Windradphobie

Kernkraftwerke sind statistikmässig sozial benachteiligt, was nach sozialer Meldepflichtgerechtigkeit geradezu schreit. Während Kernkraftwerksbetreiber jede Normabweichung melden müssen, die  sofort als Störfall durch die deutsche geordnete Presse rauscht und Umweltminister, wie den knuffigen Eisbärenpaten, zur Höchstform auflaufen lassen, sind Windkraftwerksbetreiber nicht verpflichtet, die Schlachterliste offenzulegen. Deswegen sind Windkraftanlagen, im Gegensatz zu Kernkraftwerken auch als sicher verschrien, denn was ich nicht weiss, als strickstrümpfiges Ökoliesel, das macht mich auch nicht heiss.

150 bis 200 Meter können Bruchteile der Rotorblätter also erwiesener Maßen durch die Luft geschleudert werden – der bundesweit vorgeschriebene Mindestabstand neben Straßen beträgt an Autobahnen je 40 Meter, an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen je 20 Meter. Zu Siedlungen gilt eine „Empfehlung“ der brandenburgischen Landesregierung von 1000 Metern Mindestabstand. … Olaf Mager, Sprecher des Unternehmens „Germanischer Lloyd“ und zuständig für die Zertifizierung von Windkraftanlagen: „Es besteht derzeit keine Meldepflicht von Unfällen, allerdings gehen wir davon aus, dass es in den nächsten Jahren dazu kommen wird.“ … Andreas Eichler, Sprecher von Vestas Deutschland: „Es kommt tatsächlich ausgesprochen selten zu nennenswerten Störungen. 2009 hatten wir bei unseren weltweit 25 000 Anlagen bisher drei schwereren Zwischenfälle.“ …

Halten wir also noch einmal fest. Abgerissene Rotorteile oder Eiswurf, die durch die Gegend geschleudert werden, müssen nicht gemeldet werden, werden also nur aus Liebhaberei erfasst. Was nicht gemeldet wird, taucht in keiner Statistik auf und was in keiner Statistik auftaucht, ist auch nicht geschehen. Der vorgeschriebene Mindestabstand zu Strassen und Pilzsuchern beträgt 40 Meter. 160 – 180 Meter weniger, als die Anlagen ihre Teile in der Gegend zu verstreuen vermögen. Bravo! Dennoch wissen wir von keinen Störfällen, weil keine dokumentiert werden.  Und das sollte uns doch alle beruhigen, die wir demnächst vielleicht auf der Landstrasse unterwegs sind, wo sich vielleicht ein Rotorteil einer Windkraftanlage auf unseren Beifahrersitz zwängen will, die im Sicherheitsabstand steht, der aber planmässig nicht sicher genug ist.

Marius Horaschke, 46, ist als Lkw-Fahrer einiges gewöhnt. Jetzt kennt er eine ganz neue Angst: die Furcht vor Windrädern. Er ist regelmäßig mit seinem Transporter zwischen Brieske und Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) unterwegs. Vor Kurzem schlug dort unweit der Straße ein abgerissenes Rotorblatt in den Boden. „Seit ich diese Verwüstung gesehen habe, fahre ich extrem vorsichtig an allen Windrädern vorbei, besonders bei Sturm“, sagt Horaschke. „Ich bin kein ängstlicher Typ und habe nichts gegen Windkraft. Aber sicher müssen die Anlagen schon sein.“ Und mit diesem Argument dürfte er so einigermassen allein auf weiter Flur stehen.

Eine Abschaltung aller Windparks zur Durchsetzung tatsächlicher Sicherheit wäre also geboten, würden dieselben Maßstäbe angelegt, wie an Atomkraftwerke, sie sind politisch aber nicht erwünscht. Offensichtlich gibt es einen Plan der deutschen Bundesregierung, die deutsche Bevölkerung durch unsichere Windkraftanlagen systematisch zu dezimieren. Und wie ein Hohn klingen da die Worte der Juliane Werding, der Mutter der deutschen Endzeitbardinnen, hab keine Angst mein Kind, draussen geht nur der Wind. …

Darum schlaf jetzt schnell

6 Responses to “Windradphobie”


  1. 1 Prosemit 30. Juli 2009 um 05:04

    Die Angst vor „dem Atom“ gehört zu den bundesdeutschen Urängsten. Die Ursachenforschung landet früher oder später bei der Psychologie und dann in der Psychatrie.

    Strahlung ist ja so was von gefährlich meint sicher auch Ulla Schmidt und badet in Spanien am Mittelmeer. Der Popminister düst in 8.000 Meter Höhe zu seinem nächsten Termin, um gegen radioaktive Emissionen zu kämpfen.

