Entgittert und vorgestorben

Altes vom ZEITUNGSZEUGEN: Vor einiger Zeit waren die gußeisernen Umfriedungen in der Reichshauptstadt Berlin dran, die den Eisenhunger des Nationalsozialismus stillen mussten, nun trifft es auch die Privaten. Gängelungen, bis hinein in den Vorgarten und ein Schelm, wer da an die Glühlampenverordnung der EU denkt. Die führt einen anderen Krieg, nämlich den, zur Rettung des Klimas und da wird doch wohl kein Patriot zurückstehen! Gib doppelt! Fordert das NSW und man kann sich die langen Gesichter der Bevölkerung vorstellen, die seit 1933 regelmäßig von Sammlertrupps heimgesucht wird, die erwarten, daß man etwas in die Sammelbüchse tut, eine Art Steuer neben den anderen Steuern. Und Gelegenheit, seine Zustimmung zum Nationalsozialismus zu zeigen, das müsste unserer Regierung auch noch einfallen, Sammelbüchsenkolonnen ausschicken, von der Antifa oder der GRÜNEN JUGEND, die dann an der Haustür fragen, ob jemand etwa Rechter ist, weil er nur so wenig oder gar nichts gibt. Und ob er die Griechen, Türken oder DIE LINKE etwa verhungern lassen will, man weiß doch, wo sein Auto parkt.

BEILAGE ZUR OSTFRIESISCHE TAGESZEITUNG FÜR DEN STADTKREIS EMDEN, Mittwoch den 15. Mai 1940 Sofort entgittern! Bekanntlich ist vor kurzer Zeit der Aufruf des Generalfeldmarschalls Göring ergangen, die eisernen Einfriedungen sofort zu entfernen. Die Behörden und die Stadtverwaltung haben die notwendigen Maßnahmen getroffen, dieser Anweisung genüge zu leisten. Von den städtischen Häusern und öffentlichen Gebäuden sind die Gitter ja schon im vorigen Jahre größtenteils entfernt worden.

Jetzt ist die Zivilbevölkerung an der Reihe. Bis zum 1. Juni muß der erste Abschnitt der Entgitterung erfolgt sein. Das heißt, wer seine eiserne Einfriedungen an den Vorgärten oder Häusern usw. ohne Kosten für sich entfernt haben möchte, muß dies bis zum 1. Juni getan haben.  In diesen Tagen wird allen Hausbesitzern ein Merkblatt über die Entgitterung zugestellt. Es enthält am Schluß einen abtrennbaren Fragebogen, auf dem mitgeteilt werden soll, wieviel Eisen anfällt und auf welche Weise die Entgitterung erfolgen soll. Es scheint sehr zweckmäßig, diesen Fragebogen sofort wieder zurückzugeben. Wer dazu in der Lage ist, Eisengitter selbst zu entfernen, möge das schnellstens tun. Es scheint in  der Bevölkerung die Ansicht zu bestehen, als ob die Maßnahme wahrscheinlich nicht voll durchgeführt würde.

Über die Notwendigkeit der Entgitterung braucht man nichts mehr zu sagen, ebenso auch darüber nicht, daß Eisen und Stahl heute in verstärktem Maße gebraucht wird. Wer wollte jetzt zurückstehen! Schnelle Entgitterung ist doppelt wertvoll. Darum hinweg mit den Eiseneinfriedungen und eisernen Pforten!

250 Mütter werden geehrt. Arbeitstagung der Ortsgruppenleiter und des Kreistages. … Es wurde dann über die Entgitterung gesprochen. Um den Emder Einwohnern den Einwand zu nehmen, daß erst die behördlichen Gebäude mit der Entgitterung beginnen sollten, sei mitgeteilt, daß die Entfernung der Gitter von allen städtischen und sonstigen behördlichen Gebäuden im Gange ist. Eine Ausnahme wird vorläufig die Einfriedung des Gaswerks bilden, auf die man aus Sicherheitsgründen nicht verzichten kann. – Es wird erwogen, auch dieses Gitter alsbald zu entfernen. …

Und wichtig, auch weil es kontrolliert wird:

