Archiv für 22. Dezember 2009

An die Schlittschuhe genagelt

Wenn es nicht Doping war, dann waren es die unbarmherzigen Trainigsmethoden des wenig demokratischen Sozialismus, wie Disziplin, Selbstbeherrschung, Erfolgswillen, kontinuierliche Arbeit und die Wegnahme von Schokosnacks durch Frau Müller, die proletarische Eiskunstläuferinnen über das kapitalistische Ausbeutersystem triumphieren liessen. Etwas, was LINKE, wie Petra Pau, Katrin Kuhnert und Bodo Ramelow zutiefst ablehnen, denn hat nicht jeder, wegen der sozialen Gerechtigkeit, Anspruch auf eine bedingungslose Goldmedaille im Eiskunstlauf? Ich meine ja.

Was der Uropa noch wußte

Bemerkung des Herrn von Archenholz über den jetzigen Türkenkrieg. Freiburger Zeitung digital. 31. Dezember 1788.

Die Türken sind noch völlig jenes rohe, unkultivierte, Wissenschaften und Künste hassende, alles zerstörende und nichts aufbauende, kurz in jeder Richtung verachtenswürdige Volk, wie man bisher geglaubt hat, und diejenigen, die einen Augenblick daran zweifeln, thun ihnen wahrlich zu viel Ehre an.

Hier ist gar nicht die Rede, wer bey diesem Krieg Recht oder Unrecht hat, noch auf welcher Seite sich de Wunsch eines unbefangenen Politikers neige, sondern bloß von den Türken als Krieger betrachtet. Ich berufe mich auf zwei Männer von vielem Verstand, die mit großen Kenntnissen versehen, und mit der türkischen Sprache bekannt, diese Nazion, so wie sie ist, durch einen langen Aufenthalt in der Nähe haben kennen lernen. Ritter Tott und Dolney, zween Volksbeobachter der ersten Klasse; zeigen uns durch zahllose Thatsachen die Türken in ihrer eigenthümlichen Gestalt.

Der jetzige Krieg beweist nichts, gar nichts zu ihrem Vortheil. Ist ihr Vorrücken mit einer Ordnung geschehen, so war es, weil sich kein Heer demselben widersetzte, und Pläne, von Europäern entworfen, dabey befolgt wurden. Es ist bekannt, daß einer derselben das Ohr des Großvezirs hat.

Wenn das Wort Kriegskunst kein leerer Schall ohne Bedeutung ist; so muß es jedem einleuchten, daß diese so schwere mit den sublimesten Wissenschaften verbundene Kunst, worinnen noch die meisten europäischen Nazionen trotz ihrer Bemühungen zurück sind, nicht das Los unwissender Kriegsbefehlshaber barbarischer Horden seyn könne. Sie kennen so wenig die ersten Elemente derselben, daß sie vielmehr glauben, durch ihren Muth, die ihnen mangelnde Kunst, die sie verachten, vollkommen zu ersetzen. – Man entweiht den Namen der Tapferkeit, wenn man sie den Türken beylegt.

Sie sind, so wie fast alle barbarischen Nazionen und wilde Völkerschaften, bey ihren kriegerischen Kämpfen wüthend. Was sie aber vor allen anderen Völkern im Krieg auszeichnet, und ihr Reich groß gemacht hat, sind die ihnen eigenen fanatischen Begriffe.  Der Gedanke, daß derjenige Muselmann, der im Streit wider die Ungläubigen fällt, sogleich in Muhameds wohllustatmendes Paradies versetzt werde, wo die schönen Houris auf ihn warten, muß natürlich den Entschluß erzeugen, den Tod im Treffen zu finden.

Hieraus ist die Wuth der Türken bey ihrem Angriff, dessen Nachdruck und Dauer erklärbar, wie sie die Palisaden mit den Zähnen anpacken, und an den Kanonen wie Rasende nagen. Was vermag die blosse Tapferkeit der braven Deutschen und Ungarn gegen eine solche Schwärmerey, die nicht die zufällige Stimmung eines Haufens, sondern Grundsatz zahlloser Heere ist?

Die Taktik allein muß hier entscheiden. Sie lehrt künstliche Stellungen, Bewegungen, Läger und Märsche; sie lehrt die ungeheuren Chaos ähnlichen Massen von Menschen, Pferden, Geschütz und Wagen zur Ordnung umzuschaffen; sie lehrt die hohe Disziplin, wovon bey allen Heeren geredet wird, die aber im Alterthum nur von den Römern (die Griechen, so sehr sie auch die Taktik verstanden, sind doch in der Disziplin nicht als Muster zu betrachten) und in der neueren Zeit von den Preußen und den brittischen Seetruppen vorzüglich ausgeübt wurde; sie lehrt mannigfältige Mittel, durch welche Armeen gegen doppelt und dreyfach stärkere mit Vortheil fechten können; sie lehrt jene Heerkörper formiren, bey deren Angriff der größte Theil der feindlichen Schaaren unthätig bleiben muß, wo der Flügel einer Armee mit Gewalt durch den Choc zum Weichen gebracht, auf den ruhigen Mittelpunkt geworfen wird, und hier alles wie ein Strom mit fortreißt, wodurch denn alle Vortheile von Übermacht und Wuth vernichtet werden, und der Sieg gleichsam erzwungen wird; sie lehrt zahllose Mittel, dem Feind die Subsistenz zu erschweren, ihn wider Willen zu Stellungen zu nöthigen, wo er, zwischen Strömen, Wäldern, Hohlwegen und Morästen eingesperrt, von Flüssen und Bedürfnissen abgeschnitten wird. Kurz, sie lehrt, sich unaufhörliche Hilfsmittel zu verschaffen, alle sich ereignende Kriegshindernisse zu überwinden, und dem Feind ohne Unterlaß neue zu erzeugen. – Viele griechische und römische Feldherren verstanden diese Kunst in einem hohen Grad; daher ihre Siege über die streitbaren Völker der Vorwelt, die an Kriegsmuthe ihren Schaaren gleich, an körperlicher Stärke oder Anzahl aber ihnen so sehr überlegen waren. Im mittleren Zeitalter wußte man zwar auf Schlachtfeldern zu morden, aber die Taktik kannte man so wenig, wie alle anderen Künste. Mit diesen zugleich stieg sie aus dem Schutt empor, große Heerführer studierten sie, und übten sie glücklich aus. Friedrichs und Ferdinands Feldzüge liefern dazu den größten Kommentar.

Anmerkung des Übersetzers: Offensichtlich läuft es mit dem Krieg gegen die Türken  gerade nicht so gut.

100 Jahre früher


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