Soziale Auszeichnungsungerechtigkeit

Wo sind die Frauen? Diesen Ruf, ausgestoßen von sächsischen verbitterten Jean d`Arcs, hört man zwanzig Jahre später immer wieder und immer häufiger. Je länger ein Ereignis zurückliegt, desto schärfer und besser erinnern sich auch die sächsischen Menschen weiblichen Geschlechts an die Taten, die sie selbst hätten tun können, im Wendeherbst 1989, die ihre Mütter hätten tun können oder auch ihre Großmütter und verbittert fragen sie sich, warum ein sächsischer Verdienstorden, der für Verdienste um die Abschaffung des ersten deutschen Arbeiter und Bauernstaates verliehen wurde, nur so wenige Frauenbusen ziert.

Bei der jüngsten Auszeichnung am Dienstag waren 20 Männer und nur eine Frau für ihren Beitrag zur Wende 1989 geehrt worden. Die Proportion sorgte in der Opposition für Kritik. Am Mittwoch konterte die Staatskanzlei: „Wir wünschen uns, dass mehr Vorschläge für Frauen eingehen.

Liegt es am Gedächtnis der Heldinnen und Helden des Wendeherbstes oder an unserer optischen Wahrnehmung? War Kurt Masur eine Frau und keiner hat es gemerkt? Ist Ludwig Güttler die verkannte Trompetenvirtuosin, die zitternd der Staatsmacht den Marsch blies? Wohl kaum. Aber sie hätten Frauen sein können! Und blieben als Frauen ungeehrt.

Wo sind die fleißigen Putzfrauen, die in den Folterkellern und Straßen das Blut der getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten mit Ata beseitigten oder mit Fit, dem wiederauferstandenen? Wo die mutigen Krankenschwestern, die die Verletzten aus dem Feuer der Panzer schleppten, die Herzchiruginnen, die die Schußverletzungen  heftpflasterten, wo all die fleißigen Leichensackträgerinnen, die Horst Köhler so bewunderte, die Blutplasmabotinnen, wo die feurigen Rednerinnen, die von KirchInnenkanzelInnen zu mehr Freiheit und demokratischerem Sozialismus aufriefInnen? Vergessen, verdrängt, mißachtet!

Und wo  bleiben die geehrten Schwulen und Lesben, von denen wir wissen, daß sie unter der Regenbogenfahne das Menschenrecht erkämpften, mit Penis und Brüsten auf der Straße herumzuwedeln. Sollten die keine Heldentaten vollbracht haben? Ei gewiß doch!

Warum, fragen wir weiter, wurden keine schwarzen Menschen geehrt oder keine sonnengebräunten? Ist das nicht wieder so eine rassistische Mißachtung des Volkes der Colored People, ohne das die Revolution im Herbst 89 nie stattgefunden hätte. Wer kann da noch an der Berechtigung Philippa Ebenes Rassismusvorwürfen zweifeln, wenn die Ausgezeichneten durchweg weiß sind!

Wieder einmal wurde auch das brave Türkenvolk vergessen. Jeder erinnert sich doch, daß der erste Aufruhr gegen das sozialistische System von der Leipziger türkischen Gemeinde und ihren Moscheen  ausging, als dort die DITIB-Imane, die Angestellten des türkischen Religionsministeriums, mit ihren Gebeten die zagenden Leipziger Bürger ermutigten, sich mit Kerzen zu versammeln. Auch sie, vergessen, verdrängt und mißachtet.

Können wir das so hinnehmen, auch in der Zukunft, diese soziale Auszeichnungsungerechtigkeit, die die Menschen nicht anspornt sondern ausgrenzt? Ich meine nein!

Auch ein Opfer

4 Antworten to “Soziale Auszeichnungsungerechtigkeit”


  1. 1 Prosemit 15. Oktober 2009 um 05:52

    Man sollte Auszeichnungen strikt Gendergerecht verleihen und dabei auch den korrekten Anteil an Schwulen, Lesben, Transsexuellen und Nymphomaninnen berücksichtigen. Politisch korrekt dürfen Pädophile auch nicht ausgegrenzt werden, wenn sie sich als politisch Links oder Grün outen.

  2. 2 fnord 15. Oktober 2009 um 06:15

    Diese besonders perfide Form der Unterdrückung, das wahrheitsgetreue Abbilden von Realitäten meine ich, darf und wird so nicht weiter geduldet werden! Dieser Spaltpilz muss mit Stumpf und Mycel ausgerottet werden – für unser aller Heil und eine bessere Zukunft, selbstredend.

    Lobbyisten aller Länder, vereinigt euch!

    Gruß,

    fnord

  3. 3 Karl Eduard 15. Oktober 2009 um 06:23

    Ja. Oder durch Lotterien.

  4. 4 Prosemit 15. Oktober 2009 um 06:32

    Karl Eduard 15. Oktober 2009 um 06:23

    Ja. Oder durch Lotterien.

    Du sprichst ein grossen Problem der fehlenden Chancengleichheit an.

    Nachweislich werden fast alle Lottogewinne an Leute ausgezahlt, die genügend Geld zum Bezahlen eines Tippscheines haben. Damit werden vor allem die ärmsten Gruppen ausgegrenzt. Es ist daher dringend nötig, dass die Gewinne gerecht verteilt werden auf die Gruppen, die sich einen Tippschein nicht leisten können. Nur so kann Gleichberechtigung hergestellt werden.


Comments are currently closed.



Oktober 2009
M D M D F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Neueste Kommentare

Penny & Lane bei Endlich wieder Kriech
vitzli bei Endlich wieder Kriech
Tante Lisa bei Nach der Prüfung
Onkel Peter bei Hungersteine – Klimawand…
hildesvin bei Germania
Waffenstudent bei Germania
Tante Lisa bei Seemannsgarn
Tante Lisa bei Seemannsgarn
Waffenstudent bei Wann verlernen die Idioten das…
Tante Lisa bei Seemannsgarn

Blog Stats

  • 2.283.162 hits

Archiv


%d Bloggern gefällt das: