Archiv für 15. August 2010

Gefeiert wie Lena Meyer Dingens

Nur nachhaltiger, würde ein Politikschwätzer sagen. Nachdem Lutz Battke, der Verderber der zweiten deutschen Demokratie in Sachsen – Anhalt, nicht nur ein Studentenlied und die Reichsfarben mißbraucht hat, wie vor ihm Adolf Hitler und die SS, was sie auf Ewigkeiten besudelt, die Lieder und Farben, müssen wir nun schmerzvoll erfahren, auch ein gewisser  von Blücher wurde nach seinem Tode von nationalsozialistischen Zeitungsschmierern vergewaltigt, Blücher sollte umgehend seinen Marschallstab abgeben und sich eine Kugel in den Kopf jagen! Zeit wird es. Aber nicht vergessen, noch schnell eine SMS senden. Eisenbahn ist übrigens auch Autobahn.

Marschall Vorwärts und „seine“ Lokomotive. Am 15. August 1814 – vor 125 Jahren – wurde Stephensons erste Lokomotive mit dem welthistorischen Namen „Blücher“ in den Killingsworther Kohlegruben in Dienst gestellt. Dieses Ereignis rechnet nicht nur in der Geschichte der Technik zu den wichtigsten Taten, sondern weist auch, was den Namen dieses ersten betriebsfähigen Dampfrosses anlangt, auf jene denkwürdige Englandreise Blüchers im Jahre 1814 hin. Unter den Ehrungen, die dem preußischen Feldmarschall Blücher, dem Besieger Napoleons, bei seinem Aufenthalt in England im Sommer 1814 zuteil wurden, gehört die Tatsache, daß damals der geniale Stephenson seine erste Lokomotive auf den Namen „Blücher“ taufte, zu den am wenigsten bekannten. Denn nicht einmal Blücher selbst erwähnt sie in seinen Briefen, jenen orginellen Dokumenten einer Persönlichkeit, bei der die Tat viel höher stand als das Wort – von der Rechtschreibung ganz zu schweigen! Schade! Ein Satz wie etwa der:  „sogar eine teuflische Dampfmaschine haben die nerrische Engellender nach mich genannt“ hätte in dem Geschichtsbuch der Technik sicher einen besonderen Ehrenplatz bekommen. „Wenn das so fort geht …“ Da wir mit einem solchen Satz hier also nicht aufwarten können, müssen wir uns damit begnügen, in einigen anderen Blücher – Zitaten den Hintergrund zu schildern, vor dem sich die historische Lokomotivtaufe abgespielt hat.

Die  Bemerkung des Grafen Schwerin, daß Blücher schon mit heftigen Handschmerzen in London angekommen sei, erfährt ihre Bestätigung durch einen bereits aus Boulogne geschriebenen Brief  Blüchers an seine Frau, wo es an einer Stelle heißt: „Die Engellender kommen hier zu hunderten, um mich zu sehen und jedem muß ich die Hand geben und die Damen machen mich förmlich die Cour, es ist das nerrischste Volk, was ich kenne … Wenn das so fort geht, werde ich in Engeland verrückt.“ Und – es ging so fort: Gestern bin ich in Engeland gelandet, aber ich begreife nicht, daß ich noch lebe, das Volk hat mich beynahe zerrissen. Man hat mich die Pferde ausgespannt und mich getragen, so bin ich nach London gekommen …“, heißt es in dem nächsten Brief an „Malchen“, die Gattin des Feldmarschalls.

Doktor und Apotheker … Selbstverständlich wurden dem armen Marschall Vorwärts in England neben zahllosen sonstigen Ehrensachen, brillanten – geschmückten Königsbildern und Prachtschwertern auch mancherlei Ehrentitel verliehen: man machte ihn zum Ehrenmitglied gelehrter Gesellschaften, er wurde in die verschiedenen Londoner Klubs aufgenommen und so fort. Als er von der Universität Oxford zum Doktor der Rechte ernannt wurde, sagte Blücher, als er davon erfuhr: „Na, wenn ich Doktor werden soll, so müssen sie den Gneisenau (Blüchers Generalstabschef während des Feldzuges 1813/14) zum Apotheker machen, denn er hat die Pillen gedreht.“

Das Wichtigste – die Schienen. Was aber hatte es nun mit der ersten Stephenson – Lokomotive, die ihren Namen der oben geschilderten „Blücher – Begeisterung“ verdankt, auf sich? Daß es nicht die erste Lokomotive überhaupt war, ist bekannt. Jedoch wurde erst durch Stephenson das Dampfroß zu dem gemacht, was es nach dem Willen des genialen „Eisenbahners“ sein sollte: zu einer wirklich leistungsfähigen Zugmaschine, die imstande war die Leistung von Zugtieren nicht nur zu ersetzen, sondern sie auch zu übertreffen. Und das war damals durchaus keine Selbstverständlichkeit! Wurden doch noch Jahrzehnte später, als es bereits größere Eisenbahnstrecken gab, diese teilweise im „gemischten Betrieb“, das heißt, mit Dampflokomotiven und mit Pferdevorspann befahren. Zur leistungsfähigen Zugmachine aber wurde die Stephensonsche Lokomotive nun nicht durch irgendwelche grundsätzliche Neuerungen an dem Prinzip der Dampfmaschine selbst, sondern durch die Verbesserung der – Schienen.

„… wie Mann und Weib!“ Für die gußeisernen Schienen, die vor allem im Bergwerkbetrieb damals verwendet wurden, waren nämlich die Dampflokomotiven viel zu schwer. Und so war es gekommen, daß die Schienen sehr bald entzweigingen. Und das brachte auch die erste Lokomotive in Mißkredit! Dann aber  kam Stephenson. Er ersetzte nicht nur die gußeisernen Lokomotivräder durch schmiedeeiserne, sondern verbesserte auch die Schienen derart, daß sie brauchbarer und haltbarer wurden. „Schienen und Räder gehören zusammen wie Mann und Weib“ soll er einmal gesagt haben. Und so entstand durch die unermüdliche Arbeit Stephensons aus der lange Zeit hindurch für verwirklichungsfähig gehaltenen Lokomotiv – Idee endlich die Tat: die Dampfeisenbahn. Nicht der Erfindung einer Lokomotive, sondern ihrer praktischen Verwendbarmachung verdankt also Stephenson seinen Erfinderruhm, den er damals, im Jahre 1814, mit seiner ersten Lokomotive „Blücher“ zu begründen sich anschickte. H.K. WIENER NEUESTE NACHRICHTEN. 15. August 1939.

Unglaublich, wie in diesem Text die praktische Verwertbarkeit von Erfindungen hochgejubelt wird. Ich meine, da haben wir Windkraftanlagen, die bei Windstille keinen Strom produzieren aber wir haben sie! Da haben wir Solarparks, die im Dunkeln keine Energie erzeugen aber wozu braucht man Energie im Dunkeln, wo man doch schlafen sollte! Da haben wir Elektroautos, die halten ganze 50 km mit einer Batterieladung durch und fahren so schnell, wie früher die Postkutschen – was für ein Fortschritt! Und verbrauchen nicht mal Hafer und Stroh. Und nicht zuletzt haben wir professorale  – logen und – loginnen, die haben überhaupt keinen Nutzen, außer für sich selbst, doch erhalten sie Geld von den Arbeitern, Angestellten und Angehörigen der Bauernschaft und werktätigen Intelligenz.  Ich meine, diese ganze Praxistauglichkeit, die wird doch arg überschätzt. Oder?

Das Lied vom Feldmarschall – Ernst Moritz Arndt

Ueber Kriegspsychose entsetzt

Neuyork. 18. August. (1939) Die „Neuyork Times bringt aus Berlin ein Interview mit dem in der Reichshauptstadt eingetroffenen Kongreßmitglied Hamilton Fish, dem Leiter der USA-Abordnung für die Tagung der interparlamentarischen Union in Oslo. Fish erklärte danach, einige leitende Mitglieder der französischen Regierung seien der Ansicht, daß der Krieg in Europa nicht eine Frage von Monaten, sondern nur von Wochen sei. Er selbst, Fish, glaube das aber nicht, sonst wäre seine Familie nicht hier. Fish fuhr fort: „Ich bin absolut entsetzt über die Kriegspsychose, die ich in Frankreich und England, besonders aber in Frankreich vorfand, Diese Psychose hat ebensosehr das Volk ergriffen, das ganz gegen den Krieg ist, wie die Regierungskreise, bei denen überhaupt jegliches Friedensprogramm zu fehlen scheint. Diese Kreise nehmen eine defaitistische Haltung hinsichtlich des Friedens ein und halten den Krieg für unvermeidlich.“ Fish fuhr fort: Statt zu versuchen, das Danzig – Problem mit friedlichen Mitteln zu lösen, sind die beteiligten Regierungen anscheinend in eine Sackgasse geraten. Der einzige Ausweg sei, falls die bedauerliche Stockung einhalte, der Krieg. Ihm, Fish, scheine es aber unfaßbar, daß die Danziger Frage nicht ohne Waffen gelöst werden könne. Je mehr er von Europa sehe, desto überzeugter werde er davon, daß die Politik der Vereinigten Staaten korrekt wäre, wenn sie sich von allen ausländischen Verwicklungen und Kriegen fernhalte. Er bedauere die Tatsache, daß die USA-Regierung, also die Regierung einer großen neutralen Nation, inmitten dieser Weltkrise, die die Zivilisation selbst wankend machen könne, keinen Botschafter in Berlin habe. Es sei der Gipfel der Stupidität. FREIBURGER ZEITUNG.

Paris, 14. August. Die Pariser Presse schreibt, der sogenannte „Nervenkrieg“ sei in seine letzte  Phase eingetreten, und die kommenden Tage würden den Höhepunkt der Spannung bringen. Man verkenne nicht die Stärke, die Hilfsquellen, und den militärischen Wert der Achsenmächte. Man wisse, Frankreich würde im Kriegsfall tödliche Schläge erhalten, man wisse aber auch, daß es diese Schläge zurückgeben wolle.   Das englisch – polnische Bündnis   London, 14. August. Die englischen Blätter schreiben, der englisch – polnische Bündnisvertrag werde wahrscheinlich bald unterzeichnet. Wie „Preß – Assoziation“ meldet, hat der polnische Botschafter in London der britischen Regierung ein Memorandum überreicht, das den polnischen Standpunkt zu dem geplanten formellen Bündnis zwischen England und Polen enthält. Wahrscheinlich würden die Verhandlungen in kurzer Zeit fällig. DAS KLEINE BLATT.

Aus dem Film


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