Archiv für 25. Februar 2010

Schlimmer als der Tod

Wenn heute 12 oder 14 jährige Deutsche erfahren, daß sie Anne Frank ermordet haben, die Autorin der ersten „Feuchtgebiete“, bis Charlotte Roche das Thema dankbar aufgriff, und mit ihr viele wunderbare Menschen, dann kann so etwas schon aufs Gemüt drücken, wenigstens für die nächsten 5 Minuten. Ja, manche Heranwachsende werden durch derartige Enthüllungen so schwer traumatisiert, daß sie für ein nützliches Leben in der Gesellschaft völlig verloren sind und als Mitglied der JUSO, der Roten Hilfe, einer Gewerkschaft oder einfach als von Sozialhilfe abhängige Autonome ihr weiteres Dasein mit dem Anzünden von Müllcontainern verbringen oder danach, die Flutventile in der Bundesrepublik Deutschland zu suchen, um ihren langgehegten Wunsch, das ganze Land wegzuspülen, in die Tat umzusetzen.

Wie gerufen und als Therapie kommt da ein neuer Film über das Leben und Leiden jüdischer Verfolgter, die als Wiedergutmachung von Deutschen gespielt werden dürfen, eine Prüfung, schlimmer als das Dschungelcamp, ja, sogar noch als der Tod.

Extra für diesen Film wurde bei Leipzig eine polnische Kanalisation des Jahres 1943 nachgebaut, authentisch, so, wie wir uns eine polnische Kanalisation aus unseren Kriegs- und Besatzungsjahren vorstellen, von der aber Herbert Knaup, ein Schauspieler, 53, weiß, daß sie ganz anders war, als er und die anderen, die  verfolgte Juden nachzuahmen versuchen,  sie in der Erinnerung tragen.

„In Wirklichkeit wird es da unten aber noch schlimmer gewesen sein: der Gestank, die Ratten, die ganzen Krankheiten, Ekzeme, Ausschläge. Man kann sich nicht vorstellen, wie schlimm das Leben da unten ist.“ Knaup spielt einen Industriellen, der samt Ehefrau und zwei Kindern wochenlang im unterirdischen Labyrinth haust.

Und fast wäre man geneigt zu rufen, recht geschieht ihm, dem Ausbeuter, der gewiß vor dem Kriege eifrige Geschäfte mit den Nazis machte, polnische, ehrliche Arbeiter über den Löffel balbierte und nun, selber betroffen von Elend und Verzweiflung, an die edlen Gefühle von uns Heutigen appelliert, obwohl wir genau wissen, wohin die Geschichte führen wird, nämlich in die Flüchtlingslager von Sabra und Schatila und dahin, daß fleissige und friedliche Palästinenser von unmenschlichen Sperranlagen daran gehindert werden, ihren Sprengstoffgürtel in jüdischen Bäckereien zur Explosion zu bringen. Kann das der polnische Gelegenheitsdieb, wie die Zeitung schreibt, gewollt haben, als er seine menschliche Beute in der Kanalisation deponierte, wo sie dann das Kriegsende überstand? Man weiß es nicht.

Wissen wird man aber, daß diese Kanalisations-Big-Brother-Show, in der gecastete Menschen vorgeben, um ihr Überleben zu kämpfen, der Fernsehknüller werden wird, weiß man doch, wen das Publikum einmal rausgewählt hat, der fällt den Nazis in die Hände und ist für immer verloren. Freuen wir uns darauf.

Unfassbar

Während woanders deutsche Schauspieler gezwungen werden, in polnischen Kanalisationen hocken, die viel schlimmer sind, als der Tod,  üben hier ihre Häscher das spritzerlose Eintauchen. Darf diese Gedankenlosigkeit straflos bleiben? Ich sage nein!

 


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