klerikale Antidemokraten

In Leipzig, so schreibt die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG, hat eine „Privatperson“ eine vierte Demonstration beim Ordnungsamt angemeldet, die durch den links-alternativen Stadtteil Connewitz führen soll. Unter dem Motto „Gegen linksradikale Hetze durch Roter Stern Leipzig“ ist ein Marsch von der Connewitzer Straße, über Zwickauer-, Bornaische- und Karl-Liebknecht-Straße bis zum Martin-Luther-Ring geplant. Das bestätigte der Ordnungsamtsleiter Helmut Loris am Dienstagvormittag gegenüber LVZ-Online. Roter Stern ist ein Fußball-Klub, der sich explizit als „antifaschistisch“ versteht. … Gegen die Aufzüge der Rechtsextremen regt sich massiver Widerstand: So planen nahezu alle Kirchgemeinden der Stadt nach Loris‘ Angaben Mahnwachen.

Ob dadurch die Mitglieder der christlichen Kirchen, die gegen die Grundrechte, wie Versammlungs- oder Meinungsfreiheit, mahnend wachen werden, wir wissen ja, wohin es führt, wenn jeder kulturunsensibel einfach so sagt was er denkt oder eben mal, in unverschämtem Mißbrauch der Demokratie eine Demonstration anmeldet, jetzt eher ins Paradies eingelassen werden, an das von ihnen sowieso niemand mehr glaubt, die Kirchenhäuserverwalter schon gar nicht, das bleibt nur zu hoffen.

5 Responses to “klerikale Antidemokraten”


  1. 1 Prosemit 23. September 2010 um 06:38

    Ich muß gestehen, das ich Mahnwachen sehr gut finde. Sie können vereinzelt zur Einsicht führen. Des Mahnwachenden. Vor allem, wenn Mahnmachen bei Schnee und Eis auch in dunkler Nacht gehalten werden. Nicht nur bei sonnigem Himmel und schönen Wetter von 10 Uhr bis zum Mittagessen.

  2. 2 netzwerkrecherche 23. September 2010 um 07:01

    @Prosemit
    Es ist aber das selbstauferlegte Martyrium, das man als gläubiges Schäflein in bewährter Tradition für „Gott, Führer und Vaterland“ aufzunehmen mehr als bereit ist, um auch bei Schnee und Hagel eine Stunde in der Dunkelheit gegen Nazis zu bibbern.

  3. 3 Mcp 23. September 2010 um 07:46

    Kleriker sind von Hause aus Antidemokraten: Der Glauben ist keine demokratische Angelegenheit. Gott lässt nicht mit sich diskutieren oder darüber abstimmen, ob das was er schafft, den Menschen gefällt oder nicht. Nur Idioten kämen auf die Idee über die Größe der Gravitationskonstante abzustimmen. Demokraten sind Idioten. Die wollen zwar nicht die Schwerkraft retten, aber das Klima „schützen“, weil neuerdings die Mehrheit darüber entscheidet, ob eine Theorie, sei sie noch so abstrus, wahr ist oder nicht. Über so etwas entscheiden Mehrheiten im „Weltklimarat“.

    Insofern habe ich weder mit Antidemokraten noch mit Klerikern ein Problem. Kirche ist hierarchisch. Ich finde es nicht schlecht, wenn alle ihren Platz haben und alles eine feste Ordnung hat.

    Probleme habe ich allerdings mit Hohlköpfen, die sich selber Christen nennen, mir aber erzählen wollen, Gott wäre der oberste Antifaschist, ihre Religion also politisieren. Das ist Ausfluss der nicht vorhandenen Trennung von Staat und Kirche. Die Evangelischen sind genuin Staatskirche, die haben unter Hitler genauso mitgebrüllt, wie sie es heuer unter Merkel tun. Deshalb haben die meisten evangelischen Kirchen auch kein Kreuz mehr an der Turmspitze, sondern einen Wetterhahn.

    Die Katholiken sind durch das Konkordat staatlich verbandelt, jeder Bischof muss einen Eid auf die Landesverfassung leisten. Er hat also auch Rücksichten zu nehmen, die nichts mit dem Glauben zu tun haben, ihn immer öfter sogar karikieren. Das politisiert auch das Kirchenvolk und das ist ein großes Übel.

