Archiv für 17. Dezember 2009

Unbegreifliche Sportphobie

Der Friedensvertrag. Einspruch gegen Fesselung des deutschen Turnens. Der Friedensvertrag (von Versailles) bestimmt in Artikel 177. daß sich Unterrichtsanstalten nicht mit militärischen Dingen befassen dürfen. Welcher Auslegung diese Bestimmung fähig ist, zeigt ein Beispiel, der unlängst in der Rheinpfalz in folgender Form zur Kenntnis aller Leiter von Unterrichtsanstalten gebracht worden ist:

„Die Leiter aller Unterrichtsanstalten sind davon zu verständigen, daß allein die Übungen, welche in das Gebiet der Gymnastik, der individuellen körperlichen Ausbildung und des Sports fallen, zugelassen und daß andererseits die gemeinschaftlichen Übungen, welche sich auf militärische Vorbereitung beziehen, streng verboten sind. Es sind insbesondere verboten, die gruppenweisen Ansammlungen, Viererreihen, Marsch in Schritt, Stabübungen usw. für Schüler aller Schulen, welche sich in den besetzten Gebieten befinden. Jede Übertretung wird Bestrafung nach sich ziehen gegen die sich verfehlenden Lehrer und die verantwortlichen Leiter.“

Der Mannh. Gen. Anz. bemerkt dazu: Die pfälzische Lehrerschaft wird sich mit diesem Befehl abzufinden wissen und ebenso unsere Jugend der die Scham über das Unrecht von Versailles in der Seele brennt. Es handelt sich zunächst  um die Anordnung eines einzelnen Generals, die man vielleicht in Frankreich selbst als einen Mißgriff bezeichnen wird, insofern braucht man ihr nicht allzuviel Bedeutung beizumessen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß bei den Feinden die Absicht besteht, die deutsche Volkskraft durch Fesselung des deutschen Turnens niederzuhalten. In jedem Falle wird es gut sein, wenn gegen eine solche Auslegung der Bestimmungen in Art. 177 des Friedensvertrages schon jetzt von amtlicher Stelle auf das Entschiedenste dagegen Einspruch erhoben wir.

FREIBURGER ZEITUNG 16. DEZEMBER 1919

Wir erinnern daran,  daß die Schulnot, also das Fehlen der Schulen und damit der Wegfall der Ausbildung der deutschen Schüler, als Folge der Beschlagnahme der Schulen durch die Besetzungstruppen für Quartiere, weitgehend einen Schulunterricht für Jahre nicht zuliess.

Bild: Simplizissimus „Deutsche Kriegsgefangene zu quälen ist nicht nur gerecht, sondern auch wundervoll ungefährlich.“ Dazu aus der FREIBURGER ZEITUNG vom 17. Dezember 1919:

Die Not unserer Gefangenen in Frankreich. Das Zeugnis eines Engländers. Der Manchester Guardian vom 11. Dezember veröffentlicht folgenden, der Redaktion aus Nordfrankreich eingesandten Brief:

Das französische Volk fängt an, seine Meinung zu der Frage des verlängerten Zurückhaltens der deutschen Kriegsgefangenen zum Ausdruck zu bringen. Ich arbeite seit mehreren Monaten in den verwüsteten Gebieten und kann versichern, daß der Geist der Gerechtigkeit und des fair play bei der hiesigen Bevölkerung lebendig ist, was dazu führt, daß sie offen das Verhalten der militärischen Behörden und der Regierung gegenüber den Gefangenen verurteilt.

Eine Meile von unserer Niederlassung entfent befindet sich ein großes Disziplinarlager für deutsche Gefangene. Die Leute werden dorthin verschickt als Strafe für Fluchtversuche oder andere Ursachen. Die Behandlung, die diesen Leuten widerfährt ist scharf bis zum Äußersten. Sie haben keine Decken (Dezember!) und keine Schuhe mit Ausnahme von Holzschuhen für Arbeiten im Freien, die aber im Gefängnis nicht getragen werden dürfen und pour rien werden sie zu Brot und Wasser verurteilt mit warmem Essen nur jeden vierten Tag. Während dieselbe schwere Arbeit von diesen Männern, wie von anderen erwartet wird.

Ich weiß, daß vor einigen Tagen 18 dieser Leute in unterirdischen, nicht ausgelegten Gängen lagen, die sehr feucht sind. Von einem Augenzeuge wurde mir erzählt, daß den Gefangenen, die in einem schweren Regensturm arbeiten mußten, verboten wurde, ihre Mäntel anzuziehen. Die französischen Soldaten, die die Aufsicht haben, verhehlen nicht, was sie von dieser Tätigkeit halten. Ich wünsche, daß die Öffentlichkeit in England dieses erfährt, weil ich überzeugt bin, daß diese Disziplinlager die letzten sein werden, die von ihren Bewohnern geräumt werden und es sich für alle alliierten Mächte gehört, Gerechtigkeit und Vernunft in dieser Angelegenheit walten zu verlangen. …

So sah es aus damals und natürlich haben solche Berichte und Vorkommnisse dazu beigetragen, das großmütige Frankreich fest in die Weihnachtsgebete der Deutschen einzuschließen. Damals. Als noch gebetet wurde.

Volksvernichtung durch Fettleibigkeit


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