Archiv für 19. März 2010

Luftangriff auf Helgoland

titelt das HAMBURGER FREMDENBLATT vom 4. Dezember 1939, das dem ZEITUNGSZEUGEN beiliegt, dessen Thema der russisch-finnische Krieg ist. Wir wissen ja, wenn die Sowjetunion, Hort und Hoffnung der Freiheit liebenden Völker, in jener und der kommenden Zeit, präventiv mit der Roten Armee in Nachbarstaaten einrückt, weil deren Regierungen die bescheidenen Wünsche der sowjetischen Völker brüsk zurückweisen, dann ist das völlig etwas anderes, als wenn das deutsche Volk, vertreten durch Adolf Hitler, es tut. Der Kommentator schreibt:

… Die Baltenstaaten haben klugerweise den Weg der Verständigung mit der Sowjetunion gewählt. Finnland hat den Weg eines ebenso heroischen wie nutzlosen Widerstandes gewählt, weil es den agitatiorischen Einflüsterungen der Westmächte unter Führung Englands und Amerikas erlegen ist. Heute blutet es auf Grund der gleichen Ursachen , die auch Polen in das Elend gestürzt haben. …

Die keinesfalls darin liegen, daß sich ein mächtiger Staat nimmt, weil er glaubt, er kann es sich nehmen. Japan führt zu diesem Zeitpunkt übrigens immer noch Krieg in China, was es auch schon vor 1939 getan hat, trotz schwerer und gewichtiger Worte des Völkerbundes.

Beim Luftangriff englischer Bombenflugzeuge auf Helgoland wurde ein Fischlogger getroffen, schreibt das Blatt, während sich der deutsche Passagierdampfer „Watussi“ selbst versenkte. Und in 20 Tagen ist Heiligabend.

Der deutsche Passagierdampfer „Watussi“ ist am Sonnabend auf der Höhe des Kap der guten Hoffnung von seiner Besatzung durch Anbohren versenkt worden, nachdem er von südafrikanischen Bombenflugzeugen entdeckt worden war. Die Bombenflugzeuge hatten dem Kapitän des Dampfers Anweisung erteilt, den Hafen von Simonstown anzulaufen. Der Kapitän lehnte jedoch ab und zog es vor, sein Schiff durch anbohren zu versenken.

Das SONNTAGSBLATT STAATS-ZEITUNG und HEROLD übernimmt die Meldung:

Lissabon, Portugal, 9. Dez. – Fünfundzwanzig deutsche Staatsangehörige, die im Militäralter waren, wurden unweit hier vor der Küste von einem britischen Kriegsschiff von dem portugiesischen Dampfer „Carvalho Araujo“ heruntergeholt und gefangen gesetzt. Sie befanden sich auf der Heimkehr von den Azoren.

Wer jetzt, 1939, schon alle Geschenke fürs Weihnachtsfest hat, der kann sich auf 1940 freuen, denn da gibt es den tollen Katalog, den der ehrenwerte  Kommentator Prosemit bereitstellte, und was schenken wir unseren Kindern? Ein Killerspiel, das so realistisch* ist, daß alle folgenden Amokläufe in Amerika auf dessen verderblichen Einfluß zurückgehen müssen. Sagen deutsche Töpfchenpsychologen. Und wo sie Recht haben, da haben sie Recht.

*Die kindliche Phantasie, die früher ausreichte, sich heranjagende Flugzeuge vorzustellen, um sie dann mit hochwirksamen Gummipfeilen treffgenau vom Himmel zu holen, hat sich heute allerdings in die Redaktionsstuben deutscher Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten verkrümelt, aus denen sie auch nicht mehr ausziehen wird.


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