Archiv für 16. September 2009

Kreuze für die Helden

Jetzt ist es mal wieder so weit. Nach dem fast alltäglichen Mord an einem wertvollen Menschen und Mitglied der Gesellschaft, weil Steuerzahler und offenbar noch mit moralischem Kompaß ausgestattet, der es zwischen gut und böse unterscheiden läßt, nicht so wie die verhohnepiepelnden Journalisten und den Rechtsstaat verlachende Blutrichter, sind wieder einmal die Anderen die Schuldigen. Nicht die jugendlichen Intensivtäter, die mit Verstandnis der Journaille, der Töpfchenanalytiker und der Justiz, die Menschen terrorisieren, nicht die Presseheinis, die da höhnen, „glauben Sie tatsächlich, härtere Strafen hätten den Mord verhindert“, wie dieses Exemplar:

Der Soziologe Joachim Kersten von der Deutschen Hochschule der Polizei warnte vor einem „Herumdoktern am Jugendstrafrecht“. Die Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass härtere Strafen in der Regel nicht zu einem Rückgang der Gewalt führten, sagte er der „Frankfurter Rundschau“: „Je mehr man straft, desto mehr verroht die Gesellschaft.“

nicht die Richter, die den Totschlägern wieder und wieder Gelegenheit gaben, weitere Totschlagtaten zu begehen,  nein, es sind die Gaffer schuld! Die Gaffer, die nicht wie eine Horde Lynchwütiger über die beiden Herzchen hergefallen sind und sie zu Mus geschlagen haben, was sie zweifellos verdient hatten, denn sie kennen die Verworfenheit in Presse, Funk, Fernsehen und im Gerichtssaal.

Und so tritt Rupert Scholz ins Rampenlicht und mahnt:

Wer bei gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten ist, kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.

Künftig werden also die passiven, abgestumpften Mitreisenden, Anwesenden oder Zeugen, getrieben von Angst vor Geld- oder Freiheitsstrafe, kühn Gesundheit und  Leben in die Schanze werfen,  um anschließend vor dem Richtertisch zu landen und vom Pressemob zerfleischt zu werden.

Möge sich jeder selbst die Schlagzeilen vorstellen, die unsere moralischen Anstalten zu fabrizieren in der Lage sind. Und wo die Sympathien der Trullertussen liegen werden, die sich schon beim polizeilich verursachten Ableben des Berliner Intensivtäters Dennis die Augen aus dem Köpfchen weinten und beim Tode von Taliban gar nicht mehr aus dem Schluchzen herauskommen.

Ja, so denkt der Rupert sich das. Vorne lauert die Gefahr in Form tollwütiger Totschläger, die der Staat und staatlich gefördertes Dreckspack von Tat zu Tat zu mehr Grausamkeiten ermuntert, hinten steht das Erschießungskommando und wedelt mit dem Hilfeleistungsparagraphen und nun stürmt mal schön aber tut dem Feinde ja nichts zu Leide, sonst kommt ihr vors Standgericht unserer Moralapostel, das vom selben moralischen Abschaum gestellt wird, das den Totschlägern nach jeder Tat die Freifahrtsscheine für weitere Verbrechen abstempelt. Ein Trottel, wer da aus dem Graben steigt.

Aber der Verhöhnung wird kein Ende sein. Schon gar nicht staatlicherseits. Jedem Gefallenen im Kampf um die Bewahrung der Reste der bürgerlichen Gesellschaft, droht jetzt als Strafe nicht nur der Tod sondern auch die Entehrung. Zum hölzernen Kreuz, mit dem der Staat des Gefallenen gedenkt, gibt es nun noch das aus Metall.

Der frühere Bundesminister Carl-Dieter Spranger kündigte an, er werde ihn für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. „Herr Brunner hat mit seinem beherzten Einschreiten ein Zeichen für Zivilcourage gesetzt gegen den zunehmenden Verfall des Wertebewusstseins in unserer Gesellschaft“, sagte der frühere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit der „Bild“-Zeitung.

Womit die Toten dann in Gesellschaft einer ausgewiesenen Heldin wären, die sich um die Propagierung der Vernichtung des jüdischen Staates verdient gemacht hat. Wird sich mit dieser Aussicht jemand motivieren lassen, todesverachtend einem Hilfsbedürftigen beizuspringen? Anschließend der Ehre beraubt durch Presse, Funk und Fernsehen, im Gefängnis oder mit Geldstrafe belegt, zusätzlich dekoriert mit diesem Kreuz, das auch die Langer trägt?

Und natürlich, nicht daß das vergessen wird:

Der Vorsitzende des Deutschen Richterbunds, Christoph Frank … warnte zugleich davor, das Verbrechen in München vor der Bundestagswahl zu instrumentalisieren.

Sie können es eben nicht lassen. Die Richter. Dabei wäre das doch einmal so nötig, ihre Rolle und ihren Anteil an den Erschlagenen zu prüfen, den Mißhandelten, Vergewaltigten, Mißbrauchten, Beraubten, Gedemütigten, durch wohlwollende Duldung von Mord und Totschlag, Räuberei und Brandstiftung, einem Herz für das Verbrechen eben.

Wir können auch mit Sicherheit davon ausgehen, daß die, die nicht zu Hülfe eilen, später mit einem Denkmal geehrt werden. „Dem unbekannten Deserteur“. Oder so. Wetten?

Dieser Fall von zuviel Courage ist ganz klar auch kein Fall für das Bündnis für Demokratie und Toleranz. Das mit denselben natürlich nichts zu tun hat, es heißt nur so. Unserer Rechtsstaat heißt ja auch nur noch so.  Dazu hätte sich Herr Brunner schon selbst erschlagen und bezeugen  müssen, daß ihm diese schlimme Tat von Leuten angetan wurde, die Thor Steinar trugen, schütteres Haar oder Kreuz-Schlangen-Tätowierungen. Dann wäre die öffentliche Reaktion übrigens ganz anders ausgefallen. Kein moralisch Verkommener hätte es gewagt, sich hinzustellen und zu rufen, je mehr man straft, desto mehr verroht die Gesellschaft. Im Gegenteil.

Einen bessren findst Du nicht

Der Text im Laufband ist übrigens ein Aufruf zur Zivilcourage. Das war 1813. Als die Regel, Verbrechern das Köpfchen zu kraulen noch nicht galt. Das war den 68ern vorbehalten, die das zum Selbstschutz erfanden. Klar, wer will nicht gekraulet werden, nach Steine-, Brandflaschenschmeißen oder terroristischen Gewalttaten?


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