Filme gucken

Ria Novosti weist auf den 66 Jahrestag des Durchbruch der Leningrader Blockade hin. Die Leningrader Blockade, die natürlich kein Holocaust an den Einwohnern Leningrads war, galt immer als besonderer Beleg für die beispiellose Verworfenheit Adolf Hitlers gegenüber den Menschen der Sowjetunion. Daß die Führer der erfolgreichen Verteidigung der Stadt anschliessend von Stalin ermordet wurden, als Dank, sozusagen, das wurde den kleinen Jungpionieren nicht erzählt, die die großartigen Dokumentarserien zum unbekannten Krieg mit Burt Lancaster anstaunten. Warum auch? Eventuell hätte das Fragen aufgeworfen. Ob die Beteiligten an der Belagerung jetzt auch noch intensiv verfolgt werden, wie die inzwischen tatterigen Holocausttäter, wer weiß?

Britische Dokumentation

22 Responses to “Filme gucken”


  1. 1 Prosemit 28. Januar 2010 um 07:16

    Tagebucheintragungen von Victor Klemperer
    13. Januar 42 Dienstag

    Paul Kreidl erzählt – Gerücht, aber von verschiedenen Seiten sehr glaubhaft mitgeteilt – es seien Evakuierte Juden bei Riga2 reihenweis, wie sie den Zug verließen, erschossen worden. Er zittert für eine verheiratete Schwester, in Prag lebend, zum Abtransport vorgemerkt. D’altra parte ist er optimistisch: die russ. Offensive dringe in der Mitte gegen Polen vor. Ich glaube das nicht so recht; heute ist im Heeresbericht wieder von Kämpfen bei Leningrad u. östlich Charkow die Rede, also kann die Mitte nicht gar so weit zurückgedrängt sein. – – Man macht ungeheuer viel her vom Erfolg der Pelzsamlung. Den Juden wurden die Pelz- u. Wollsachen fortgenomen, die Arier mußten sie freiwillig hergeben u. lieferten einige 50 Millionen Stück ab. Das komme einer Volksabstimmung gleich, bezeuge die unerschütterliche Verbundenheit von Volk u. Heer, Volk u. Führer etc. etc. –

  2. 2 Prosemit 28. Januar 2010 um 07:22

    Noch einmal ein paar Splitter zu Leningrad

    8. Juli 1941
    In der Nacht britische Luftangriffe auf Köln und Münster.

    Am Mittelabschnitt der finnischen Front wird Salla gestürmt.

    Hitler erklärt bei der »Lagebesprechung« seine Absicht, »Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten«. Die Städte sollen durch die Luftwaffe vernichtet werden.

    15. September 1941
    Im Angriff auf Leningrad dringt die 18. Armee in Uritzk bis an die Straße Leningrad-Peterhof vor. Das OKW meldet lediglich: »Im Osten sind große Angriffsoperationen in erfolgreichem Fortschreiten.«

    Admiral Canaris protestiert beim OKW gegen die schlechte Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener. Keitel lehnt ab: »Hier handelt es sich um die Vernichtung einer Weltanschauung!«

    24. Januar 1944
    Bei der 18. Armee der Heeresgruppe Nord bahnt sich eine schwere Krise an, die zur Aufgabe des Frontbogens bei Mga zwingt. Hierzu heißt es im Bericht des OKW: »Nördlich des Ilmen-Sees und südwestlich Leningrad stehen unsere Truppen in schwerem Abwehrkampf … Südöstlich Leningrad räumten unsere Truppen, vom Feind ungehindert, einen vorspringenden Frontbogen.« Damit wird der noch wenige Tage zuvor von Hitler untersagte Rückzug auf die Luga- Stellung eingeleitet.

  3. 3 netzwerkrecherche 28. Januar 2010 um 07:54

    Unser Proletenführer Kolja Bolwan sagte einst die in Parteiorganen immer wieder zitierten Worte zu dem, was Leningrad ausmacht: „Там, где революция начинается, она также оканчивается.“

  4. 4 netzwerkrecherche 28. Januar 2010 um 08:09

    Hitler erklärt bei der »Lagebesprechung« seine Absicht, »Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten«. Die Städte sollen durch die Luftwaffe vernichtet werden.

    Na das ist ja mal neu und spektakulär, der Führer höchstpersönlich ordnet die Ausradierung der sowjetischen Städte durch seine legendäre Göring-Airforce an. Gibt es für diese bombastische Argumentationsgrundlage (als Vorsorge wurden dann verdientermaßen deutsche Städte ausradiert oder die Wilhelm-Gustloff versenkt) sowie für die Äußerung „um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten“, eigentlich eine vertrauenswürdige Quelle? Ich meine nicht den Unteroffizier Maier, der nach 45 mit zerquetschten Hoden herumlaufen mußte, und auch nicht unseren Proletenführer Kolja Bolwan.

  5. 5 Prosemit 28. Januar 2010 um 08:21

    Wenn man die Protokolle der Lagebesprechungen als Quelle nehmen will.

    Ansonsten :

    Halder – Kriegstagebuch Band 3 Seite 53 (8. Juli 1941)

  6. 6 Prosemit 28. Januar 2010 um 08:27

    http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2001_3.pdf

    und hier den Aufsatz von Johannes Hürter mit weiteren Quellen.

  7. 7 netzwerkrecherche 28. Januar 2010 um 08:34

    Ach prima, da ist es ja:

    http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/F%C3%BCnfundsechzigster+Tag.+Freitag,+22.+Februar+1946/Vormittagssitzung

    STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Wir werden beweisen, daß diese vorsätzlichen Zerstörungen in Übereinstimmung mit den sorgfältig ausgearbeiteten Plänen der Hitler-Regierung und des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht durchgeführt wurden. Wir werden ebenfalls beweisen, daß die Zerstörungen der Städte und Dörfer, der Industrie und des Transportwesens einen integrierenden Bestandteil der Verschwörung bildeten, die zur Versklavung der europäischen und anderer Länder und zur Errichtung der Weltherrschaft Hitler-Deutschlands führen sollte.

    Überall, wo die deutsch-faschistischen Eindringlinge aufgetreten sind, haben sie Tod und Zerstörung mit sich gebracht. Die wertvollsten von der schöpferischen Kraft des Menschen geschaffenen Maschinen gingen im Feuer der Brände zugrunde. Betriebe und Wohnhäuser, die Millionen Menschen Arbeit und Obdach gaben, wurden in die Luft gesprengt.

    Selbst die Menschen, besonders Greise, Frauen und Kinder, die obdach- und mittellos blieben, gingen zugrunde. Mit besonderer Grausamkeit vernichteten die Hitleristen Städte und Dörfer in den von ihnen zeitweilig besetzten Gebieten der USSR, wo sie nach den unmittelbaren Anweisungen des Oberkommandos der Wehrmacht eine »Wüstenzone« schafften.

    Und sie haben ihn bewiesen, den hitlerischen Fackelmännerbefehl. Nur über Katyn legten die Westalliierten denn doch lieber den Mantel des Schweigens, auch wenn die Sowjets Geständnisse, Zeugen und Sachbeweise des deutschen Vernichtungswillens en masse vorlegen konnten.

  8. 8 netzwerkrecherche 28. Januar 2010 um 09:01

    Echte Protokolle der Lagebesprechungen wären sicherlich hilfreich und der Abgleich mit dem, was Halder in seinem Tagebuch schreibt. Ich bezweifle genau diese logische Zusammenreihung als Zitat:

    „….Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten….“

    Hürter stellt ja gerade fest, daß die Hungerblockade als Möglichkeit für die befestigten Großstädte gewählt wurde, um die Bevölkerung als Besatzungsmacht nicht durchfüttern zu müssen und sich der Verantwortung zu entziehen. Es wurde in einigen Kreisen auch die Option überlegt, die Bevölkerung nach Besatzung zu vertreiben.

    Was Halder noch so Seltsames kriegstagebuchte, findet man hier:
    http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1972_2.pdf

    Grund genug, sich mal den Herrn Generaloberst näher anzusehen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Halder

    Nachtijall, ick hör dir tapsen!

