Archiv für 12. April 2010

Kulturhauptstadt Ankara

Überall wird geklaut. In Sachsen-Anhalt Zaunfelder, in Toulouse  Konstruktionszeichnungen des Airbus, keine Ahnung, wer das Gerät nachbauen will, China doch wohl nicht, und in der Kulturhauptstadt Ankara  400 Gemälde aus einem Museum. Und das sind nur die, bei denen man festgestellt hat, daß sie fehlen!

Ich wußte übrigens gar nicht, daß Osmanen gemalt haben! Also, daß sie Zeit dazu hatten, während ihrer Eroberungszüge. Da steigt dann der müde Reiter, erschöpft vom Plündern und Vergewaltigen, vom edlen Roß und stellt sich an die Staffelei, um die Erschlagenen und die mißbrauchten goldhaarigen Maiden, die er vorteilhaft auf dem Sklavenmarkt umzuschlagen gedenkt,  vor feuerdurchlohtem Himmel auf die Leinwand zu bannen. Als Andenken sozusagen. Sind sie also   unterschätzt worden, die Kunstliebhaber.  Einige der wenigen Bilder sind nun wieder aufgetaucht, schreibt der TAGESSPIEGEL. In den Amtszimmern der Behörden.

Na, und das ist doch eine gute Nachricht. Oder nicht? Kultur ist jeder zweite Herzschlag unseres Lebens, sang einst die SED, bevor sie zur DIE LINKE mutierte und wir sehen, türkische Amtsinhaber haben ihren Lenin verstanden. Sie ehren die Meister des Pinsels und der Farben, in dem sie sich nützen. Hinfort die nichtssagenden Illustrierten, weg mit den billigen Kunstdruckkopien, an denen sich die Besucher im Zimmer des Amtsträgers erfreuen müssen, wenn der Besuchte gerade ein wichtiges Telefonat zur Einsparung von Sicherheitsvorschriften am Bau führt oder das Bakschisch durchzählt, wo Kontrolle ja besser ist, als Vertrauen. Und herein mit den Orginalen.

Menschen, die uns mit ihrer Lebensfreude und dem Umgang mit Kultur bereichern(Maria Böhmer), warum sollten die keine schlummernde Venus in ihren heiligen Hallen zu hängen haben, natürlich züchtig verhüllt? Und zwar des Meisters Werk, nicht die Kopie! Klagen denn nicht schon lange unsere Weisen, die sich dafür ausgeben,  über den Rückgang kulturellen Interesses? Wo bleiben die Besucher der Alten Meister, wo bleibt der Ansturm unserer Menschen mit Migrationshintergrund und Butterflymesser in der Tasche auf die Schätze des Abendlandes? Zu lange wurde Desinteresse an abendländischer Kultur beklagt, jetzt heißt es handeln! Die Werbung für die Schätze der Türckencammer, in die kunstfertig Döner eingewickelt wird, um das Publikum auf den Geschmack zu bringen, kann es doch nicht gewesen sein!

Von der Türkei lernen, heißt wie immer Siegen lernen, und künftig werden unsere Alten und Neuen Meister die Kundenbüros in den Sozialämtern schmücken, um sich dort  dem herbeiströmenden Publikum zur Ansicht feilzubieten. Natürlich muß auch für Abwechslung gesorgt werden und Rotation und ja, die Gemälde könnten dauerhaften Schaden nehmen und für immer verderben, aber in der kurzen Zeit, die es braucht, bis hier die moderaten Taliban flächendeckend herrschen, da geht das schon und dann sind diese Bilder sowieso Teufelswerk und gehören vernichtet. Und So haben sie wenigsten noch einmal Ausgang. Oder?

Und im Übrigen ist das wieder ein neuer Beweis, daß die Türkei nicht nur priveligierter Partner der EU sein muß, sondern auch Vollmitglied. Die wissen eben, wie man Kunst und Kultur unters Volk bringt.


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