Archiv für 15. September 2010

Sputnikverbote

Wer erinnert sich noch an das Sputnik – Verbot? Also, jetzt nicht das Verbot dieser metallenen Kugel, die Funksignale an den imperialistischen Klassenfeind aussendete und damit rief „Ich bin schon hier!“ Sondern an das Verbot dieser kleinformatigen sowjetischen Hochglanzbroschüre von gut 100 Seiten, die in das Leben der DDR – Bürger einen Hauch der Welt da draußen brachte, mit wunderbaren Landschaften, exotischen Tieren, fröhlich arbeitenden Arbeitern, Kolchosbauern und Ingenieuren, Berichten auch aus nichtsozialistischen Staaten, zum Beispiel Finnland,  und Nachrichten, die in den Medien der Deutschen Demokratischen Republik keine Rolle spielten. Wie der Afghanistankrieg, Glasnost und Perestroika, was damals mit Offenheit übersetzt wurde, Glasnost. Über die real existierenden Mängel des real existierenden Sozialismus zu sprechen, war aber nicht im Interesse der Verwalter des real existierenden Sozialismus, so wie heute über die Mängel der Zuwanderung und Integration zu sprechen, nicht im Interesse der Verwalter der Bundesrepublik Deutschland ist. Jemand könnte ja auf den Gedanken kommen und rufen: „Aber er hat ja gar nichts an!“ Der Sozialismus oder der vielgelobte Integrationsprozess. Demzufolge wurde von der Partei – und Staatsführung der Deutschen Demokratischen Republik auch der „Sputnik“ verboten, der an den Kiosken der Arbeiter – und Bauernrepublik sowieso Mangelware war. Niemand sollte anderes lesen, als die offizielle Lesart der Zeitgeschichte, wie sie DIE PARTEI vorgab.

Diese Linie fährt  der  Innenminister Sachsen – Anhalts konsequent weiter. Er, dessen Karriere als Politoffizier der Nationalen Volksarmee, der Deutschen Demokratischen Republik, durch die Wende jäh beendet wurde, stellte  am Dienstag die Bröschüre „Rechte Spuren im Netz“ vor,  … Pädagogen soll damit laut Hövelmann ein Leitfaden gegeben werden, wie sie erkennen können, ob ihre Schüler ‚den rechtsextremen Rattenfängern auf den Leim gegangen sind‘. … Doch es würden auch Tipps gegeben, wie das Anklicken rechtsextremer Internetseiten auf Schulrechnern zu verhindern sei oder mindestens erschwert werden könne.

Wie man leicht erkennen kann, wurde zwar der Ausbildungsgang Holger Hövelmanns unterbrochen, seiner Passion als Politoffizier, der dafür zu sorgen hat, daß seine Unterstellten, hier die Einwohner des Landes Sachsen – Anhalt, immer getreulich auf dem Pfade des Marxismus – Leninismus wandeln, darf er aber ungehindert nachgehen. Und das ist es doch, was uns am Rechtsstaat so fasziniert. Die Unbekümmertheit, wie Vertreter desselben ihn abschaffen und niemand der Verteidiger der Meinungsfreiheit fragt einmal nach. Wobei natürlich jeder seine Meinung im Internet frei schreiben darf, eingeschränkt vom Grund – und Strafgesetzbuch, es steht aber nirgends, daß man sie auch lesen können muß. Wenn ein „Sputnik“ nirgends erhältlich ist, dann ist auch der Bürger vor dessen Inhalt geschützt. Man darf eben die Erfahrungen der Deutschen Demokratischen Republik nicht nur schematisch übernehmen, sondern da, wo man sie braucht.

Als nächsten Schritt hat das Innenministerium die Verteilung von Augenbinden und Ohrenstöpseln vorgesehen. Ein genauer Zeitpunkt wird noch bekanntgegeben.

Noch eine Nazizeitung

Father Reichenberger: „Kein doppeltes Recht“. (hvp) Unter Bezugnahme auf die Erklärung von Präsident Truman zu den Massendeportationen in Ungarn weist Father Reichenberger in der kanadischen Zeitung „Der Courier“ darauf hin, daß diese Deportationen sogleich in einem Unter – Ausschuß der UNO erörtert wurden, während über die Massenaustreibungen der Deutschen in der Nachkriegszeit immer noch der „Mantel des Schweigens“ gebreitet wird. Präsident Truman habe die Deportationen als eine Verletzung der Menschenrechte und der Grundlagen der Sittlichkeit bezeichnet. Damit aber habe der Präsident „selber das Urteil über die Massenaustreibungen von Potsdam gesprochen“, denn es gebe kein doppeltes Recht und keine doppelte Moral. Man könne die Austreibung der Deutschen nicht anders beurteilen als die jetzigen Deportationen in Ungarn. Potsdam aber trage auch amerikanische Unterschrift. Anschliessend weist Father Reichenberger auf das neue Weisbuch: „Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen“ hin. SUDETENDEUTSCHE ZEITUNG 15. Sept. 1951.

Man darf wohl zu Recht vermuten, daß die Vertriebenen, die nach Deutschland kamen, zu den ersten Aufbauhelfern nach dem II. Weltkrieg gerechnet werden müssen, auch wenn das jetzt sehr kulturunsensibel klingt, gegenüber den Anhängern des Christian Wulff, die nicht müde werden, in den lebhaftesten Farben zu schildern, wie sehr sie Deutschland geprägt haben, so sehr, daß die Deutschen wie aus von einer feindlichen Macht befallenen Gebieten fliehen.


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