Archiv für Juli 2010

Der einstige Brigant als Schneider

Ab und zu speien die italienischen Zuchthäuser altersgraue Gestalten aus, die zu einer längst verflossenen Zeit, als Europa noch ganz anders aussah als heute, durch ihre Einschließung hinter Kerkermauern dem Anblick der neuzeitlichen Entwicklung entzogen worden sind. So verließ unlängst der Brigant Giuseppe Tarantini die Strafanstalt von Nisida bei Neapel, wo er 45 Jahre Zuchthaus verbüßt hat. Sein Verbrechen war die Teilnahme an dem von bourbonischen Agenten im ehemaligen neapolitanischen Reich geleiteten Räuberunwesen, das im Jahre 1865 durch General Pallavicini mit militärischer Gewalt unterdrückt worden ist. Tarantini focht, stahl und mordete als Mitglied der Bande des berüchtigten Crocgo in den Bergen und Wäldern der Basilicata herum, bis er verhaftet wurde. Der höheren Gewalt gehorchend, widmete Tarantini sich im Zuchthaus dem friedlichen Schneidergewerbe, führte sich gut auf und brachte es in dem stillen Reiche zum angesehenen Schneidermeister. Nun ist der Alte fast 70 Jahre und kehrt in die Freiheit zurück. Er hat sofort nach seiner Entlassung die Reise in die Heimat angetreten, wo die Verwandten ihn mit Jubel empfingen, denn er bringt als Lohn seiner 45 jährigen fleißigen Arbeit ein kleines Vermögen mit und kann somit sein Alter als anständiger Mensch verleben. *DIE NEUE ZEITUNG 31.07.1910 *

Ein Schrein für die Raver der Herzen

Nachdem sich die verkannten Albert Schweitzer der Techno-, Sex- und Drogenszene, sowie all die Mütter Theresas  in Duisburg, die beim all dem aufopfernden Drängeln um eine schnelle Nummer oder einen weiteres Bier, auf dem Altar des Profits fielen und Oberbürgermeister Sauerland demnächst vors Völkerkriegstribunal wird geschleift werden müssen, da wird es auch einen Schrein, eine Humptata-Humptata-Kapelle oder auch einen Raum gehen, in dem sich verheulte Loveparadeteilnehmer gegenseitig schluchzend in die Arme fallen können, in dem sie sich trösten und versichern, eigentlich hätten sie ja gleich nach Bekanntgabe des erfolgten Massenmordes an ihren Mitravern aufhören wollen, zu hüpfen, alleine, es ging nicht und immer noch sind sie betroffen, ganz traurig und traumatisiert fürs Leben. Jedenfalls so weit, wie ihr Gedächtnis zurückreichen wird, mindestens aber bis zum nächsten Event. Und da sollten wir diesem Geschäftsmann, der diesen Weiheort schaffen will, doch ziemlich dankbar sein. Angesichts der Moscheedichte um Duisburg müssen wir uns aber fragen, ob mit der Errichtung einer Kapelle dann nicht doch nur wieder eine bestimmte Religion diskriminiert werden soll. Ich fürchte ja.

Wer hat die Kokosmilch verschüttet?

Schwer enttäuscht

Nein, hier geht es nicht um Maria Böhmer, CDU, sondern um die fehlende Willkommenskultur in Deutsch-Ostafrika 1905. Man erwartete den Zuzug nützlicher Migranten und stellte fest, dem war nicht so. Außerdem interessant , hier werden die Zuzugsbedingungen für Deutsche aus dem Mutterland dargelegt und warum kaum einer kommt. Aber offensichtlich wurden solche Probleme noch analysiert, im Gegensatz zu heute, wo sie nach stillschweigend vereinbarter Mediencharta schöngeschrieben werden. Man bekommt aber den Eindruck, in Frage der Einwanderung waren deutsche Regierungen schon damals vom Rinderwahn befallen. Andererseit, so sehr wie heute dann doch nicht, immerhin holte man keine Armen, die ihr ganzes Geld den Schlepperbanden vermachten, und sie mußten dann selber zusehen, daß ihr Weizen blüht, ohne, daß sie jemanden mit dem goldenen Löffel gefüttert hätte. DAS unterscheidet übrigens auch die Hugenotteneinwanderung unterm Toleranzedikt, die immer zum Vergleiche herangezogen wurde, von dem Zustrom schwarzer und hellhäutiger Sozialfälle. „Arbeite oder Stirb“ war die Devise. Nicht komm her, es ist Fütterungszeit.

Unsere Stellungnahme zur Burenfrage. Als wir im Oktober ver. Js. unseren Artikel „Die Bureneinwanderung nach Deutsch-Ostafrika“ schrieben, taten wir es in der festen und ehrlichen Überzeugung, daß eine Einwanderung burischer Elemente für unsere Kolonie nur von Nutzen sein könne, Wir gingen von der Voraussetzung aus, daß die jahrhundertelange Erfahrung, die dieselben im afrikanischen Landbau haben mußten, uns dadurch zugute kommen würden und glaubten, nicht, daß die Besiedlung unserer Kolonie mit Buren uns irgendwie schaden könne. Allerdings sagten wir schon damals (Nr. 44 der D. O. A. Ztg v. 29. Oktober 1904):

„Wenn auch die massenweise Ansiedlung von Buren in unserer Kolonie ebenfalls ihre kleinen Schattenseiten und Unbequemlichkeiten vor allem für die Bezirksbehörden im Gefolge haben wird, so erscheinen uns diese doch nur vorübergehender Natur. – in jedem Fall wird ein Zickzackkurs in Sachen „Bureneinwanderung stets verurteilt werden müssen.“

Wie stellen wir uns nun  heute zur Burenfrage? Wir müssen gestehen, daß wir mit der Zeit ganz anderer Ansicht geworden sind, als wir noch vor Monaten waren. Unsere optimistischen Erwartungen sind in jeder Weise getäuscht worden. Der Bur hat sich als etwas ganz anderes entpuppt, wie wir erwarteten und nachdem uns gemachten Schilderungen erwarten durften. Wir glaubten in ihm einen Ansiedler zu bekommen, einen Mann der, dankbar für die gastliche Aufnahme, mit Fleiß sein Land bebauen würde.

Viel versprachen wir uns namentlich von seiner rationellen Viehwirtschaft in den Tropen und seiner Fähigkeit, die Eingeborenen zur Viehpflege anzulernen. Leider stimmen nun aber alle Berichte aus dem Inneren, mögen sie von amtlicher oder nichtamtlicher Seite kommen, dahin überein, daß die Buren weder ihr Feld bebauen noch besondere Künste in der Viehwirtschaft zu zeigen imstande sind. Da sie bei den für Ochsenwagen wenig geeigneten Gelände unserer Kolonie an Transportfahrerei nicht denken können, so beschäftigen sie sich mit Jagd und etwas Viehhandel, lassen den  lieben Gott einen frommen Mann sein und warten augenscheinlich auf die Deutschen, die kommen sollen, um ihnen das von ihnen besetzte Land wieder abzukaufen. Allerdings wollen diese  Deutschen zur Zeit noch nicht kommen, und das bringt uns auf die zweite Frage, warum verhalten sich die deutschen Bauern ablehnend? Warum wir keine oder doch nur wenige deutsche Ansiedler für hier bekommen?

Anstatt einer Antwort wollen wir die Ansiedlungsbedingungen für Deutsche und für Buren hierhersetzen. Der deutsche Ansiedler muß 9000 Mark Barvermögen nachweisen, wenn er 200 Hektar Land zum Preise von 2 Mark pro Hektar aufnehmen will. – Er muß 1000 Mark Kaution hinterlegen, wenn er ins Innere gehen will. – und darf beileibe nicht verlauten lassen, daß er Vieh kaufen will, da das Gouvernement seit den letzten schlechten Erfahrungen mit den Viehhändlern im Ruanda – Kilimantindebezirk sehr mißtrauisch gegen Viehhändler geworden ist – leider mit Recht. Was wird von den Buren verlangt? In der „Kolonialen Zeitschrift“ vom 15. September 1904, Nr. 19, steht darüber zu lesen:

“ Die deutschen Behörden gestatten bemittelten Buren, sich unter folgenden Bedingungen in Deutsch-Ostafrika niederzulassen: a) Die Ansiedler sind nicht verpflichtet,  deutsche Untertanen zu werden und sind deshalb auch nicht militärpflichtig. b) jeder Kolonist empfängt 50 Hektare Ackerland gratis und 1000 Hektare Weideland in Pacht für nicht mehr als 30 Rupie. Das Land kann auch erworben werden für eine Rupie pro Hektar. Die 50 Hektar Ackerland sind Eigentum des Empfängers, sobald auf demselben ein Wohnhaus mit Stallung u. s. w. in europäischem Stil u. s. w.  errichtet sind. Falls das Weideland nicht sofort gekauft wird, kann der Pachtzins in Höhe von 30 Rupien pro Jahr von der Kaufsumme abgezogen werden. Das Land kann auch sofort ohne Barzahlung gekauft werden. In solchem Falle wird die Hypothek registriert und zwar für den nicht oder nur theilweise Betrag der Kaufsumme. c) Die Distriktverwaltung wird sich auf Verlangen alle mögliche Mühe geben, um Arbeiter zum niedrigsten Marktlohn – 2-3 Schillinge monatlich – zu verschaffen. d) Die Kosten für den Gütertransport von Fort Johnston nach Muaya werden bis zu einem Betrage von 1 ton pro Einzelperson 0der 1/2 ton pro Gesinde nach einem Jahr restituiert, für den Fall, daß erwiesen ist, daß die, betreffs der Niederlassung gestellten Bedingungen erfüllt sind. e) Das Gouvernement verkauft kein Vieh an Händler, bevor es dasselbe nicht den Kolonisten zum niedrigsten Marktpreis – gegenwärtig 1 bis 2 Pfund pro Rind – zur Verfügung gestellt hat. f) Wer auserlesene Deckhengste eingeführt, empfängt eine Prämie von 20 Eselinnen.“

Wir wollen uns hierzu jeden Kommentars enthalten und hoffen, daß die maßgebende Stelle jetzt selbst einsehen wird, warum keine deutschen Ansiedler kommen. …

Aber bekanntlich ist Deutsch-Ostafrika nicht für die Buren erkämpft und erworben worden, sondern für die Deutschen. Leute, die Vieh halten und warten, bis ein Kalb geworfen wird und bis dasselbe ohne großes Zutun allein zu einem Bullen oder einer Kuh heranwächst, Leute, die keine Bedürfnisse haben, kein Haus bauen, keine Felder kultivieren, haben wir in unseren Eingeborenen genug. Dazu brauchen wir keine Buren. …

*Quelle*

Und genau das ist auch heute der Punkt, wir haben genug eigene Nichtsnutze, Sozialfälle und Verbrecher. Warum, um alles in der Welt, sollen wir da noch von außen welche zuwandern lassen oder nicht die zugewanderten, die gezeigt haben, daß sie nur Nichtsnutze, Tagediebe, Verbrecher und Sozialstaatsabhängige sind, hinauswerfen? Wo sie hinsollen? Dahin, woher sie gekommen sind. Wohin sonst? Übrigens, eine Anzeige wegen Volksverhetzung wäre jetzt fällig. Nur gab es das 1905 noch nicht. Da konnten Probleme noch benannt werden.

Gestern hat dieser Autor übrigens ungewollt den Deutschlandfunk hören müssen. Worum ging es? Darum, daß Migranten in Deutschland alt werden, an Demenz leiden und überhaupt zu Pflegefällen mutieren. Ja, da frage ich mich doch, wieso die dann immer noch Migranten geheißen werden? Man könnte ja meinen, nach so langem Aufenthalt, daß sie ganz alt und gebrechlich und dement geworden sind,  wären sie nun Deutsche genug, um zu verstehen oder sich artikulieren zu können, ohne daß ihnen ein Motorrad versprochen werden muß. Nein, es geht wahrscheinlich wieder um das eingewanderte türkische Volk, das kein Haus baut, keine Felder kultiviert, aber mit langen Messern loszieht, um die Eingeborenen zu berauben oder totzuschlagen, was jetzt sehr unsensibel formuliert wurde. Nun sind wir nicht nur die Suppenküche der Welt, nein, auch noch deren Pflegestation geworden. Wir haben es ja.

Die Reiter von Ostafrika

Zu spät gefreut

Sauberes Trinkwasser ist jetzt ein Menschenrecht. Also der Zugang dazu. Sagt die UNO, der Abstellplatz für verbeamteten Humanmüll. Leider nützt das den Deutschen nichts mehr. Die haben ihn sich schon geschaffen. Damals. Als Stadtväter sich um ihre Bürger sorgten und Wissenschaftler noch Wissen schufen und anwendeten, wie man, zum Beispiel, Fluß- und Brauchwasser so klärt, daß es ohne Gefahr getrunken werden kann. So etwas fällt ja auch nicht vom Himmel, obwohl das immer mehr Menschen heutzutage glauben mögen. Oder daß Kolonialisten in ferne Länder reisten, um den Eingeborenen das Wasser wegzunehmen, die zuvor den Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten.

Wegen des nichtvorhandenen sauberen Trinkwassers konnte Deutschland immer mal mit Choleraausbrüchen rechnen, denen dann Menschen zum Opfer fielen. Wie in Hamburg. 1892. Festgestellt wurde der Zusammenhang von verunreinigtem Wasser und Erkrankungen wiederum durch Wissenschaftler, die damals noch intelligente Menschen waren, nicht wie die Klimawandel – folgen – forschungs – professoren – lügner, die sind nur gerissen. Sie setzten Mikroskope ein, die zuvor andere Wissenschaftler und Bastler erdacht und vervollkommnet hatten, analysierten ihre Beobachtungen, zogen ihre Schlüsse und trugen sie den Regierenden vor. Die handelten.

Da erhebt sich doch die Frage, warum das andere Länder nicht getan haben. Andere Staaten. Sich um ihre Bürger zu kümmern? Warum sie keine Wissenschaftler und Ingenieure hervorbrachten, die sich um die Wassergewinnung Gedanken machten? War das Potential nicht da?

Warum müssen heute immer noch Weiße nach Afrika reisen und den Colorierten zeigen, daß man Brunnen graben kann? Warum ist der Westen für den Rest der Welt, der im Mittelalter verharren will und der seine Frauen kilometerweit mit Plastekanistern auf dem Kopf zum Wasserholen schickt, verantwortlich? Was ist, wenn die es gut finden, so zu leben, wie sie leben? Weil sie keine Lust haben, einen Evolutionssprung zu tun?

Zum Glück gibt es ja noch Hoffnung. Durch die zunehmende Verblödung, hervorgerufen durch massive Einwanderung von Vollidioten aus der Türkei, dem Libanon und der übrigen muslimischen Welt, weil die, die etwas können, nach Amerika gehen, wird auch bei uns bald keiner mehr wissen, wie das vorhandene Material der Kläranlagen, Brunnen, Leitungen und Kanalisationen zu warten ist und wir können in 50 Jahren oder auch früher rufen: „He, UNO, sieh zu, daß die Brühe, die aus den Wasserhähnen läuft, falls sie jemals läuft, wieder klar wird. Wir haben ein Menschenrecht darauf!“

Null Bock auf Evolution

Es ist einfacher unterm Affenbrotbaum zu sitzen und zu warten, bis die Affen ins Maul fallen. Oder die Brote. Und das seit Millionen von Jahren. Wieso sind die Europäer dafür verantwortlich, daß Afrika infantil geblieben ist?

Die Krügerdepesche

Kaiser Wilhelm war schon ein Depp, schreiben die Nachschlagewerke. Da droht er den mordgierigen Chinesen, mit einer Hunnenrede, die das Gesandtenviertel in der Hauptstadt stürmen und Diplomaten umbringen, was uns heute nur mit den Schultern zucken läßt, wer weiß, ob die nicht wegen Herzfehlern sowieso bald gestorben wären, dort gratuliert er einem eigenständigen Staat zur Abwehr einer ausländischen Aggression. Was für ein Trottel, fürwahr. Die deutschen Zeitungen damals sahen das aber anders, doch wer liest die schon, wenn wir heute die Weisheit mit Löffeln gefressen haben? 1896. Aus der FREIEN PRESSE:

Wien, 3. Januar. Wir müssen warten, bis die  Schildkröte den Kopf ganz herausstreckt , dann werden wir zuschlagen.“ So soll sich der Präsident der Transvaal-Republik geäußert haben, als man ihm über die drohenden Vorbereitungen der „Uitlanders“ und über die Möglichkeit auswärtigen Zuzugs Bericht erstattete. Die Boers (Buren)  haben sich an seine Worte gehalten und im rechten Moment tüchtig zugeschlagen. Der Freibeuterzug, den Dr. Jamieson mit kecker Verachtung des Völkerrechts und in blinder Unterschätzung der Schlagfertigkeit der Boers unternommen, hat ein klägliches Ende gefunden. Die von ihm geführten Söldner der südafrikanischen Gesellschaft, die sich wahrscheinlich einbildeten, sie könnten mit den Boers ebenso leicht fertig werden wie mit den Matabeles, wurden bei dem ersten Zusammenstoß überwunden und größtenteils gefangen. Der englische Colonial-Minister Chamberlain ersuchte, unmittelbar nachdem er die Nachricht von dem Gefechte bei Krügersdorp erhalten, den Präsidenten  Krüger, die Gefangenen und Verwundeten möchten gnädig behandelt werden. Die Bitte ist keineswegs überflüssig, denn die Teilnehmer an dem bewaffneten Einfall schützt keine völkerrechtliche Satzung und sie haben keinen Anspruch auf die Schonung, welche Kriegsgefangenen gebührt. Im Namen der Humanität muß man wünschen, daß in Prätoria der Bitte Chamberlain´s entsprochen wird. Vielleicht gebietet es auch die politische Klugheit, den Soldaten Jamieson´s gegenüber, die ja wohl größtenteils englische Untertanen sind und eine englische Fahne mit sich führten, nicht das unerbittliche Kriegsrecht, sondern Milde walten zu lassen.

Die Bewegung in der Bevölkerung von Johannesburg wird durch die Niederlage, welche die zu ihrer Unterstützung herbeigeeilte Freischaar erlitten, stark abgeschwächt werden. Nachdem sich gezeigt hat, daß die Boers nicht gewillt sind, vor einem Haufen von Flibustiern zurückzuweichen, sondern daß sie ihre Unabhängigkeit und ihr Vaterland zu verteidigen wissen, werden die „Uitlanders“ wohl darauf verzichten, ihre Ansprüche mit bewaffneter Hand durchzusetzen. Umsomehr, als sie keineswegs unter sich einig sind, vielmehr die Deutschen unter ihnen sich schon vor dem Treffen bei Krügersdorp entschieden gegen eine gewaltsame Auflehnung erklärten. Der Erfolg auf dem Schlachtfelde hat eine merkwürdig überzeugende Kraft, er wird auch auf die Engländer und Amerikaner in Johannesburg nicht ohne Wirkung bleiben. Die unruhigen Elemente dort sind meist Goldgräber, und wenn sich auch viele wüste Gesellen unter ihnen befinden mögen, so dürften sie in der Mehrzahl kaum noch Lust haben, sich dem sicheren Blei der Boers auszusetzen, die ihnen moralisch weit überlegen sind und soeben einen neuen Beweis dafür gegeben haben, daß man sie nicht ungestraft herausfordert.

Weiteres Blutvergießen im Transvaal zu verhüten ist nun die Aufgabe der englischen Regierung, daß sie Jamieson verleugnet und ihm den Befehl zur Umkehr gesendet hat – einen Befehl, um den sich der Freund und Vertraute des Premierministers der Capkolonie einfach nicht kümmerte. Das englische Cabinet muß dafür Sorge tragen, daß kein neuer „Raid“ von englischem Gebiete und gegen die südafrikanische Republik erfolge. Ihn zu verhindern, wird energisches, rasches Handeln erforderlich nötig sein, denn es heißt, die Chartered Compagny wolle neue Streitkräfte mobilisieren und sie habe eine Abteilung Kaffern aufgeboten, welche bereits in Transvaal eingebrochen sei. Es sieht dieser Gesellschaft, die den letzten Matabele-Krieg aus schnöder Geldgier anzettelte und durch ihre Truppen Gräuel verüben ließ, die selbst in England einen Schrei der Entrüstung hervorriefen, ganz ähnlich, daß sie mordlustige Schwarze gegen Weiße in das Feld schicken will. Sache der englischen Regierung ist es, dieser Abscheulichkeit, überhaupt allen ferneren Anschlägen der Compagny gegen die Boersrepublik ein Ziel zu setzen. … Die  Boers, denen der Oranje – Freistaat Hilfe zu leisten bereit ist, wären den Streitkräften der beutelustigen Gesellschaft wohl gewachsen, aber auf England darf die Schmach nicht fallen, Friedensbruch und Landraub zu patronisieren.

