Dieses Land ist schlimmer als die DDR

Weil es sich nicht an die eigenen Regeln hält. Es hat zwar Gesetze aber die wendet es nur da an, wo es politisch in den Kram passt. Es tönt zwar, die Würde des Menschen ist unantastbar, überläßt aber die Definition, wer zu den Menschen gezählt werden darf, Kriminellen und politischen Banditen. Es erläßt Bestimmungen, niemand darf wegen irgendwas diskriminiert werden, seine Richter sagen aber, im Prinzip ja, aber nur im Prinzip. Heute habe ich mir mal vorgestellt, die DDR hätte eine Oppositionspartei zugelassen, durchsetzt natürlich vom Ministerium für Staatssicherheit, umschwärmt von inoffiziellen Mitarbeitern und belagert von willigen Denunzianten. In der hätten sich dann die zaghaften Umweltaktivisten versammelt, die zu Recht die Naturzerstörung durch die Arbeiter und Bauern kritisierten, die Bürgerrechtler, die auf die luxemburgsche Freiheit der Andersdenkenden pochten und die Leute, die die Nase voll von alternativlosen Wahlen hätten. Wäre diese Partei schikaniert worden und ihre Mitglieder? Ei gewiß doch. Wie es mit den Bürgerrechtlern ja auch tatsächlich geschah. Aber hätte eine aufgeputschte Menge es fertiggebracht, einen Abgeordneten dieser Partei am Besuch eines Fußballspiels zu hindern und der Bürgermeister dieser Stadt hätte sich anschliessend wohlwollend dazu geäußert? Ich glaube nein. Das hätte nämlich dem Grundsatz des Staates widersprochen, sein Machtmonopol zu bewahren und auch auszuüben. Wenn jemand Gewalt ausübt, dann der Staat und nur der, keine Hilfsnazis im Antifalook, keine steuergeldschmarotzenden Gegenrechtegewaltvereine. Keine weiblichen Sozialdrohnen und Asozialen, die von der Arbeitsleistung des werktätigen Volkes leben. Nur der Staat und nicht der Pöbel. Und das ist eben der Unterschied. Wir sind Zuständen in Somalia näher als man glauben möchte.

23 Antworten to “Dieses Land ist schlimmer als die DDR”


  1. 1 netzwerkrecherche 12. August 2010 um 06:14

    Merke: Ein demokratisches Staatswesen mit reiner Weste macht sich nicht die Hände schmutzig an der Verfolgung ihrer Gegner, den Feinden der Freiheit.

    Aber es befördert die demokratische Verantwortung und gewährt sogar soviel Freiheit, daß die Zivilgesellschaft als Schützer des Grundlagengesetzes selbstverantwortlich ihre Feinde ausschließen kann, zur Not auch mit Gewalt, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

    „Du hast die Freiheit, nicht zu denken wie ich; Leben, Vermögen und alles bleibt dir erhalten; aber von dem Tage an bist du ein Fremder unter uns. Du wirst dein Bürgerrecht behalten, aber es wird dir nichts mehr nützen; denn wenn du von deinen Mitbürgern gewählt werden willst, werden sie dir ihre Stimme verweigern, ja, wenn du nur ihre Achtung begehrst, werden sie so tun, als versagten sie sie dir. Du wirst weiter bei den Menschen wohnen, aber deine Rechte auf menschlichen Umgang verlieren. Wenn du dich einem unter deinesgleichen nähern wirst, so wird er dich fliehen wie einen Aussätzigen; und selbst wer an deine Unschuld glaubt, wird dich verlassen, sonst meidet man auch ihn. Gehe hin in Frieden, ich lasse dir das Leben, aber es ist schlimmer als der Tod.“
    Alexis de Tocqueville: „Die Demokratie in Amerika“

