Archiv für 24. Juli 2009

Arbeit macht glücklich

Wer nur den ganzen Tag darüber grübelt, welche Fremdimmobilie als nächstes besetzt werden soll, wo der Karsten sein neues Handy her hat oder die ganze Nacht hindurch Autos anzünden musste, um das verfluchte Schweinesystem zum kollabieren zu bringen, das ihm Miete, Heizung und Taschengeld liefert, ist oft unausgeglichen, unzufrieden und von der aktuellen Weltrevolution enttäuscht. Irgend etwas fehlt da in seinem Leben und das Verprügeln des Altnazis am Infostand einer Pro-Partei kann die Laune auch nicht dauerhaft heben, trotz des Beifalls von Seiten der SPD, DIE LINKE und der GRÜNEN. Oder gerade deswegen.

So kann das nicht weitergehen, grübelten Brandenburger Politiker und wühlten emsig in den Archiven des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend, der Hitlerjugend, des leninschen Komsomol  und noch eine Etage darunter, da wo die morschen Knochen modern, des Feinds nach dem grossen Sieg, und fanden die Lösung. „Jump per Base“, was sich besser anhört, als Reichsarbeitsdienst oder Jugendprojekt der FDJ. Also überhaupt erst wieder lernen, sich die Schuhe selbst zuzubinden.

Seit Januar 2009 sollen zehn arbeitslosen Erwachsenen, die alle nicht älter als 24 sind, neue Perspektiven aufgezeigt werden. „In verschiedenen Phasen lernen sie wieder einen geregelten Tagesablauf kennen und können sich unter fachkundiger Anleitung in unterschiedlichen Berufsrichtungen ausprobieren“, sagt Iris Vogt, Leiterin des ÜAZ. Im Mittelpunkt steht ein gemeinnütziges Vorhaben. Dabei war deren Tagesablauf doch geregelt, mag nun mancher einwerfen. Zumindest durch die Gänge zur Toilette und zum Kühlschrank und dann die Glotze anschalten, um die Sendung, „Kochen mit Sarrazin“ anzuschauen. Aber das war nicht gemeint.

Der junge Mensch soll arbeiten, im Dienste der Gemeinschaft, die hier durch das Dorf Friesack repräsentiert wird. In kleinen Brigaden, Gruppen, Teams schafft er für das Gemeindewohl, innerhalb der sozialistischen Menschengemeinschaft, wie einst Egon in der Grossen Friedländer Wiese , Karl Müller beim Autobahnbau oder Pawel Kortschagin im dichten, finsteren Tannenwald. Zum Beispiel beim Setzen eines Zaunes um den Sportplatz.

Nun wissen wir Alle, nichts ist schlimmer, als junge Menschen zu einem geregelten Tagesablauf zu zwingen, so mit Wecken, Morgentoilette, Revierreinigen, Antreten und Appellen, wobei unter Appellen, Fahnenappelle und Flaggenparaden die Schlimmsten sind, gemahnten sie unsere Bürgerrechtler doch zu Recht an finstere Zeiten. Wo Ordnung, Disziplin, die mächtige Faust der Arbeiterklasse und ein blankgeputzter Exercierspaten dominierten.

Dennoch, Karin Suschovk ist begeistert von „JumPer Base“. Das sei viel besser, als zu Hause herumzusitzen, betont die 20-jährige Teilnehmerin. Genau wie ihre Mitstreiterin Jenny Zimmermann erhält sie im Rahmen des Projektes sogar zusätzlichen Unterricht. Denn immerhin wollen beide so schnell es geht einen Arbeitsplatz finden. Und das ist  eine Einstellung, die es durchaus zu fördern gilt.

Besser als Zuhause rumsitzen


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