Archiv für 19. Februar 2010

Die schönste Jungfrau

Eines der Lieder, das eine längst verstorbene Großmutter ihren Enkeln vorsang, über ein schönes Mädchen, das die Wacht am Rhein hält und zusieht, wie unten die Leute absaufen.  Natürlich hört sich das in der Version von Dschingis Khan viel besser an. Und wo gibt es heute noch Jungfrauen am Rhein, die sich lange goldene Haare kämmen, wo die doch unters Kopftuch gehören. Mindestens! Alleine und ohne Brüder, Onkel oder Väter, die mit ihren Messern über die Ehre der Schönen wachen, weil sie selber keine haben. Gut, daß die Schiffer alle vorher ertrinken, sonst müsste dieser Blog von einer Serie ungeklärter Morde am Loreleyfelsen berichten. Und im Gegensatz zur schnellen Aufklärung des Mordes an Alois Mannichl könnten wir da wohl ewig warten, ehe eine deutsche Zeitung von begreiflicher Erregung der Verwandten schreibt, hervorgerufen, durch die wie hypnotisiert schiffenden Rheinschiffer.

Antifaschismus der Tat

Wer sich schon immer wunderte, wie „Stadtväter“ die Städte verwalten, die immer ärmer, abgerissener und dadurch um so begehrenswerter werden, mit den Grünanlagen umgehen, die jährlich von Horden Hammel grillender Barbaren heimgesucht werden oder von einer Horde junger Leute, während so genannter Paraden, und fassungslos den Kopf schüttelte, der sollte sich schnell bei seinem ANTIFA-Beauftragten des Wohngebietes melden, um sich eine ideologische Schulung verpassen zu lassen. Grünanlagen zu verwüsten ist nämlich, wir haben es geahnt, Antifaschismus der Tat. Im ZEITUNGSZEUGEN, der besonders interessant ist, weil alles auf den Polenkrieg zusteuert, von dem wir wissen, daß er kommen wird, steht folgender Artikel, der erklärt, warum Autobahn gar nicht geht, so wie die Unterstützung der Familie oder das Ablatschen der Rasenkanten. Davor verblasst der Volksentscheid der Deutschen in Danzig völlig, die fordern, sie wollen heim ins Reich, aber schon damals wußten die Demokratien Europas ihre Interessen zu schützen.

Hier der Beweis, für ein noch unaufgearbeitetes Kapitel deutschen Widerstandes gegen ein Regime, das seine politischen Gegner vor Gericht stellte und Bevölkerungsgruppen nach Rasse, Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Weltanschauung unterschiedlich behandelte.

Nicht auf den Rasen treten!

Wer Kanten abtritt, wird bestraft.

Die zahlreichen Grünanlagen und Rasenplätze Berlins pflegten bisher mit einem niedrigen eisernen Stolpergitter versehen zu sein. Das war einmal! Der Vierjahresplan hatte eine bessere Verwendung für die übrigens nicht immer schönen Eisengitter. Sie wurden entfernt, und einige tausend Tonnen Eisen konnten der Verschrottung zugeführt werden. Man konnte allerdings nur diese Befreiung der Rasenplätze von den häßlichen Gittern in der festen Voraussicht vornehmen, daß die Berliner Bevölkerung ihrerseits nun auch ohne Gitter den Grünanlagen eine verständnisvolle Schonung entgegenbringen würde. Und wie ist es wirklich?

Die schönsten Rasenflächen sehen aus wie an den Kanten angenagte Teppiche. Schmale Wege führen wie ausgetretene Wildpfade durch die Grünflächen. Und wo einst dichter, grüner Rasen war, macht sich jetzt blasser märkischer Sand breit. Besonders in letzter Zeit häufen sich die Fälle, daß den Rasenplätzen und Anpflanzungen auf Straßenplätzen schwerer Schaden zugefügt wird. Und zwar zum größten Teil durch Unachtsamkeit.

Dazu wäre folgendes zu bemerken: Die öffentlichen Grünanlagen der Reichshauptstadt sind Volksgut. Mit erheblichen Geldmitteln der Allgemeinheit werden sie hergestellt und dienen ausschließlich der Erholung und der Gesundheit aller Volksgenossen. Jede Beschädigung, gleich ob aus  Gedankenlosigkeit oder Böswilligkeit, ist daher ein Verbrechen gegen die Allgemeinheit und muß schärfstens bekämpft werden.

Es wird die allgemeine Zustimmung finden, daß jetzt die Behörde jedes unbefugte Betreten und Benutzen der Grünanlagen außerhalb der freigegebenen Plätze sowie jede Beschädigung der Anpflanzungen bei Strafe verbietet. Wer jetzt noch dabei erwischt wird, daß er beispielsweise an den Rasenkanten die Kurve zu eng nimmt, wird eine Strafverfügung zu gewärtigen haben. Außerdem werden die Betreffenden ersatzpflichtig gemacht werden. Eltern, die bei Zuwiderhandlungen der Kinder mit entsprechenden Strafen und Schadensersatzforderungen rechnen müssen, handeln im eigenen Interesse, wenn sie in dieser Beziehung ihre Kinder auf ein diszipliniertes  Verhalten aufmerksam machen. Jeder Volksgenosse wird gebeten, die Polizeibeamten und Parkwächter in ihrer Arbeit zu unterstützen. DER ANGRIFF 19. Juni 1939

Jetzt aber wird es endlich Zeit, einer weiteren Opfergruppe in Berlin ein Denkmal zu setzen, dem unbekannten Rasenkantenablatscher, der schon damals seine Verachtung des  Besitzes der Allgemeinheit deutlich zu Schau trug und damit wesentlich zum Sturz des Nazi-Regimes beitrug, in dem er wesentliche Arbeitskräfte zur Wiederherstellung der Grünanlagen band, die sonst in Rüstungsbetrieben oder Konzentrationslagern angestellt gewesen wären. Ihm gilt unser Dank.


Blog Stats

  • 2.156.442 hits

Archiv