  9. 9 netzwerkrecherche 28. Januar 2010 um 09:17

    @karl eduard
    Hmm, kritisch?

  10. 10 Karl Eduard 28. Januar 2010 um 10:21

    Links bleiben hängen.

  11. 11 Prosemit 28. Januar 2010 um 10:47

    Echte Protokolle der Lagebesprechungen wären sicherlich hilfreich und der Abgleich mit dem, was Halder in seinem Tagebuch schreibt.

    Ich habe Offline Material zu Hause und werde heute Abend mehr posten – wenn ich es finde…

  12. 12 Karl Eduard 28. Januar 2010 um 11:16

    Wenn Du findest, mach ruhig.

  13. 13 Prosemit 28. Januar 2010 um 11:22

    Karl Eduard 28. Januar 2010 um 11:16

    Wenn Du findest, mach ruhig.

    Ich schrieb früher einmal, wie meine Onlinn Sachen indiziert sind. Da finde ich das meiste relativ schnell. ( dtsearch – immer noch das Beste füer Terabyte Mengen)

    Offline weiss ich zwar, wo welche Bücher stehen. „Ein Wunder, meint meine Familie…“ aber ich muss blättern. Und dann tippen, was ich sehr ungern mache. Zwar mit ZehnFingerBlind, aber lästig.

  14. 14 Karl Eduard 28. Januar 2010 um 11:25

    Ich weiß, ich nehm nur einen. Finger. Wenn nicht, aber dann nicht.

  15. 15 netzwerkrecherche 28. Januar 2010 um 13:10

    Ja, das Protokoll wäre interressant. Aber bitte keines, das von den Sowjets „sichergestellt“ und ein Jahr später mit großem Faschismus-Brimborium der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

    Man sagt, der Herr Führer wäre zwar kein Goldengelchen, aber auch nicht der lüsterne Blutsäufer, sondern ein kaltblütiger Pragmatiker gewesen. Bei derartigen Floskeln wie oben, die so richtig schön den mörderischen Hollywood-Tyrannen raushängen lassen, könnte man stutzen. Ähnlich wie bei natürlich unbezweifelbaren Wikipedia-Behauptungen bzgl. Halder:

    „Während seiner Haft wurde er kurz vor Kriegsende in das KZ Dachau verlegt und von dort aus mit anderen sogenannten Sonderhäftlingen, darunter Mitgliedern der Familie Stauffenberg, von der SS in der Absicht nach Südtirol verschleppt, diese Gruppe zu beseitigen.“

    Seltsam, daß die SS sich im Frühjahr 1945 bei Alpenüberquerungen mit Gefangenen abschleppte, die sowieso ermordet werden sollten. Mußten die sich in Südtirol erst einen Patronengurt abholen oder wohnte dort der für die Dachauer Gefangenen zuständige Henker?

    Aber warum soll man dumme Fragen stellen, das bringt bloß Ärger. Also bekräftige ich hiermit, daß ich alles glaube, was zu glauben man mir ans Herz legt! Amen.

  16. 16 Prosemit 28. Januar 2010 um 17:11

    Ich muss vorausschicken, dass der zweite Weltkrieg nicht mein „Spezialgebiet“ ist, ich bin in der Zeit vor 1919 fitter.

    In der Schnelle habe ich aber das aus den Aufzeichnungen des Oberkommandos gefunden. Die sind sicher nicht frisiert 😉

    Eintrag zum 8. Juli 1941
    Es ist eine Zusammenfassung der Lage, kein Wortprotokoll, das mir nicht vorliegt.

    „Führer umreisst seine Gesamtauffassung der großen Lage:

    Heeresgruppe Nord wird voraussichtlich mit ihren derzeitigen Kräften ihren Auftrag, nach Leningrad vorzustoßen, erfüllen konnen.

    Bei Heeresgruppe Mitte entsteht die Frage, ob sie auf Moskau vorstoßen oder mit ihren starken Teilen hinter dem Pripjet nach Süden einschwenken soil. Führer betont grundsatzlich, daß er Moskau und Leningrad dem Erdboden gleich machen wolle.

