Feuchtgebiete

Daß sich Anne Frank in ihrem kurzen Leben, beim Schreiben ihres Tagebuchs,  nicht mit den Eltern der Kinder abgesprochen hat, die das eines Tages lesen müssen, weil es zur Pflichtliteratur gehört, das ist schon ein starkes Stück. Noch empörender ist aber dieser eingeschmuggelte Satz:

Wenn ich auf dem WC bin, schaue ich manchmal nach, und dann sehe ich ganz genau, dass der Urin aus einem Loch in der Vagina kommt, aber oben ist noch ein Ding, da ist auch ein Loch drin, aber ich weiß nicht, wozu das dient.

Der bisher in allen Buchausgaben fehlte, was uns schon immer ahnen liess, ist Anne Frank vielleicht nur eine Kunstfigur, die ihrem Tagebuch nur anvertraut, was unschuldige Kinderaugen auch zu lesen bereit sind? Oder kritische Eltern, die den Klapperstorch propagieren. So wie ja auch die Grimms verschwiegen, daß, in glühend heissen Pantoffeln zu tanzen oder im Backofen lebendigen Leibes zu verbrennen, nicht wirklich etwas mit Wellness zu tun hat.

Eine Welt, die nach den literarischen Werken einer Chalotte Roche geradezu geifert, hat es sich schliesslich verdient, auch über das letzte Detail im Leben des toten jüdischen Mädchens Bescheid zu wissen. Nur so können wir das Furchtbare an dem ermessen, was ihr noch nach dem Tode durch wohlmeinende Angehörige angetan wird. Ich glaube, Anne Frank wäre begeistert.

Immer auf der Suche

4 Responses to “Feuchtgebiete”


  1. 1 Prosemit 1. Februar 2010 um 07:09

    Ich will mich zu anderen Feuchtgebieten äussern.

    Spurensuche …

    Ein Artikel aus dem englischen Guardian. Es geht um Global Warming. Und ein eindringliches Photo.

    http://www.guardian.co.uk/world/2010/jan/31/pentagon-ranks-global-warming-destabilising-force

    „Das Pentagon betrachtet Global Warming als destabilisierende Grösse“ – na ja…

    Nein, es geht um das Photo, das eindrücklich zeigt, wie der menschengemachte Klimawandel die Erde zu heissen Wüsten macht. Okay, vielleicht nicht zur Zeit in Deutschland, aber überall sonst.

    Google ist schon eine tolle Sache. Das Photo zeigt angeblich das ausgetrocknete Reservoir des Lam Takhong Dam in Thailand. Man google einfach nach „Lam Takhong Dam“ und betrachte die Bilder oder lese den thailändischen Tourismusführer. Bild und Realität divergieren offensichtlich. Die, die solche „Horrorbilder“ verwenden, kennen scheinbar Google nicht. Ein thailändischer Blogger machte darauf aufmerksam, das das Bild HINTER dem neuen Damm aufgenommen wurde, das Wasser wird davor gestaut, natürlich ist es jetzt dort trocken, aber das hat mit der menschengmachten Klimakatastrophe so viel zu tun wie Merkel mit intelligenter Politik.

  2. 2 Ernie Souchak 1. Februar 2010 um 16:05

    Die zitierte Passage ist für das Verständnis des Gesamtwerks unerlässlich. Die zeitgenössische Darstellung dieser schrecklichen Zeit ist zwangsläufig nur vor dem Hintergrund dieser zentralen Zeilen zu verstehen. Millionen Menschen, die die zensierte Ausgabe gelesen haben, wurden um die tiefere Bedeutung des Tagebuchs gebracht.

    Franks Tagebuch ist als prophetische Vorwegname von Roches „Meisterwerk“ zu verstehen. Natürlich ist es das Vorrecht der Herausgeber posthum ein Familienmitglied zu prostituieren. Ich stimme dir vollkommen zu, Anne hätte sicherlich gewollt, ihre privatesten Gedanken einer geifernden Öffentlichkeit zu präsentieren.

    Diese schlimmen rückwärtsgewandten Puritaner. Völlig unverständlich, dass sie diese Passage zensieren wollen. Der moderne Mensch hat sich schließlich an jeder Schlüpfrigkeit zu ergötzen, gerade wenn sie von einem pubertierenden Mädchen in ein privates Tagebuch geschrieben wurde.

  3. 3 Karl Eduard 1. Februar 2010 um 18:35

    Stimmt. Das Private muss öffentlich gemacht werden.

  4. 4 go1331 2. Februar 2010 um 17:57

    naja, toll is anders. wo die satire? wo der zynismus?
    wenn anne meine tochter wär, gäbs aufs maul.
    aber wo keine eltern, da keine ehrenmorde…


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