Für keine Handvoll Dollar mehr

Wie das Leben so spielt, berichtet im tempörären Auftritt auf seiner Internetseite der Nordkurier. Dort lehnte ein HARTZ-IV-Einzelfall, den die Zeitung Falko M. nennt, wobei sie darauf hinweist, auch M. ist nicht sein wahrer Name, einen Job an der Tankstelle ab, der ihm lediglich 160 € mehr Geld über seinem derzeitigen HARTZ IV-Einkommen verschafft hätte, ein Minijob, der aber so mini war, daß Falko M. ihn verachtete, denn seine Träume fliegen weit höher, als sich die Verwalter der Arbeitslosigkeit des Falko M. es je träumen liessen.

Fünf Euro netto pro Stunde, das sei ein Hungerlohn, „eine Riesenfrechheit „, findet Falko M. (Name geändert). Den Vermittlungsvorschlag des Vier-Tore-Job-Service will der 36-jährige Neubrandenburger, der auf Hartz IV angewiesen ist, deshalb nicht annehmen. … Falko M., der gelernter Heizungsbauer ist, sich aber aus gesundheitlichen Gründen umorientieren müsse, wie er sagt, will es statt des Minijobs lieber als selbstständiger Handelsvertreter für Ökostrom versuchen. Im vergangenen Jahr hat er es schon einmal als Handelsvertreter probiert – ohne Erfolg, er musste aufgeben.

Und das ist natürlich traurig, auch, daß die Gemeinschaft der Arbeitenden ihm nicht länger Geld zubilligt, um sich richtig als Handelsvertreter  auszuprobieren. Traurig ist auch, daß der Tankstellenpächter ihm nur 5 € die Stunde zahlen will, wo doch zuerst der deutsche Staat zu 70 Prozent am Verkauf von Kraftstoffen profitiert, mittels Mineralölsteuer und Ökosteuer, dann die Mineralölkonzerne und ganz hinten in der Nahrungskette der Pächter steht, der sich mit dem Verkauf von Alkohol, Zigarretten und Süßigkeiten über Wasser hält.

Viel trauriger aber ist diese Selbstverständlichkeit, mit der ein Handelsvertreterversager den Anspruch erhebt, von der glücklichen Sozialstaatsmenschengemeinschaft weiter ausgehalten zu werden. Und um dieses unverschämte Anspruchsdenken, fahrt zu Arbeit, pendelt, arbeitet umschichtig, damit ich mich auf eure Kosten zu Höherem qualifizieren kann, als Benzin und Bier zu verkaufen, das ist es, was der Herr Westerwelle gemeint hat. Das Menschenrecht, auf Kosten anderer gut zu leben.

Ein Sender der von anderer Leute Geld lebt

3 Responses to “Für keine Handvoll Dollar mehr”


  1. 1 Prosemit 17. Februar 2010 um 06:27

    Viel trauriger aber ist diese Selbstverständlichkeit, mit der ein Handelsvertreterversager den Anspruch erhebt, von der glücklichen Sozialstaatsmenschengemeinschaft weiter ausgehalten zu werden.

    Dieses Anspruchsdenken ist den Menschen direkt anerzogen worden, von der Gutmenschenindustrie. Früher hätte man sich geschämt, wenn man arbeitslos war und alles daran gesetzt, diesen Zustand zu beenden. Heute darf man stolz darauf sein, von denen alimentiert zu werden, denen das Geld zwangsweise abgepresst wird.

  2. 2 netzwerkrecherche 17. Februar 2010 um 08:13

    Es ist in diesem HartzIV-Milieu regelrechter Volkssport, wer die größte Bauernschläue und Cleverness vorweist, Nebeneinkünfte zu verschweigen und sein Umfeld so einzurichten, daß man möglichst viel Alimentierung erhält. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Ihr gutes Recht, jeder sucht sich eine Nische, um möglichst einfach möglichst viel Geld zu erhalten. Aber ein Potential, das besser dort aufgehoben wäre, wo man die besten Leistungen und den größten Fleiß aufbietet, um finanziell erfolgreich zu sein.

    Wieso sollte ein Mensch etwa nicht nur 3 Euro/h erhalten, wenn er der Gesellschaft nicht mehr Wert ist? Wer sich darüber aufregt, mag diese Armen privat bezuschussen. So könnte man Falko M., angesichts seines Elends, für ein paar Groschen den Garten harken oder die Wohnung putzen lassen, ließe der Staat den Werktätigen nur mehr ihrer Steuern. So müssen die ausgeplünderten, gut und teuer Ausgebildeten diese „niederen Tätigkeiten“ selbst machen und können nicht vollumfänglich der hochtechnologischen Gesellschaft dienen, während die als Putzfrauen und Tankwärter Qualifizierten per HartzIV durchgefüttert oder aus dem Ausland importiert werden.

    Einen Monat lang 5 Euro die Stunde zu erhalten bedeutet, bei einem 8-h-Tag im Monat 800 Euro in der Tasche zu haben. Nicht viel, aber ein Anfang. Es reicht zumindest zum Leben und um nebenbei Weiterbildungsmaßnahmen ergreifen zu können. (Mit Weiterbildungsmaßnahme meine ich allerdings nicht das allabendliche Fernsehglotzen, auch wenn das zur Menschenwürde gehört.) Auch die Ausstattung eines Handelsvertreters wäre damit für eine Zeit lang finanziert: Handy, Aktenkoffer, Schlips und Sonnenbrille.

  3. 3 Friederich 17. Februar 2010 um 09:24

    Der Mann gehört eindeutig zu den Guten. Er hat das Zauberwort gesagt. Nein, nicht »bitte« oder »danke«, sondern »ÖKOSTROM«!

    Was die Mineralölsteuer angeht: Besonders witzig finde ich ja immer, daß die Mehrwertsteuer beim Sprit nicht auf den Warenwert berechnet wird, sondern auf die Summe aus Ware, Öko- und Mineralölsteuer, daß also das Steuernzahlen besteuert wird. Früher gab es mal im bürgerlichen Recht den Begriff der Sittenwidrigkeit. Gibt es den eigentlich noch? Und warum findet sich unter all diesen täglich tankenden Anwälten keiner, der gegen die Besteuerung des Steuernzahlens wg. Sittenwidrigkeit klagt?


Comments are currently closed.



Blog Stats

  • 2.270.947 hits

Archiv


%d Bloggern gefällt das: