Archiv für 1. Februar 2010

Feuchtgebiete

Daß sich Anne Frank in ihrem kurzen Leben, beim Schreiben ihres Tagebuchs,  nicht mit den Eltern der Kinder abgesprochen hat, die das eines Tages lesen müssen, weil es zur Pflichtliteratur gehört, das ist schon ein starkes Stück. Noch empörender ist aber dieser eingeschmuggelte Satz:

Wenn ich auf dem WC bin, schaue ich manchmal nach, und dann sehe ich ganz genau, dass der Urin aus einem Loch in der Vagina kommt, aber oben ist noch ein Ding, da ist auch ein Loch drin, aber ich weiß nicht, wozu das dient.

Der bisher in allen Buchausgaben fehlte, was uns schon immer ahnen liess, ist Anne Frank vielleicht nur eine Kunstfigur, die ihrem Tagebuch nur anvertraut, was unschuldige Kinderaugen auch zu lesen bereit sind? Oder kritische Eltern, die den Klapperstorch propagieren. So wie ja auch die Grimms verschwiegen, daß, in glühend heissen Pantoffeln zu tanzen oder im Backofen lebendigen Leibes zu verbrennen, nicht wirklich etwas mit Wellness zu tun hat.

Eine Welt, die nach den literarischen Werken einer Chalotte Roche geradezu geifert, hat es sich schliesslich verdient, auch über das letzte Detail im Leben des toten jüdischen Mädchens Bescheid zu wissen. Nur so können wir das Furchtbare an dem ermessen, was ihr noch nach dem Tode durch wohlmeinende Angehörige angetan wird. Ich glaube, Anne Frank wäre begeistert.

Immer auf der Suche

Schnäppchenjagd in Haiti

Wer jetzt kein Kind geholt, der holt sich keines mehr. So, oder so ähnlich spricht schon der Dichter und die fetten Jahre scheinen vorbei, da Kinderhändler, nur vom Wunsch getrieben, Leid zu lindern, jedes kleine Voodoobalg in den Bus zum Flieger schleppen konnten, um es dann, bei Ebay, oder auf dem Wochenmarkt einem nachfragefreudigen Publikum anzubieten. Zwei zum Preis für eines. Was man da sparen kann! Jetzt, da klar ist, daß das merkelgemachte Erdbeben ein Anschlag der amerikanischen Adoptionsindustrie ist, wenden sich nun endlich auch Qualitätsmedien diesem Thema zu, die zuvor inmitten aufgebrachter Haitianer stehen mussten, um zu berichten, daß den Haitianern immer noch niemand die Trümmer wegräumt. Was für eine Schande!

Edel und gut

Schüsse in die Beine

Was für Yuppieschweine manchem Berliner Recht ist, muss bei anderen Zielpersonen nicht immer billig sein. Wie immer, wenn Frauen involviert sind, schlägt in uns das mitfühlende Herz und wir verzichten auf solch journalistisch-investigative Fragen wie, hat sie denn auch alle Dialogversuche unternommen, die möglich waren? Hat sie den, der mit der Waffe auf sie zielte, vielleicht erst durch ihre Anwesenheit provoziert? (Sehr wichtig!) Sind ein paar zertrümmerte Einrichtungsgegenstände und blaue Flecken es wert, dafür die Beendigung eines wertvollen Lebens in Kauf zu nehmen? (Noch viel tiefgründiger!)  Musste die Sonntagsruhe durch Schüsse gestört werden, wo die Menschen doch schlafen wollen oder gemütlich mit ihrem Hunde am Kaffeetisch sitzen? (Das ist doch der entscheidende Punkt!)  Was ist mit den spielenden Kindern auf der Straße, von denen wir ausgehen müssen, daß sie hätten ja da sein können? (Aber mit Sicherheit!) Und zuallerletzt, war das wirklich nötig? Wild in der Gegend herumzuballern?

Aber wie gesagt, weil eine Polizistin dieses mal die Amokschützin war, verzichten wir darauf, wie auch DER TAGESSPIEGEL. Und wir tun Recht daran.

Hingemetzelt von Polizeikugeln

Ein wertvolles Leben einfach ausgelöscht. Wie lange noch? Aber wenigstens gibt es nun neue Uniformen.

Einerseits und andererseits

Nach einem Brandanschlag auf das Haus der Demokratie in Zossen, verspricht Innenminister Rainer Speer Unglaubliches:

Jeder könne sich auch künftig darauf verlassen, dass in Brandenburg mit aller Konsequenz gegen extremistische Gewalt vorgegangen werde.

Die Betroffenen des Brandanschlages – die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ und der Verein „Bildung und Aufklärung Zossen“ kündigten an, ihr Engagement für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu verstärken.

Und distanzierten sich damit zugleich vom SPD-Mann. Natürlich habe man keineswegs vor, gegen alle Formen extremistischer Gewalt zu kämpfen. Schliesslich wolle man sich ja nicht verzetteln und Geld würde es dafür auch nicht geben. Was wir sehr gut verstehen können.

Wir sind betroffen


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