    Würde man die Sicherheitsmassnahmen bei Kernkraft auf beispielsweise Kohlekraftwerke übertragen, hätte man die Energieversorgung schon vor 30 Jahrzehnten abgeschaltet. Die jährliche Anzahl von Unfällen bei Gewittern hätte längst ein unbegrenztes Aufenthaltsverbot im Freien zur Folge. Damit könnte man allerdings wirklich mehr Menschenleben retten, als bei „dem Atom“ zu Schaden kämen.

  2. 2 Karl Eduard 30. Juli 2009 um 05:12

    Da ist es wie mit dem Mord am Dresdner Landgericht, bis nicht jemand in Obhut der Justizministerin Brigitte Zypries ermordet wird, gibt es auch keine Kontrolle auf Waffen vor dem Betreten des Gerichtsgebäudes.

  3. 3 Ulf Nosthoff 31. Juli 2009 um 08:04

    Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hat die Zahlen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Zweifel gezogen. In dem IAEA-Bericht hatte es 2005 geheißen, Wissenschaftler rechneten mit rund 4000 Toten und mit geringeren Umweltschäden als befürchtet. Laut IPPNW starben nach der Katastrophe bis 2006 zwischen 50 000 und 100 000 Aufräumarbeiter, 540 000 bis 900 000 weitere seien Invaliden.afp

    Noch Fragen?
    http://www.n-tv.de/panorama/93-000-statt-4-000-Tote-article179005.html

    Selbstverständlich wird sich die Windkraft kontrollieren lassen…
    Diese Plastik-Teile die ein paar Bäume umknicken seh ich aber auch recht kritisch 😉

  4. 4 Karl Eduard 31. Juli 2009 um 08:17

    Nun, mit der zunehmende Zahl der Windkraftanlagen wird natürlich auch die Zahl der Windkraftanlagentoten steigen, über die natürlich keine Statistik geführt wird, weil eine Statistik nicht notwendig ist. Denn schliesslich gibt es bei Wurfweiten von Windradteilen 120 m über den Sicherheitsbereich hinaus, keinen Grund dazu.

  5. 5 Prosemit 31. Juli 2009 um 09:50

    Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hat die Zahlen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Zweifel gezogen. In dem IAEA-Bericht hatte es 2005 geheißen, Wissenschaftler rechneten mit rund 4000 Toten und mit geringeren Umweltschäden als befürchtet.

    Es ist immer wieder erschreckend, wenn man die völlig Unkenntnis der Verhältnisse registriert. Noch einmal die Fakten.

    Die direkten Folgen :

    Die Explosion von Tschernobyl forderte zwei Tote. 28 Feuerwehrleute und Hilfskräfte starben in den ersten 3 Monaten nach dem Unfall an einer überhöhten Strahlendosis. Den grössten gesundheitlichen Schaden entwickelten die radioaktive Niederschläge bekannterweise bei Schilddrüsenkrebs. In den Jahren nach Tschernobyl wurde an Kindern (auch die nach Tschernobyl geboren waren) und Erwachsenen insgesamt
    2000 Fälle von Schilddrüsenkrebs diagnostiziert – bei 18 Millionen Einwohnern in dem betroffenen Gebiet. Die allermeisten Fälle konnten geheilt werden. Die Zahl der an Schilddrüsenkrebs gestorbenen Kinder liegt bei 10.

    Die Zahl der im chinesischen Bergbau ums Leben gekommenen Bergleute alleine im Jahre 2005 ist ca. 50 mal höher höher als die Zahl aller auf Tschernobyl möglichweise zurückführenden Todesfälle

  6. 6 Prosemit 31. Juli 2009 um 10:18

    Als Ergänzung, wie man überhaupt so so absurden Zahlen kommt, ein fiktives Rechenbeispiel.

    Jeder weiss, dass die Strahlen der Mobilfunksendemasten lebensgefährlich sind. Es gibt im Einzugsgebiet des Mobilmastes A 100.000 Bewohner. Statistisch erkranken 3 Menschen an Schilddrüsenkrebs, im Jahr nach der Errichtung des Mobilfunkmastes sind 5 Menschen erkrankt.

    Schlussfolgerung a: dramatischer Anstieg der möglichen Krebstoten – es ist zwar noch keiner in dem Jahr an Schilddrüsenkrebs gestorben, könnte aber später…

    Schlussfolgerung b: statistisch nicht signifikante Aussage

    Schlussfolgerung c: durch die entstandenen Ängste in einem Teil der Bevölkerung konnten glücklicherweise zwei Fälle von Schilddrüsenkrebs in einem frühen Stadium festgestellt werden.


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