  2. 2 Christian 12. August 2010 um 06:20

    Na na. Jetzt schießen wir ein wenig über das Ziel hinaus. Das Denunziantentum war in der DDR weit verbreitet und beileibe nicht jeder Denunziant war auch ein Stasi-Spitzel. Der Pöbel brauchte nicht aktiv zu werden, das besorgte die „Staatsmacht“, wurde sie freundlich auf abnormes Verhalten hingewiesen, schon selber: Und natürlich gab es für diverse Dissidenten und andere Unangepasste genauso diverse Reise- oder Veranstaltungsverbote. Das Berlinverbot ist davon nur das Bekannteste. Man brauchte die Antifa-Nazis nicht, denn deren „Aufgaben“ erledigte der Staat. In dieser Hinsicht ist dieser Staat verlogener, das stimmt gewiss, aber er ist nicht wirklich schlimmer, denn im Unterschied zur DDR haben die rotlackierten Nazis den Staat nicht okkupiert, gibt es Kräfte, die sich gegen solche Methoden wehren können. Das ist mehr, wie Dein Blogeintrag beweist, als Du dir in der DDR hättest leisten können. Dort währst Du nämlich am frühen Morgen von der Staatsantifa unsanft aus dem Schlaf geweckt geworden und hättest einer Verurteilung wegen republikfeindlicher oder faschistischer Hetze entgegengesehen. Das ‚Gelbe Elend’ in Bautzen schon vergessen?
    Die roten, braunen oder grünen Nazis kriegst Du nicht weg. Dieser, oft sogar gut bürgerliche Bodensatz, ist unausrottbar. Mit denen muss man leben und dafür sorgen, dass ihr Einfluss klein bleibt, sie eben nicht zur ‚Staatsmacht’ werden.

  3. 3 Prosemit 12. August 2010 um 06:22

    Ein guter Beitrag.

    Ein Land, das seine eigenen Gesetze nicht durchsetzen kann und will, eine Demokratie, in der die das Sagen haben, die undemokratsich sind.

  4. 4 Karl Eduard 12. August 2010 um 06:37

    @Christian

    Genau, das meine ich. Staatsmacht heißt es, weil die Macht der Staat ausübt, nicht irgendwelche Nichtregierungsorganisationen oder Banden. In unserem Staat herrscht Rechtsunsicherheit, denn vom Staat garantierte Rechte können dir von nichtstaatlichen Organisationen verwehrt werden. Denke nur an den Vizeparlamentspräsidenten, der die Staatsmacht durch Blockadesitzen neutralisiert. Da ist jede talibanische Rechtsordnung gerechter, denn der Bürger weiß dort was er darf und was nicht und da läßt sich kein moderater Taliban ins Handwerk pfuschen.

  5. 5 Karl Eduard 12. August 2010 um 06:43

    @Christian

    Und das gelbe Elend schwebt über uns, nur heißt es nicht Bautzen sondern Psychatrisierung. Du glaubst wohl, weil wir hier an der längeren Leine gehalten werden, wären wir frei, unsere Meinung frei zu äussern? Die Leine ist nur länger geworden und, zugegeben, das ist ein schönes Gefühl, mehr Auslauf innerhalb des Zaunes zu haben. Tatsächlich. Man sollte nun aber nicht denken, daß man überall hin toben darf, sonst gibt es einen Ruck und man hängt an der Hand, die die Leine hält. Und manchmal kommt man da sogar in die Anstalt. Ja und auch die Wärter sind netter. Das will ich auch nicht bestreiten.

  6. 6 netzwerkrecherche 12. August 2010 um 06:48

    II.
    „Bei den demokratischen Völkern … erscheint die öffentliche Gunst ebenso nötig wie die Luft, die man atmet, und mit der Masse nicht im Einklang sein, heißt sozusagen nicht leben. Diese braucht nicht die Gesetze anzuwenden, um die Andersdenkenden zu beugen. Die Mißbilligung genügt. Das Gefühl ihrer Vereinsamung und ihrer Ohnmacht übermannt sie alsbald und raubt ihnen jede Hoffnung.“
    Alexis de Tocqueville: „Die Demokratie in Amerika“

  7. 7 netzwerkrecherche 12. August 2010 um 06:51

    Ach so, um von Tocqueville den Naziverdacht zu nehmen – er hat das 1835 geschrieben. Das Buch erhielt 1836 den Prix Montyon der Académie française.

  8. 8 Karl Eduard 12. August 2010 um 07:05

    1835 hat nix zu bedeuten. Er war eben ein Nazi vor unserer Zeit.

  9. 9 Christian 12. August 2010 um 09:18

    Mein lieber Karl Eduard.

    Ich weiß genau, was Du meinst, genau deshalb widerspreche ich Dir: Die Tatsache, dass Du solche Artikel und Kommentare verfassen kannst und Du weder von einer Staatspolizei und der Antifa ernstlich belästigst wirst, widerlegt Dich. Zumindest Deine Behauptung, die Bundesrepublik wäre in dieser Hinsicht schlimmer als die BRD. Hier hindert dich niemand eine Antiantifa zu gründen und dich unter die Idioten zu begeben. Das nennt man Freiheit, auch und gerade die Tatsache, dass eine – nicht staatliche – Antifa existiert, ist Ausdruck dieser Freiheit. Und eben auch die Tatsache, dass Politiker dieses Phänomen nutzen, um ihre politische Macht zu weitern. In einer freien Gesellschaft herrscht aber das physikalische Prinzip: actio et reactio. Jede politische Kraft wird durch eine adäquate Gegenkraft konterkariert. Das hält die Gesellschaft im Gleichgewicht. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es die Störung dieses Mechanismus und die Gefahr, dass wir in einen autoritären Gesinnungsstaat a lá DDR abrutschen und eines Tages die Antifa als ordentliche Hilfspolizei, wie 1933 die SA, auftaucht und Dich und mich ordentlich verprügelt, weil wir wagen eine eigene Meinung zu haben.

    Es gibt keine Meinungsfreiheit. Nirgendwo. Sie ist auch deshalb nicht wünschenswert ist, weil jede Gemeinschaft Regeln, Sitten und Gebräuche braucht, die nicht immer sinnvoll, aber dennoch notwendig sind, damit das Zusammenleben möglichst gewaltfrei funktioniert.

    Den Unterschied machen die Regeln, nach welchen man Meinungsfreiheit gewährt oder einschränkt. Die DDR war ein autoritärer Willkürstaat, in dem Dir jeder Bonze das Wort im Maule drehen konnte, wenn ihm Deine Nase nicht gefiel. Ich weiß das, ich war nämlich ein SED-Bonze. So etwas wie Rechtssicherheit gab es in der DDR schlicht nicht. Es gab andere Regularien, aber sie standen immer unter dem Primat der gerade aktuellen Politik. Wer Pech hatte, der fiel durchs Rost. Das ist eine Tatsache, die Du nicht leugnen kannst. Das ist hierzurzeit noch nicht so, auch wenn ich die Gefahr sehe, dass es wieder genauso kommt und zwar durch genau die Typen, die du eigentlich zu verabscheuen meinst.

    Zu anderen scheint mir aus Deinem Text so eine Art Sehnsucht nach „geordneten“ Verhältnissen durch. Wenn ich Deine Argumentation einmal auf den Punkt bringe: private Antifa ist Scheiße, dieselben Typen im Beamtenstatus, sind dann allerdings gut. Tut mir leid, ich kann dieser Argumentation nicht folgen. Ich schätze Deinen Blog, aber hier vergaloppierst Du dich.

  10. 10 Karl Eduard 12. August 2010 um 09:29

    Das macht nichts mit dem Vergallopieren, so was muß ab und zu mal raus.

  11. 11 Prosemit 12. August 2010 um 09:35

    Ich schätze Deinen Blog, aber hier vergaloppierst Du dich.

    Hmmmm, ich bin nicht Karl-Eduard…

    Dieses Blog polarisiert. Soll es und darf es. In den Blogs, in denen wir uns tummeln, wird häufig ein spezielles Thema pointiert auf die Spitze getrieben. Das regt zur Diskussion an und das ist letztendlich der Sinn dieses und ähnlicher Blogs.

    „Wahrheit“ im Sinne einer allgemeingültigen Aussage über Zeiten und Grenzen hinweg gibt es nicht. Weder zu der häufig zitierten Kriegsschuldfrage im ersten Weltkrieg, noch zu dem Thema DDR, auch DDR 2.0 oder dem russisch-georgischen Konflikt.

    Jeder hier hat seine eigene Erfahrung mit der DDR. Als Lebensmittelpunkt, als Unrechtstaat oder als Besucher. Ich bin gegen jede „Relativiererei“. Aber die Überschrift ist korrekt.

    In der DDR wußte man, oder auch nicht, daß man in einem Willkürstaat lebte. Man konnte sich arrangieren und durchaus gut leben.

    Die BRD gibt vor, kein Willkürstatt zu sein, aber hier in der BRD traue ich mich nicht, mit meinem Realnamen zu schreiben, weil ich die Folgen kenne. Ich kann Ihre Intention nachvollziehen und ich weiß auch, wieso der Nachfahre des schwarzen Kanals diese Themen wählt.

    Freuen wir uns, daß es überhaupt solche Blogs gibt und laßt uns weiterhin kontrovers streiten.

  12. 12 Karl Eduard 12. August 2010 um 10:02

    Richtig, in der DDR hätte es dieses Blog nicht gegeben, schon weil der Blogwart nie und nimmer auf die Idee gekommen wäre, schon bei seiner damaligen ideologischen Verfassung nicht, den Arbeiter – und Bauernstaat zu kritisieren, Fehlerdiskussionen nutzen nämlich nur dem Klassenfeind, Genossen. Und die, die es gewagt hätten, hätten um ihre Gefährdung gewußt.

    HIER wird aber so getan, als ob und das „als ob“ wird propagiert und gepriesen und das ist die Steigerung gegenüber dem Arbeiter- und Bauernstaat. Daß der Staat und die Staatsmacht sagt, ja, einerseits könnt ihr gerne und andererseits wohlwollend zuschaut, wenn „Rechte bis in ihre Rückzugsräume“ verfolgt werden. Das hat ganz andere Qualität.

  13. 13 Karl Eduard 12. August 2010 um 10:03

    Da tun sich direkt Parallelen zu Kuba auf.

  14. 14 Schwarzmaler 12. August 2010 um 11:24

    Nach der NPD trifft es die Burschenschaften, dann die Katholiken. Und dann?

  15. 15 pippin 12. August 2010 um 12:58

    @Christian:

    Die Tatsache, dass Du solche Artikel und Kommentare verfassen kannst und Du weder von einer Staatspolizei und der Antifa ernstlich belästigst wirst, widerlegt Dich

    Dieses Argument ist schlicht und ergreifend falsch. Dass er von der Stasi und Antifa nicht belästigt wird ist allein dem Umstand geschuldet, dass der Blogbetreiber Anonym ist.

  16. 16 Provinzler 12. August 2010 um 13:28

    Immerhin haben wir einen toleranten Außenminister. Er toleriert die Verfolgung und gelegentliche Hinrichtung von Leuten seiner sexuellen Orientierung in einigen Staaten und verzichtet auf die Mitnahme seines Lustknabens bei Reisen in diese Länder. Da sage einer was über fehlende Toleranz in diesem unseren Land! Oder, um das Gegenbeispiel zu zeigen: Wäre Honnecker mit Mielke in solche Länder gereist? Aber, ja, die hätten sich über die Gefühle der Gastgeber rüde hinweggesetzt!

    Und was diese Toleranz kostet, besonders den Lustknaben. Wird er die Trennung von seinem geliebten Guido aushalten, wird ihn die Einsamkeit nicht traumatisieren? Kennt er den Onan und kann er sich vielleicht selber helfen? Fragen über Fragen, ich meine hier sind Sozialarbeiter und Psychologen gefordert, die ihn vor dem drohenden Trennungstrauma schützen und ihm die Stange halten.

  17. 17 Christian 12. August 2010 um 16:08

    @pippin
    Ach Unsinn. Wirklich. Es gibt nicht anonyme Blogbetreiber, die ebenfalls nicht belästigt werden. Schon gar nicht durch den Staat. Außer du leugnest den Holocaust. Hier zieht der Staat eine klare Kante. Ob man das gut findet, steht auf einem anderen Blatt. Ich will die ersatzlose Streichung der entsprechenden Paragrafen. Dieser Wille bringt mich aber noch lange nicht auf die Liste der Staatsfeinde oder macht mich zum Hassobjekt der selbst ernannten Antifa. Auch das war in der DDR ganz anders.

    Was heißt Belästigung? Ist meine abweichende Meinung schon eine Belästigung? Natürlich muss ich damit rechnen, dass wenn ich öffentlich meine Meinung äußere mir widersprochen wird, dass es Leute gibt, die mit mir plötzlich nichts mehr zu tun haben wollen, ich sogar einmal einen Geschäftspartner verliere. (Ist vorgekommen.) So ist das pralle Leben. Nichts darin bleibt folgenlos. Auch keine Meinung.

    Wer will, das Karl Eduards Identität öffentlich wird, der findet genügend technische Möglichkeiten das auch tun. Das es nicht geschieht, ist Hinweis darauf, dass die Antifa vielleicht doch nicht so stark ist, wie oft herbeigeschrieben. Der Staat hat dazu ganz andere Möglichkeiten. Wäre Karl Eduard ob seiner Meinung ein Staatsfeind, dann wäre er schon längst enttarnt. Die sogenannte Anonymität im Internet ist nichts als eine Schimäre. Vielleicht für ein paar Hacker nicht, aber Otto Eduard – entschuldige Karl Normalverbraucher – gehört mit Sicherheit nicht dazu.

    Man nehme sich die Zeit und lese die Kommentare unter dem Artikel in der taz: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/braune-erzieherin-freigestellt/. Ich jedenfalls war angenehm überrascht. Natürlich, dass die Frau ihre Arbeit verloren hat, ist ein Skandal, aber nicht vergessen: in den Siebzigern waren es Kommunisten, denen es ganz genauso erging. Das war nicht besser als das, was heute mit jenen passiert, die sich für die falsche Partei entscheiden. Wer immer gegen den Zeitgeist bürstet, muss damit rechnen das ihn die geballte Wut der konformen Mehrheit maßregelt. Genau das versteht man unter Demokratie. Die Leute, die solche Entscheidungen zu verantworten haben, sind entweder gewählt oder handeln mit Billigung und im Auftrag von Gewählten. Die Denunzianten sind schließlich Wähler und in dem Fall sogar noch gewichtige Meinungsverstärker. Sie wähnen sich in der Mehrheit.

    Immerhin, die Kommentare geben Anlass zur Hoffnung, dass es irgendwann eine Mehrheit dafür gibt, solchen Unsinn zu beenden. Aber bist dahin muss man damit leben und sich ganz genau überlegen, was man sagt und was man tut. Das sollte einem „gelernten“ DDR-Bürger nicht sonderlich schwer fallen.