    Dies konne aber mit der Luftwaffe(*) eingeleitet werden und brauche nicht die Erdoperationen zu beeinflussen. Im ganzen müsse Heeresgruppe Mitte noch erheblich Raum nach Osten in Richtung Moskau gewinnen, um auf alle Falle gegenüber Mos=
    kau Starke Sicherungskrafte stehen zu haben, falls Teile nach Süden eindrehen. Entscheidung betr. Heeresgruppe Mitte heute also noch nicht erforderlich.“

    (*) Für Leningrad war die Luftflotte 1 vorgesehen. Ich weiss leider wenig über diese Luftflotte.

    Wenn ich mehr finde, kommt es noch.

  17. 17 Prosemit 28. Januar 2010 um 17:18

    Und von Generalfeldmarschall Keitel :

    Moskau muss wie Leningrad nicht angegriffen, sondern durch eingekreist und durch aushungern vernichtet werden. Dies sei wichtig, da Leningrad ein Symbol des Bolschewismus sei und mit dem Fall dieses Symbols die russische Moral etc… (Zusammenfassung von mir)

    28. Juli 1941

  18. 18 netzwerkrecherche 29. Januar 2010 um 08:08

    Man müßte wohl meinen, daß selbst ein Wortprotokoll „frisiert“ worden wäre, wenn der Herr Führer Adolf mit dem Pferdefuß gestampft und gezischelt hätte:

    »Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten«

    Untypisch für ihn ist die Floskel des Erdbodens und der danach folgende Zynismus. Eher sowjetischer Duktus.

    Die Kriegstagebuchungen Halders sind eine Zuspitzung dessen, was Hürter schreibt (letzteres ist glaubwürdig). Scheint mir bald, Halder habe sein Tagebuch genommen und nach dem Krieg ausgeschmückt/ergänzt und veröffentlicht, wobei er den Herrn Führer aufgrund dessen Führungslosigkeit nicht mehr wohlwollend bedenken mußte. Sie sind nach Halders Lebenslauf jedenfalls mit Vorsicht zu genießen.

  19. 19 Schwarzmaler 29. Januar 2010 um 13:29

    Umgekehrt wäre das Nichtaufgeben, das Halten der Stadt gegen jede Vernunft, das Inkaufnehmen der Hungersnot der eigenen Bevölkerung als Verbrechen dargstellt worden. Immer wieder schön, wie neutral Geschichtsverständnis sein kann.

  20. 20 gregorhecker 30. Januar 2010 um 08:31

    Das Ganze ist doch einfacher als man denkt. Man fährt nach St.Petersburg und redet mit den Menschen, die die Blockade überlebt haben. Was wird man dann diesen Menschen sagen? Dass es kein Holocaust war, oder dass es dafür keine Quellen gibt? Dass die Deutschen eigentlich ganz liebe Menschen waren? Darum geht es eigentlich in der Geschichte, dass man ein Gewissen braucht, um in einer solchen Situation als Deutscher würdevoll in St.Petersburg Menschen in die Augen schauen zu können. Alles Geschichte, wie z.B. „mit zerquetschten Hoden“ ist darum nutzlos, weil es eine Jammergeschichte für ein Kellerloch ist.

  21. 21 Karl Eduard 30. Januar 2010 um 09:36

    Es geht darum, daß der prächtige Stalin, der Vater der Völker der Sowjetunion, in dessen Armee auch der Gregor Hecker in „Ich war 19“ kämpfte, die Organisatoren der Verteidigung Leningrads umbringen liess und daß er dennoch kein schlechter Kerl war, jedenfalls nicht für das linkssozialistische deutsche Gesindel.

  22. 22 gregorhecker 30. Januar 2010 um 16:23

    Nun wollen Sie die Opfer eines politischen Verbrechens, die Leningrader Kommunisten verhöhnen, indem Sie sie als „Gesindel“ bezeichnen. Oder gilt die Bezeichnung „Gesindel“ nur für Deutsche und nicht für linkssozialistische Russen?


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