Die allgemeine Stimmung in Europa ist ohnedies nichts weniger als freundlich für England. Ein charakteristisches Zeugnis dafür bildet die Glückwunschdepesche, welcher der deutsche Kaiser heute an den Präsidenten Krüger sendete

( Ich spreche Ihnen Meinen aufrichtigen Glückwunsch aus daß es Ihnen ohne an die Hilfe befreundeter Mächte zu appellieren mit Ihrem Volke gelungen ist in eigener Tatkraft gegenüber den bewaffneten Scharen welche als Friedensstörer in Ihr Land eingebrochen sind den Frieden wiederherzustellen und die Unabhängigkeit des Landes gegen Angriffe von außen zu wahren. )

Die Tatsache allein spricht beredt genug, noch deutlicher  der Wortlaut des Telegramms. Wilhelm II. drückt seine Freude darüber aus, daß es dem Volke von Transvaal gelang, den bewaffneten Schaaren gegenüber, welche als Friedensstörer in das Land eingebrochen, den Frieden wiederherzustellen und die Unabhängigkeit des Landes nach außen zu wahren. Der deutsche Kaiser hat mit diesen Worten die Gefühle des ganzen deutschen Volkes ausgesprochen. In Bezug auf Transvaal gibt es in Deutschland keine Meinungsverschiedenheit, alle Parteien, alle Kreise der Bevölkerung haben ihre Sympathie für die Boers bekannt und das schärfste Verdammungsurteil über den unerhörten Friedensbruch gefällt. …

Wien, 4. Januar. Die publicistische Erörterung der Depesche des deutschen Kaisers an den Präsidenten Krüger dauert fort. Von den deutschen Blättern wird hervorgehoben, daß es sich dabei nicht bloß um einen impulsiven Akt des Kaisers, sondern um einen Staatsakt handle, welcher das Ergebnis eingehender Beratungen mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär des Auswärtigen gewesen. Die englischen Blätter ergehen sich in ganz maßlosen, stellenweise recht ungebührlichen Äußerungen gegen diesen Schritt des deutschen Kaisers, wobei officiöserseits nicht unterlassen wird, das angeblich britische Oberhoheitsrecht über Transvaal in scharfer, ja drohender Weise zu betonen. Deutscherseits wird demgegenüber der betreffende Paragraph der 1884er  englisch – transvaalischen Convention dahin interpretiert, daß Großbritannien ein eigentliches souveränes Recht auf die Boers-Republik nicht zustehe. Was die bis dahin jetzt vorliegenden französischen Blätterstimmen anbelangt, so stellen sie sich auf die Seite der deutschen Auffassung. …

Auf der Flucht

Der Arzt als Frauenmörder. Die Londoner Polizei entfaltet noch immer eine fieberhafte Tätigkeit, um des verschwundenen amerikanischen Arztes Dr. Crippen, der beschuldigt wird, in seinem Londoner Hause seine Gattin, eine unter dem Namen Belle Elmore bekannte Varietésängerin, ermordet zu haben, habhaft zu werden.

Dr. Crippen ist bekanntlich mit der Maschinenschreiberin Ethel Le Reve, die er seit Monaten als seine Frau ausgegeben hat, verschwunden und nach seiner Flucht hat man in seinem Hause in der Camden-Street die Reste einer menschlichen Leiche gefunden, die jedoch derart zugerichtet waren, daß es den Gerichtsärzten nur schwer möglich war, das Geschlecht des Leichnams zu bestimmen. Man vermutet, daß es die Überreste der seit Februar verschwundenen Gattin Crippens seien. Er hatte erst gesagt, seine Frau sei auf der Tournee in Kalifornien gestorben; dann hatte er gesagt, dies sei nicht wahr, sie sei ihm durchgegangen, er habe die Geschichte von ihrem Tod nur erzählt, weil er sich schämte, daß seine Frau ihn verlassen habe.

Seine Maschinenschreiberin, Ethel Le Reve, erzählte eines Tages zu Hause, Dr. Crippen habe sie geheiratet. Sie zog zu ihm und Crippen gab Diners und Unterhaltungen, bei welchen die zweite Frau den reichen Schmuck und die kostbaren Toiletten der Verschwundenen trug. Erst dadurch wurde der Verdacht rege, daß Frau Crippen ermordet worden sei, da anzunehmen war, daß sie doch den Schmuck mitgenommen hätte, wenn sie entflohen wäre. Als Crippen merkte, daß die Polizei sich um das Verschwinden seiner Frau mehr als vorher kümmere, verschwand er unter Mitnahme der Le Reve. Seither fehlt jede Spur von beiden.

