalbe“ über die Dörfer fuhr und den Arzt ersetzte, in der DDR, hat sich nicht ganz schwer geschnitten. Schulgesundheitspfleger sind für die gesunde Schule verantwortlich, also für Harmonie und Zufriedenheit unter den Schülern, auf dass die Jackenabzieherbande künftig friedlich bei ihrem Opfer liege oder der, der seiner Lehrerin sonst zuruft, „isch fick Dich, Schlampe“, ihr zuvorkommend die Türe aufhält und die Unterrichtsmaterialien trage. Einer  eben der Anderen Last.  Früher reichte das Gespräch mit Freunden, um sich die Seele zu erleichtern, heute muss bezahltes Personal ran. Der Söldner unter den Freunden. Oder die Söldnerin. Unter den kichernden Freundinnen.

Schulgesundheitspfleger werden also künftig, neben unangemeldetem Türeneintreten von legalen Waffenbesitzern, wie die Kanzlerin sich das vorstellt, der Deutschen Hauptmittel im Kampf gegen Amokläufer. Bis wieder einer geschieht und Türeneintreten und Gesundheit pflegen offensichtlich nicht ausgereicht haben und ein neuer Berufszweig für weitere Sozialtantenaspirantinnen geschaffen werden muss. Klar, wer nicht Tischler oder Eisenwarenverkäuferin werden will, muss eben Teil der Amokindustrie werden. „Sei smart, kauf im S-Markt!“

Aber was nützt all dies gross Beginnen, wenn im kranken Schulkörper kein gesunder Geist wohnt? Wenn Kinder mit Furcht zur Schule gehen, weil sie wissen, sie werden dort oder auf dem Schulweg überfallen, geschlagen und ihres Taschengeldes, ihrer Jacken und Schuhe beraubt? Oder wegen ihrer Herkunft gemobbt? Wird ihnen dann die Gesundheitspflegerin sacht über das zarte Kinderköpfchen streichen und flüstern, „die Schule ist ja gleich vorbei und dann renn schnell wie der Wind nach Hause?“ Oder wird sie zur Pump-Gun greifen und den Übeltätern das Lebenslicht ausblasen, was ein richtiger Ansatz wäre?

Nun werden in „Der Westen“ natürlich alles nur löbliche Erfahrungen genannt, deshalb soll, der journalistischen Ausgelogenheit halber,  nicht verschwiegen werden, dass es auch weniger erfolgreiche Karrieren gibt. Buffy Summers, zum Beispiel. Schülerberaterin an einer Schule in Sunnydale. Während sie, die auserwählte Vampirjägerin, sich gelangweilt die Sorgen der Schülerinnen und Schüler anhört, kann sie nicht verhindern, dass eine ihrer Schutzbefohlenen ermordet wird oder sich unter ihr der Höllenschlund auftut. So viel zur Prävention durch neue Planstellen.

Buffy Summers, Schulgesundheitspflegerin in Sunnydale

6 Responses to “Jobs in der Amokinduistrie”


  1. 1 Prosemit 19. März 2009 um 06:43

    Europa kam erstaunlich lange ohne jeden Psychologen aus. Viele Jahrhunderte. Zu meiner Schulzeit war der Schulpsychologe genauso fremd wie das WorldWideWeb.

    Sie könnten neben der medizinischen Versorgung der Schüler ebenso als Ansprechpartner bei alltäglichen Sorgen dienen.

    Wenn mich mein schwaches Gedächtnis nicht trügt, hatten meine Eltern damals die Rolle des Ansprechpartners übernommen. Die haben das glaube ich sogar als ihre Aufgabe betrachtet – so wie wir es bei unseren Kindern machten.

  2. 2 erniesouchak 19. März 2009 um 06:47

    So ist das mit der staatlichen Fürsorge. Auf jeden Topf gehört das passende (staatliche) Deckelchen. Wie könnte es auch anders sein?