3 Antworten to “Entgittert und vorgestorben”


  1. 1 Prosemit 9. April 2010 um 05:53

    Das Dritte Reich war auch das Reich der ständigen Sammlungen, denen man sich nicht entziehen konnte – Ähnlichkeiten zu Heute dürfen bewusst gesucht werden (Feinstaubplakette…)

    Aus den immer lesenswerten tagebüchern von Klemperer, ein Eintrag vom 14.12.1934

    „Ein Appell an die Einwohnerschaft von Dölzschen, lag vor etwa acht Tagen im Briefkasten. Richtet sich stark communistisch gegen die höheren Beamten, die genug getan zu haben glauben, wenn sie die Plakette der Winterhilfe (23 % der Einkomensteuer!(*)) besitzen, die beim Eintopf durch das Dienstmädchen 50 Pf geben lassen, während es aus ihrer Küche nach Gänsebraten riecht, die sich für zu klug u. zu gut halten, um die Versamlungen u. Veranstaltungen der den Staat tragenden N.S.D.A.P. zu besuchen u. wenigstens einzelne Brocken n.s. Weltanschauung in sich aufzunehmen. Dann wurden lobens Exempla pflichttreuen Verhaltens armer Leute gegenübergestellt. Dann hieß es: Das, meine Dölzschener Volksgenossen, sind Opfer! Jenes aber sind klägliche, erbärmliche Almosen! Darum besinnt Euch auf Eure Pflicht gegenüber der Volksgemeinschaft, auf daß der Vorwurf der Volksfremdheit für Euch nicht zur Beschuldigung als Volksschädling werde! Gez. vom Vorsitzenden der Parteiortsgruppe u. dem des Winterhilfswerks dahier.“

    (*) Er schreibt an anderer Stelle, dass die Sammlung häufig gleich vom Gehalt abgebucht wurde und man extra protestieren musste, wenn man nichts „spenden“ wollte – es war aber nicht ratsam.

    Und ein weiterer Beitrag vom Februar 1934, auch interessant wegen der Bemerkung …

    „Sein Schwager *Körner, deutschnational offenbar, berichtete sehr interessant vom Land. Er war bis vor wenigen Wochen Inspector im Mecklenburgischen. Die Regierung forderte und erzwinge ganz genau bestimmte Abgaben für Winterhilfe: soviele so und soviele Centner Kartoffeln bestimmter Größe u. Qualität, sov so und soviele Centner Weizen bestimmten spezifischen Gewichtes. Es sei dies durchaus Moskauer kommunistisches System. Sie zerschlage die großen Güter, schaffe Bauerngüter. Die Städte aber würden auf die Dauer nur von den großen Gütern ernährt, u. dies sei der Fehler des gegenwärtigen Regimes, an dem es einmal zusamenbrechen müsse. (Entsprechend erzählte *Annemarie ein paar Tage zuvor, in den Fabriken sei unter anderem Namen die Gewerkschaft jetzt allmächtiger, der Chef machtloser als zuvor unter der marxistischen Herrschaft. – Der Eindruck verstärkt sich, daß die Regierung immer weiter dem Comunismus zugleitet. Köhler *Kühn sagt, in einer seiner letzten Reden habe *Goebbels kaum noch verhüllt die Gefahr angedeutet, die jeder Revolution von der Übermacht ihres radikalen Flügels drohe. Und eben deßhalb meine er, Kühn, man müsse geradezu hoffen, daß die jetzige Regierung sich halte; denn erliegen könne sie nur ihrem communistischen Flügel.“

    Tagebucheintrag vom 21.Februar 1934

  2. 2 Karl Eduard 9. April 2010 um 06:57

    Volksfremdheit. Welch schöner Begriff.

  3. 3 netzwerkrecherche 9. April 2010 um 07:09

    Die Städte aber würden auf die Dauer nur von den großen Gütern ernährt, u. dies sei der Fehler des gegenwärtigen Regimes, an dem es einmal zusamenbrechen müsse.

    Daran ist es nun gerade nicht zusammengebrochen. Im Gegensatz zum WK 1 konnte durch den gesamten WK 2 hindurch die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung weitgehend gewährleistet werden.

    Zum „Vorsitzenden der Parteiortsgruppe u. dem des Winterhilfswerks dahier“: Gutmenschen. Könnten die Eltern und Großeltern der heutigen PC-Tugendwächter sein, denn der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm.


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