Alle Versuche, der Flüchtigen habhaft zu werden, sind bisher erfolglos geblieben. Die Kriminalpolizei hat allen Hafenpolizisten beider Kontinente ein genaues Signalement der Flüchtlinge mit der Bitte zukommen lassen, sie bei einem etwaigen Eintreffen sofort in Haft zu nehmen. In New York bewachen Detektives alle ankommenden Dampfer, da man annimmt, daß sich Dr. Crippen mit seiner Begleiterin am ehesten nach Amerika gewandt haben dürfte. Auch in Montreal werden die eintreffenden Schiffe von amerikanischen Detektives durchsucht und die Behörden haben eine hohe Belohnung für die Ergreifung Dr. Crippens ausgesetzt.

Die Londoner Polizei hält es für sehr leicht möglich, daß Crippen als Frau verkleidet, die Flucht angetreten hat. Obwohl die ganze Cambden – Landstraße, wo sich das Haus Crippens befindet, von zahlreichen Detektives abgesucht und alle Anwohner ausgefragt wurden, konnte man doch nicht eine einzige Spur finden, die auf einen flüchtigen Mann  in Begleitung eines Mädchens weisen würde. Wohl aber sagen verschiedene Anwohner, daß sie an dem Tag, an dem Crippen und seine Geliebte verschwunden sind, , in einem Wagen eine verschleierte Dame in Begleitung eines schlanken Knaben gesehen haben. Dadurch kommen die Detektives auf die Vermutung, daß Dr. Crippen sich als Frau, seine Geliebte als Knabe verkleidete. Unterstützt wird diese Annahme durch die Aussage der Schriftstellerin Adele Harrison, die mit dem Ehepaar Crippen intim verkehrt hat. Sie erzählte, daß sich Crippen vor einem Jahr im Scherz als Frau angekleidet und so glänzend ausgesehen habe, daß niemand in ihm den Mann vermutet hätte.

Es mehren sich übrigens inzwischen die Anzeichen, daß Dr. Crippen, der ein amerikanischer Quacksalber zu sein scheint, auch seine erste Frau ermordet hat. Mr. Bell, der Bruder dieser ersten Frau, lebt in New York und  erklärte, daß der Tod seiner Schwester unter höchst verdächtigen Umständen erfolgt sei. Bald nachdem dem Dr. Crippen wegen verschiedener Schwindeleien der Boden in New York zu heiß wurde, ging er nach der Mormonenstadt am Salzsee.

*Quelle* * Spielfilm *


Die Armeen Europas 1906

Aufstellung über die Stärke der Streitkräfte 1906. Damals hatte Deutschland eine gemeinsame Grenze mit Rußland und Frankreich, die Stärke der Armee Deutschlands mußte also angemessen sein, um einen Angriff von zwei Seiten abwehren zu können, falls das nötig werden sollte, was dann 1914 auch geschah. Daß England nur über 545 000 Mann verfügt, ist seiner Insellage geschuldet. Eine fremde Armee wäre immer von der Flotte abgewehrt worden, wie das ja auch in früheren Zeiten praktiziert wurde.

Bildunterschrift: Obenstehend geben wir unseren Lesern eine Darstellung der Stärke der verschiedenen europäischen Armeen. Aus derselben geht hervor, daß Rußland an der Spitze der einzelnen Staaten marschiert. Dennoch dürfte die Präsenzstärke unseres östlichen Nachbarn etwas übertrieben sein; der Krieg gegen Japan und die inneren Unruhen dürften dazu beigetragen haben, auch die Friedensstärke Rußlands erheblich zu vermindern. An zweiter Stelle steht Deutschland, dem der Reihe nach Frankreich, Italien, Österreich-Ungarn und die Türkei folgen. Erst an siebenter Stelle kommt großbritannien, dem sodann die kleineren europäischen Staaten folgen. Aus unserer Statistik, welche auch speziell auf die jetzigen Bestebungen in der Abrüstungsfrage besonders interessant ist, geht alles Wissenswerte hervor. Quelle.


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