    Merkwürdig ist jedoch die Tatsache, dass trotz aller Psychoheinis, Pädagogiktanten, die sich in der Regel als die allwissenden Müllhalden begreifen, Sozialarbeiteronkels und sonstigen steuerfinanzierten Berufsbetroffenen die Gesellschaft keinen Deut besser geworden ist.

    Wie ist dieses Dilemma nun zu lösen? Ganz klar. Die sozialpädagogische und psychologische Rundumbetreuung ist nicht ausreichend. Mehr desselben! Sofort. Koste es was es wolle. Lohnenswert ist sicherlich auch die Überlegung, ob nicht die staatlichen Profibesorgten ebenfalls allerhand pädagogische und soziale Betreuung bedürfen. Sozusagen eine Metabetreuung. Oder mehr polemisch ausgedrückt: „Wollt ihr die totale Betreuung?“

    Ein guter Einfall. Werde ich gleich an meinen zuständigen Abgeordneten schicken. Ist es nicht ein gutes Gefühl die Welt zu retten?

  3. 3 Robin Renitent 19. März 2009 um 07:14

    Ich fordere einen Universitätsgesundheitspfleger der sich um durchgeknallte Pflegewissenschaftler bemüht.

  4. 4 Friederich 19. März 2009 um 07:54

    Ich lese hier schon wieder einen gewissen Cynismus aus den Kommentaren heraus. Ihr seht das alles viel zu negativ. Natürlich wird das GesundheitspflegerIn keinen Amoklauf verhindern. Aber es gibt ja auch andere wichtige Betätigungsfelder, schließlich soll das PflegerIn ja VertrauenspersonIn für das SchülerIn werden, und da eröffnen sich ja durchaus auch sehr schöne Herausforderungen, etwa wenn das SchülerIn schwanger ist und Hilfe braucht bei der Aufgabenstellung, das KindIn unbemerkt von den ElterInnen abtreiben zu lassen oder wenn es darum geht, herauszufinden, ob die ElterInnen denn auch wirklich den Müll ordentlich trennen und ob sie auch kein Westfernsehen sehen bzw. sich anderwärts illegale Informationen an den Qualitätsmedien vorbei beschaffen. Vielleicht haben ja ElterInnen auch mal am Küchentisch geäußert, daß sie dem KinderIn, das gerade sein Funktelephon an marodierende KültürbereicherInnen gespendet hat, folgetags kein neues Gerät mitgeben wollen, da sie für die Notlage der benachteiligten SpendenempfängerInnen kein ausreichendes Verständnis entwickelt haben. Dann könnte das VertrauenspersonIn gleich beim Jugendamt die Notunterbringung des KinderIns in einer Pflegefamilie mit MiHiGru erwirken, damit es endlich aus diesem braunen Sumpf im ElterInnenhaus herauskommt und die ElterInnen den zuständigen staatlichen Organen der Rechtspflege zur Resozialisierung übergeben.

  5. 5 netzwerkrecherche 19. März 2009 um 10:21

    Die in der urbanen, postindustriellen Psychogesellschaft von ihren archaischen und ursprünglichen Verhaltensweisen lösgelösten, individualisierten und gendermaingestreamten MassenmenschInnen benötigen umfangreiche psychische Betreuung, das ist nicht im geringsten verwunderlich.

  6. 6 vitzliputzli 19. März 2009 um 15:46

    und wahrlich,ich sage euch:

    es wird der tag kommen, an dem jeder bundesbürger seinen rechtsanspruch auf eine eigene ganztageszwangsjacke bekommt.

    die ordnungsgemäße verteilung der bunten jäckchen in den modisch aktuellen farben rot, gold und schwarz wird der die das gesellschaftsgesundheitspflegerIN übernehmen.

    irgendwann wird die eu-kommission das ehemalige staatsgebiet der brd zum klinikfreigelände der europäischen psychiatrie erklären.

    bundespflegerin angela und ihr team sorgt dann für uns.

    v.


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