    Wäre diese Republik so autoritär und so verlogen, wie hier – manchmal ein wenig übertrieben – dargestellt, so wäre die ‚Anonymität’ im Internet die erste Option, die man verbieten würde. Bestrebungen gibt es, aber immerhin auch noch jede Menge öffentlichen und vor allem legalen Widerstand dagegen. Das gab es in der DDR nicht und ich wehre mich dagegen, dass dies hier alles in einem Topf geworfen und umgerührt wird, an dem zum Schluss die DDR als das angeblich „bessere Deutschland“ wiederersteht. Wer so argumentiert wie Karl Eduard hier, der erledigt das Geschäft derer, die er angeblich nicht mag. Das mag ein Ausrutscher sein, aber einer der mich zwingt, als langer und ‚heimlicher’ Mitleser des Blogs, ernstlich zu widersprechen. Die Bundesrepublik ist noch keine DDR 2.0. Noch lange nicht und das sagt einer, der die Eingeweide der DDR aus dem Effeff kannte. Bleibt auf dem Teppich.

    Es gibt an dieser Republik viel zu kritisieren, vielleicht auch zu verbessern, aber, ich wiederhole mich, die Existenz unterschiedlicher sich mit Klauen und Krallen bekämpfender Meinungen gehört mit einiger Sicherheit nicht dazu. Ich will weder eine rechte, noch eine linke Meinungsdiktatur. Dann dies wäre die einzig zur Verfügung stehenden Alternativen.

  18. 18 Christian 12. August 2010 um 16:59

    @Karl Eduard
    Niemand tut so „als ob“. Jeder kennt den Rubikon, durch den der Zeitgeist fließt. Jeder der diesen Fluss überschreitet, ob nun anonym oder nicht, kann nicht damit rechnen, ungeschoren davon zu kommen. Mag sein, dass der eine oder andere Zeitgenosse einen solchen Eindruck zu erwecken vermag. Aber es ist blauäugig Sonntagsreden für bare Münze zu nehmen.

    Es gibt in jedem Staat einen Verfassungsanspruch und eine diesbezügliche Wirklichkeit: Willst Du behaupten, dass die in der DDR weniger auseinanderklafften als in der Bundesrepublik? Nach der DDR Verfassung waren wir alle absolut freie Bürger, die Wirklichkeit freilich sah ganz anders aus. Das war verlogen. 1989 – Alexanderplatz: Wie hieß gleich noch die Losung der Demo? Richtig, „Gegen Gewalt und für verfassungsmäßige Rechte; Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit“.“

    Jetzt Du: In welchem der beiden deutschen Staat klafften Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander? Oder warum hat die DDR das Zeitliche gesegnet und nicht die Bundesrepublik?

    Es gibt Politiker, welche die hehren Grundsätze einer Verfassung mit der Muttermilch eingesogen haben. Das sind die Großen. Es gibt Politiker, die solche Grundsätze nicht einmal kennen. Das sind die Arschlöscher. Wir werden von Arschlöschern regiert, weil die in der Mehrheit sind. Ja nun? Woher sollen wir die Großen nehmen. Backen können wir die nicht. Sie sind die Ausnahmen, der Rest ist die Regel. So ist das Leben. Es war immer schon so und so wird es bleiben. Bis in alle Ewigkeit. Ahmen. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

    Trotzdem, jeder hat das Recht nicht nur seine Meinung zu äußern, sondern sie auch nachhaltig zu vertreten. Er kann, wenn er es für notwendig hält, auch zivilen Widerstand gegen andere, ihm nicht genehme Meinungen leisten. Ob die Form gerechtfertigt ist, darüber mögen die Gerichte entscheiden. Noch entscheiden sie auch mal für die politisch unkorrekte Gegenseite, also die, die wie wir, gegen den Zeitgeist bürsten. Zumindest manchmal. Aber das mehr als ich einem politischen Gegner in der DDR zugestanden hätte.

    Das ist nicht nur im Politischen so, sondern auch im Privaten. Einen Freund die Meinung zu ‚geigen’, heißt manchmal auch eine Freundschaft zu beenden. Mehr noch, sich vielleicht einen unerbittlichen Feind zu schaffen, der nicht nur schlecht über dich redet, sondern dir auch allerlei tätliche Unangenehmheiten bereitet. Genauso ist das Leben, genauso sind Menschen nun einmal veranlagt. In solchen zwischenmenschlichen Kalamitäten hilft Dir weder ein Gericht, noch ein Staat wirklich weiter. So etwas muss man schon selber klären.