    Die Trennung von Staat und Kirche ist, entgegen aller anderslautenden Mythen, eine alte Forderung der Katholiken, genauer der Ultramontanen. Das war der Kern des Kirchenkampfes unter Bismark. Die „Katholen“ wollten sich nicht vorschreiben lassen, wer Bischof wird und was an katholischen Schulen gelehrt werden soll. Sie wollten die strikte Trennung von Staat und Kirche. Das wollte Bismark nicht. Er wollte staatlichen Einfluss in der Kirche geltend machen, aus ihr einer nationale Staatskirche machen. Der Kompromiss hieß Konkordat. Leider haben sich die meisten Bischöfe damit abgefunden und heulen nun mit den Wölfen.

  4. 4 Rucki 23. September 2010 um 09:12

    @Mcp,

    in den Vereinigten Staaten waren es die in Europa verfolgten protestantischen Minderheiten, die die Trennung von Kirche und Staat, aus ureigensten Interesse, durchsetzten. Soviel zur Ehrenrettung der Protestanten, da ich dir ansonsten, was die linke protestantische Systemkirche angeht, recht geben muss.

    Deshalb stehen ja die evangelikalen Freikirchen meist unter Generalverdacht. Evangelikale Christen und konservative Katholiken mögen sich zwar in ihren theologischen Auffassungen unterscheiden, was ihre Gesellschaftlichen Auffassungen (Ehe, Familie, Verhältniss Staat – Kirche etc.) betrifft, sind sie sich doch sehr ähnlich. Auch wenn ich nicht alle Auffassungen dieser Gruppen teile, sind mir diese sog. christlichen Fundamentalisten tausendmal lieber, als die gemainstreamten Kleriker der Systemkirche, zumal fundamentalistische Christen, egal welcher Prägung, praktisch nie zu Gewalt aufrufen oder sie anwenden. (Privat einen Koran verbrennen ist für mich keine Gewalt)

  5. 5 Mcp 24. September 2010 um 01:43

    @Rucki
    Du kennst die falschen Katholiken: In all den genannten Beispielen unterscheiden sich Katholiken und heimische Protestanten, die Kirchen in den USA sind ein Sonderfall, fundamental.

    Das Ehesakrament ist den Katholiken nach wie vor heilig. Scheidungen gibt es nur in Ausnahmefällen. Die katholische Ehe ist nicht mit der bürgerlichen Zivilehe zu verwechseln. Das sehen die Protestanten ganz anders.

    Homosexualität ist bei den „Katholen“ immer noch Sünde. Ganz anders bei den Protestanten.

    Frauen nehmen im katholischen Heilsplan immer noch den Platz ein, den ihnen die Bibel zuweist. Frauenordination ist im Katholischen – heute noch – undenkbar. Bei den Protestanten bringen es saufende und hurende Weiber bis zum Bischof, die dazu noch Abtreibung befürworten und die „Pille“ für ein „Geschenk Gottes“.

    Von der Segnung von Homo-Ehen ganz zu schweigen.

    Das Verhältnis von Staat und Kirche war bei den Katholiken immer distanziert, unser Oberhaupt sitzt in Rom und nicht in Berlin. Bei den Protestanten sind die Kirchenvorstände nach Parteienproporz zusammengesetzt. Insofern, Katholiken sind nur bedingt national, aber nicht unethnisch. Gleichheit vor Gott bedeutet nicht Gleichheit vor Menschen. Es gibt Herren und es gibt Diener.

    Ich könnte die Aufzählung fortsetzen, das spare ich mir. Schau Dich in der katholischen Blogszene um, dort dominieren Konservative und Reaktionäre die Bühne.

    Ja es gibt auch andere Initiativen, die etwas „reformieren“ wollen, aber die werden von „systemrelevanten“ Medien maßlos aufgeblasen. Dabei sind dies meist nur ein paar versprengte Hanseln, die unbedingt zum Mainstream gehören wollen oder ein paar Jungfern, die das Leben kurz gehalten hat.

    Und noch: Nein, die Amis waren nicht die Ersten. Die Ersten waren die Katholiken, die den Investiturstreit mit dem deutschen Kaiser ausfochten, der für ihn mit dem Gang nach Canossa endete. Das war zwischen 1076 und 1122 (Konkordat von Worms) also 400 Jahre vor der Reformation. Hier wurde zum ersten Male die latente Frage nach dem Verhältnis von Staat und Kirche machtpolitisch ausgefochten, die schon im antiken Rom für Spannungen sorgte und zu Christenverfolgungen führte, weil die Christen den Kaiser nicht als Neben- oder Halbgott anerkennen wollten.


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