Was die Grossmama noch wußte

Nicht aber heutige deutsche Politiker, weil die im Zuge des Einschleppens und der Vermehrung von Massen von Analphabeten immer dümmer geworden sind. Die meisten haben nichts gelernt als Parteiarbeit und glauben inzwischen den Inhalt ihrer eigenen Propaganda. … Es ging um die Frage, ob gemäß dem ursprünglichen Beschluss der Siegermächte des Ersten Weltkrieges Oberschlesien zur Gänze an Polen fallen oder im Deutschen Reich verbleiben solle. Auf massiven deutschen Druck im gesamten Reich und speziell in Oberschlesien – allein in Oppeln demonstrierten am 10. Mai 1919 15.000 Menschen, die Hälfte der Bevölkerung, für das Selbstbestimmungsrecht – hatten die Alliierten im Versailler Vertrag den Betroffenen schließlich die Möglichkeit zugestanden, „im Wege einer Abstimmung bekanntzugeben, ob sie mit Deutschland oder Polen vereinigt zu werden wünschten“ (Art. 88).

Sofort setzten im oberschlesischen Abstimmungsgebiet massive Bemühungen sowohl von deutscher als von polnischer Seite ein, die Bevölkerung zum Votum für den Anschluss an Polen bzw. für den Verbleib im preußischen Staat zu bewegen. Eine französisch-englisch-italienische „Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission“ (IK) übernahm am 11.Februar 1920 die Landeshoheit in Oberschlesien, um die Propagandaaktionen im Vorfeld der Abstimmung zu überwachen. …

Gegenspieler auf polnischer Seite, der ehemalige Reichstagsabgeordnete Adalbert (Wojciech) Korfanty, bediente sich dagegen auch gewalttätiger Mittel. Mit Hilfe paramilitärischer, von der Regierung in Warschau unterstützter Verbände versuchte er, die Deutschland zugetane Bevölkerung gerade in den grenznahen Gebieten einzuschüchtern. Er war der wesentliche Initiator zweier polnischer Aufstände im August 1919 und 1920; sie sollten die oberschlesische Bevölkerung mit Terror und militantem Druck zu einer Abstimmung für Polen bewegen. Die polnische Seite wusste, dass sie unter normalen Bedingungen in einer Volksabstimmung nicht obsiegen konnte.

Als diese dann am 20. März 1921 erfolgte, entschieden sich knapp 60 % der von Oberschlesien abgegebenen Stimmen für den Verbleib bei Deutschland … Trotzdem wurde die Entscheidung über die staatliche Zugehörigkeit Oberschlesiens schließlich von einer Kommission des Völkerbundes in Genf im Oktober 1921 getroffen: Oberschlesien wurde geteilt. … Die wirtschaftlich wertvollsten Gebiete in Ostoberschlesien mit ca. 45 % der Bevölkerung (knapp 1 Million Menschen), ca. 90 % der Steinkohlevorräte und 75 % der Industrieanlagen fielen an Polen.

… Die Lage in Oberschlesien ist nach wie vor sehr ernst. Von irgendeiner Besserung durch das Eingreifen der interalliierten Kommission kann keine Rede sein. Eine erfreulich entschieden gehaltene  deutsche Note, ein das himmelschreiende Unrecht gegen die Deutschen kennzeichnender, erschütternd wirkender Notschrei der oberschlesischen Parteien an General Lerond haben neben anderen Kundgebungen unzweifelhaft dargetan, daß das von deutschen und polnischen Führern abgeschlossene Abkommen die erhoffte Entspannung nicht gebracht hat und nicht bringen konnte, weil die Polen sich im Gegensatz zu den Deutschen um das Abkommen nicht kümmerten.

Korfanty predigte mit seinem Aufrufe an seine Landsleute, wenn er überhaupt ernst gemeint war, tauben Ohren. Ruhe und Ordnung stehen nur auf dem Text des Abkommens, die Vergewaltigungen dauern fort und die polnischen Aufständischen denken nicht daran, die mit Gewalt erzwungene Macht aufzugeben, ja man spricht schon wieder von neuen Putschabsichten, die der räumlichen Ausdehnung des polnischen Machtbereichs in Oberschlesien dienen sollen. Man will offenbar im ganzen Abstimmungsgebiet eine vollendete Tatsache schaffen und dem Abstimmungsergebnis, vor dem man sich fürchtet, vorbeugen.

Die interalliierte Kommission aber, wenigstens ihr Kern und ihr einflußreichster Teil, die Franzosen, sehen der Recht – und Wehrlosmachung der Deutschen nicht nur tatenlos, sondern sie offen und heimlich begünstigend, zu. Täglich werden dabei neue Mordtaten, neue Gewaltakte bekannt. Die neugebildete Abstimmungspolizei, die dem erwähnten Abkommen entspricht, wird von den schlimmsten Terror ausübenden Polen genau so verjagt, wie die frühere Sicherheitspolizei.

Ebensowenig hat sich in der Haltung der Franzosen etwas geändert. Die französischen Truppen und ihre Führer begünstigen nach wie vor den polnischen Terror. Dieses brutale Vorgehen der Polen und Franzosen kann schließlich nur damit enden, daß den deutschen Oberschlesiern das Selbstbestimmungsrecht durch gemeine Gewalt geraubt wird. Die deutsche Reichsregierung hat eine Note an die Entente gerichtet, in der sie eine wirklich neutrale Untersuchung der Zustände in Oberschlesien fordert. Die Botschafterkonferenz hat diese Forderung ohne weiteres abgelehnt. … FREIBURGER ZEITUNG, SONNTAG, 12. September 1920.

Bild: Aus den WIENER BILDER, 12.09.1920: „Der Kampf um unser Deutschtum.“ „Oberschlesien muß Deutsch bleiben“ Eine Berliner Demonstrationsversammlung für das bedrängte Land. Plakate: „Wollt Ihr nicht frieren – unterstützt Oberschlesien.“ „Helft den bedrängten Oberschlesiern.“

19 Jahre danach werden diese Gebiete für Deutschland zurückgewonnen. Durch Krieg. Was natürlich absolut falsch ist. Wegen der unedlen Motive. Lebensraum und so und der arischen Gene, die es ja zum Glück nicht gibt, wie es Gene überhaupt nicht gibt, es ist nur die Hysterie der Genmaisgegner, die uns das einreden will.  Hingegen ist es richtig, wenn, zum Beispiel,  ein demokratischer Präsident Georgiens und enger Freund der NATO, gut 20 Jahre nach Abfall der georgischen Provinz Südossetien, diese mit Waffengewalt zurückzuerobern versucht, in dem er die Bewohner der südossetischen Hauptstadt aus den Betten schiesst.

Da zollen wir Beifall und bangen und zittern, wenn anschliessend russische Panzer fliehende georgische Truppen nach Georgien hinein verfolgen. Frau Bundeskanzlerin höchst selbst hat damals die russische Aggression in Georgien verurteilt. 1944 hätte sie wahrscheinlich die Landung der Alliierten in Frankreich verurteilt, weil sie den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht versteht. Obwohl der Vergleich hinkt.   Solche Sachen zu vergleichen, sollte übrigens verboten werden. Denn wie geschrieben, der eine war Demokrat und der andere Diktator. Schon deshalb ist es ein Unterschied. Nicht aber für die Toten und Verkrüppelten. Denen ist es egal.

Bomben auf Zivilisten

10 Responses to “Was die Grossmama noch wußte”


  1. 1 Prosemit 12. September 2010 um 07:19

    Kompliment Karl-Eduard!

    Wenn man etwas an der Öberfläche kratzt, was man als in der Matrix Lebender natürlich nie machen darf, denn das ist den Deutungshoheitlern der öffentlichen Presse vorbehalten, kommt man ganz schön in den Dreck. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nun, es ist kein echter Dreck, es ist der aufgehäufte Unrat der offiziellen Lesart, die verhindern soll, dass man sich mehr mit der Geschichte beschäftigt. Denn das verschmutzt einen und macht einen nicht nur äußerlich braun.

    Ich schätze dieses Blog wegen der Sprache des Blogwartes und seinem unerermüdlichen Bemühen, Quellen auch dem zugänglich zu machen, der die Nazischrift nicht beherrscht.

    Nein, es ist kein Revanchismus, wenn man sich bemüht, Zusammenhänge deutlich zu machen und es relativiert auch nicht die Ideologie des Nationalsozialismus, wenn man darauf hinweist, dass bei Deutschlands Nachbarn ganz ähnliche Strömungen en vogue waren. Bis hin zur Euthanasie, die bereits in den USA und Schweden diskutiert und wohl auch praktiziert wurde, bevor man im Kaiserreich dafür überhaupt einen Namen hatte.

  2. 2 Karl Eduard 12. September 2010 um 07:25

    Danke. Dieser Blogwart lernt selber beim Lesen dazu und muß die Anerkennung hier einmal zurückgeben, denn es ist der geschätzte Prosemit, der auf viele Quellen verweist.

    Und nein, die Familie des Blogwarts hat da keine Güter oder Anwesen, die es heimzuholen gilt. Es interessiert ihn nur. 😀

  3. 3 Prosemit 12. September 2010 um 07:54

    Was vielleicht zu selten bedacht wird.

    Oberschlesien, Lothringen und das Saargebiet eint die Tatsache, dass sie die arabischen Ölfelder des ausgehenden 19. und angehenden 20. Jahrhunderts waren.

    Die Bedeutung der Kohle für die damals wachsende Industrie kann nicht genug betont werden. Sie war mindestens ebenso wichtig, wie heute Öl und Gas.

    Sowhl Frankrech versuchte mit buchstäblich aller Gewalt die deutschen Kohlereviere im Westen in die Hand zu bekommen – die Kohleförderung im französischen Kernland war praktisch nicht existent!

    Un Polen wollte natürlich ebenfalls die Kohlereviere besitzen und die Häfen zur Ostsee haben.

    Die politischen Interessen der damaligen Kriege waren natürlich wirtschaftliche Interessen. Etwas, was sich Otto Normalverbraucher heute nicht einmal mehr vorstellen mag.

  4. 4 Prosemit 12. September 2010 um 07:57

    Aus Wikipedia, das ich in dem Fall problemlos zitieren kann 😉

    Das Oberschlesische Industriegebiet (polnisch: Górnośląski Okręg Przemysłowy) ist das wichtigste Industriegebiet Polens. Es ist das Zentrum des polnischen Steinkohlebergbaus und der Schwerindustrie (16,8 % der Landesproduktion). und verfügt über 98 Prozent der Steinkohle- und 53 Prozent der Roheisenvorkommen Polens.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesisches_Industriegebiet

  5. 5 Prosemit 12. September 2010 um 08:09

    In dem Zusammenhang darf ich auf ein Buch von Professor Wilhelm Fucks verweisen. „Formels zur Macht“.

    In diesem Buch versucht Fucks den Nachweis der Entwicklung von Staaten durch ihre Kohle und Stahl Produktion vorherzusagen. Und er sagt den Aufstieg Chinas zur Weltmacht und den Verfall der UDSSR 1965 voraus. Seit diesem Zeirpunkt beschäftigt mich die Thematik. Zwangsläufig, denn Professor Fucks war einer meiner geschätzten Lehrer.

    Lesenswert eine Rezension dieses Buches, die ein gewisser Helmut Schmidt schrieb. Natürlich ein Verriss. 😉

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265401.html

    Aus der Rezension von Schmidt :

    Fucks stellt Malthus auf den Kopf und kombiniert ihn mit plattem ökonomischen Materialismus, um das politische Schicksal der Menschheit zu weissagen. Der Geburtenüberschuß regiert die Geschichte. Primitiver geht es kaum – trotz aller Kompliziertheit der angewandten Extrapolations- und Analogierechnungen.

    Fucks war Helmut Schmidt an politischer Weitsicht haushoch überlegen…

  6. 6 Karl Eduard 12. September 2010 um 08:37

    „Die politischen Interessen der damaligen Kriege waren natürlich wirtschaftliche Interessen. Etwas, was sich Otto Normalverbraucher heute nicht einmal mehr vorstellen mag.“

    Doch, immer dann, wenn Amerika irgendwo die Demokratie einführen will. Dann wissen alle sofort Bescheid.

  7. 7 Hessenhenker 13. September 2010 um 01:31

    Großmütter gibt es nicht mehr,
    die einzige aus den Medien bekannte Oma ist: Claudia Roth!

  8. 8 Anna Luehse 13. September 2010 um 10:35

    „…und der arischen Gene, die es ja zum Glück nicht gibt, wie es Gene überhaupt nicht gibt…“

    Da muß ich aber ausnahmsweise kräftig widersprechen. Unsere miesen Gene lassen wir uns nicht nehmen – sollen die anderen Völker suchen, ob sie etwas finden, wir haben schon.

    Nachdem Goldhagen unsere bösen Gene bereits „wissenschaftlich“ belegt hat und dafür von Helmut Kohl ausgezeichnet worden ist, hat auch der andere, nämlich Helmut Schmidt unser Nazi-Gen bestätigt: Bis heute misstraue er den Deutschen, weil er davon ausgehe, dass „es irgendwelche Gene geben muss, die hier eine Rolle spielen“. Fritz Stern weist das empört als „biologistische, fast rassistische “ Erklärung zurück, aber Schmidt insistiert: „Nennen Sie es eine ererbte Eigenschaft … Wenn Sie die mit dem Wort Gen verbundenen Konnotationen vermeiden wollen, nennen Sie es eine Prädisposition.“

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0910/feuilleton/0048/index.html

  9. 9 Prosemit 13. September 2010 um 10:59

    Noch einmal Fucks…

    Fucks war Physiker, zu dieser Zeit einer der einflußreichsten Physiker. Abseits von diesem Gebiet beschäftigt er sich mit Mathematik und Statistik. Ein äußerst vielseitiger Kopf.

    Er war der Begründer des Quantitativen Literaturwissenschaft, die in einfachen Worten, statistische Methoden anwendet, um die Urheberschaft alter Texte zu evaluieren.

    Man kann in Texten über das Verhältnis verschiedener Wortgruppen sehr präzise ermittel, ob zwei Texte von einem Schreiber stammen oder nicht. Fuchks war ein Pionier. Er nutzte die ersten großen IBM Rechenmaschinen abseits der damaligen Pfade.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Quantitative_Literaturwissenschaft

    Wer die folgenden Bücher von Professor Fucks antiquarisch findet, sollte sie kaufen. Keiner kennt mehr diese zum Teil grundlegenden Werke.

    # Formeln zur Macht. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965

    # Nach allen Regeln der Kunst. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1968

    # Mächte von Morgen. Kraftfelder, Tendenzen, Konsequenzen.. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1978. ISBN 3-421-01844-8.

    Obendrein ist es interessant, Prognosen eines Visionärs mit der Realität Jahrzehnte später zu vergleichen.

    Fucks verstand wenigsten im Verhältnis zu unserer heutigen Vorzeigefüsikerin Zahlen

  10. 10 netzwerkrecherche 13. September 2010 um 11:03

    Wenn für Schmidt „der ganze Prozess“, der zum Erfolg des Nationalsozialismus in Deutschland führte, noch immer „ein völliges Rätsel“ ist, dann scheint er mit diesen Genen nicht bestückt zu sein. Irgendwo müssen sie aber stecken. Ich vermute, bei Claudia Roth, Petra Pau, Wolfgang Thierse und all den anderen willigen Vollstreckern einer Doktrin.

    Gene hin oder her – es gibt zumindest bei den Deutschen die seltsame Eigenart, eine Sache fanatisch und kompromißlos bis zur eigenen Selbstvernichtung durchzuführen, wenn sie ihnen einmal als glorreiche und allbeglückende Idee eingeimpft wurde. Oder, um mit Richard Wagner zu sprechen: „Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.“


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