    Dass das Staatsschiff gegenwärtig nach Backbord kränkt – ja sicher, da gehen wir konform. Die Trimmlage muss man korrigieren.

  19. 19 LePenseur 12. August 2010 um 18:06

    @Christian:

    Bevor ich auf Ihre Postings jetzt im Detail eingehe … Sie haben natürlich mit vielen Bemerkungen recht — nur den entscheidenden Punkt, in dem Sie unrecht haben, illustriere ich am besten durch ein Beispiel:

    Erhitzt man ein offenes Gefäß mit Wasser auf, sagen wir, 90°C und wirft einen Frosch hinein, so wird der Frosch dadurch nicht getötet. Der hüpft nämlich (möglicherweise mit Verbrühungen, aber das heilt wieder) blitzartig raus und bringt sich in Sicherheit. Auf diese Weise können Sie keine Frösche kochen.

    Wenn Sie das wollen, dann setzen Sie vielmehr Frösche in kaltem Wasser auf und erhitzen es gaaanz langsam. Die Frösche gewöhnen sich dadurch an immer höhere Temperaturen, und bevor sie aus dem vertrauten Element flüchten, bleiben sie darin sitzen, und werden immer matter, fluchtunfähiger. Bis sie totgekocht sind.

    So ist es mit unserer „Demokratie“. Ja natürlich, in der Gummizelle irgendwelcher Blogs herrscht heute mehr „Freiheit“, als sie in (hypothetischen) Blogs in der DDR geherrscht hätte. Aber versuchen ie bloß nicht, etwas tatsächlich ändern zu wollen (oder auch bloß so zu wirken, als wollten Sie’s). Dann können Sie gleich den Fallschirm im Flug abschnallen, wie Möllemann. Das geht nämlich schneller — für Sie, nicht für etwaige Hinterbliebene. Denn die werden (gaaanz human, natürlich, ohne Verhaftung, nur per Steuerbescheid, Hausdurchsuchung, sozialer Ächtung, hämischer Systemmedien-Sudelkampagne — ach, da gibt’s so viele Möglichkeiten!) in Sippen- und Beugehaft genommen, damit niemand, der das vorgeführt bekam, je auf den blöden Gedanken kommt, es etwa selbst zu versuchen.

    Und jetzt beantworten Sie mir mit gutem Gewissen die Frage: was ist die hinterhältigere (und leider auch effizientere) Methode, Menschen ihrer Würde und Freiheit zu berauben? Für mich ist die Antwort evident …

    P.S.: ich bin alt genug und unbedeutend genug, daß ich davon ausgehen kann
    1. bereits auf natürliche Weise tot zu sein, bevor die Temperatur im Topf unerträglich ist, und
    2. bis dahin wohl eher als seniler querulatorischer Spinner, denn als echte Gefahr fürs System angesehen zu werden.

    Leid tun mir bloß die Jungen, die im Topf sitzen und zu Tode gekocht werden.

  20. 20 pippin 12. August 2010 um 18:26

    @LePenseur:

    Das Gleichnis klingt gut, das mit dem Frosch stimmt allerdings nicht. Hab ich erst neulich an einem Exemplar ausprobiert.

  21. 21 LePenseur 12. August 2010 um 19:35

    @pippin:

    Das Gleichnis klingt gut, das mit dem Frosch stimmt allerdings nicht. Hab ich erst neulich an einem Exemplar ausprobiert.

    Roher Mensch! 😉 Oder sind Sie Franzose? Das würde zwar alles erklären, aber nichts entschuldigen ….

  22. 22 Alfons Huber 12. August 2010 um 19:59

    Die Hilfsnazis potenzieren sich je weniger echte Nazis es in Wirklichkeit gibt.

  23. 23 Tigerentenzersäger 13. August 2010 um 05:34

    Demnach wirken Nazis homöopathisch?


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