Da sprach der alte Häuptling der Indianer

Aus dem Kommentar des geschätzten Stammbesuchers Prosemit, der sich die Mühe gemacht hat, den nachfolgenden Text aus der Nazischrift zu übersetzen. Der Blog und alle seine Mitarbeiter distanzieren sich von dem Text, denn er ist kulturunsensibel und ohne jegliche Rücksichtnahme auf die Gefühle der darin beschriebenen Menschen. So etwas ist in unser heutigen Zeit nicht hilfreich.

Man hat viel über die Grausamkeit der Weißen gegen die Indianer deklamirt und mit vollem Rechte dagegen geeifert, sehr häufig aber auch vergessen, daß nicht diese Grausamkeit und Herzlosigkeit allein an dem traurigen Schicksale der rothen Leute schuld ist. Wer Tanners Denkwürdigkeiten aufmerksam liest, dem wird es begreiflich werden, daß Indianer und Weiße unmöglich lange beisammen leben können; der wird finden, daß jene, auch ohne Berührung mit den Europäern, im Fortgänge der Zeit, wenn auch langsamer, an Zahl immer mehr hätten abnehmen müssen. Überhaupt waren die nordamerikanischen Stämme, die ackerbautreibenden in Mexico ausgenommen, nie sehr zahlreich.

Es ist eine Notwendigkeit, daß, wenn ein schwaches, ungebildetes Jäger Volk mit einem zivilisirten, mächtigen Ackerbau Volke zusammenstößt und mit demselben in ein und demselben Lande wohnt, entweder sich gleichfalls zum Ackerbau bequemen und das unstäte Leben aufgeben oder untergehen muß. Alle Indianerstämme auf dem Gebiete der Union, ohne eine einzige Ausnahme, waren bisher Jägervölker. Daß die, nun auch nach dem Westen gewanderten, Tschirokis in Georgien Ackerbau trieben, kann hier nicht in Betracht kommen, da sie zur Hälfte aus Mestizen bestanden, und, auf einen engen Raum beschränkt, verhungert wären, wenn sie sich nicht zum Anbau des Bodens bequemt hätten. Sie waren aber auch die einzigen, welche regelmäßig säeten und ernteten, und einen Viehstand hielten; bei allen übrigen, ohne Ausnahme, beschränkte sich der Ackerbau, wenn von diesem überhaupt die Rede seyn kann, auf den Anbau von etwas Mais und das Einernten von Sumpfreis, den die Natur wild wachsen läßt.

Kein Stamm hatte sich über die niedrige Stufe des Fischer- und Jägerlebens erhoben; kein Volk hatte vor Ankunft der Europäer Herden. Und doch waren zwei Rindvieharten vorhanden, welche die ausgedehnten, mit dem saftigsten Grase bedeckten Prairien durchschwärmten. Allein noch jetzt schmücken sich diese schönen Ebenen am Missouri und Oregon vergebens mit herrlichem Grün, vergebens wachsen Futterkräuter in üppiger Fülle empor, der nordamerikanische Urbewohner zähmt den Bison und Moschusochsen nicht, er läßt das Rennthier im wilden Zustande, und steht daher in dieser Hinsicht weit hinter Hottentotten und Lappen zurück.

Und als Jäger verfährt er so unklug und bedachtlos, daß er die trächtigen Weibchen nicht einmal schont, sondern vorzugsweise diese erlegt. Daher hat sich, seit die Indianer mit dem Schießpulver bekannt geworden sind und von den Weißen Flinten erhielten, die Anzahl des Wildes von Jahr zu Jahr vermindert.

Haben sie Ueberfluß an Speise, so schwelgen sie; Vorräthe werden nur selten aufbewahrt. Die Tschippeways genießen, wie wir aus Hearne’s Reise l deutsche Übersetzung S. 82) ersehen, von den erlegten Thieren oft nur Mark, Zunge und Fett, und als der genannte Brite sie davon abhalten wollte, das Wild ohne Noth niederzuschießen, entgegneten sie stumpfsinnig: „es sey ganz recht, viel zu tödten, wenn Ueberfluß sey, und falls man es haben könne, müsse man nur das Leckerste genießen.“

Sie gingen nicht einmal an einem Vogelneste vorüber ohne die Jungen zu tödten, oder die Eier zu verderben. Der Lappe hat sein Rennthier, der Hottentotte seinen Büffel, der Kaffer große Herden und selbst Städte, der Neger sein bestimmtes Dorf, der nordamerikanische Indianer nichts von dem Allen; er lebt nur in Stämmen und Horden zusammen. Alle Bemühungen wohldenkender Männer, ihn an feste Wohnsitze und an Ackerbau zu gewöhnen , sind beinahe ohne Ausnahmen gescheitert. In jedem Jahre verhungern Hunderte, weil sie in dm Zeiten des Ueberflusses nichts aussparen; Tausende kommen um in den Fehden, welche mit der größten Grausamkeit geführt werden, und ebenso viele durch Ausschweifungen, denen sie sich im Rausche überlassen.

Die Alten werden von den meisten Stämmen mit empörender Geringschätzung behandelt; man reicht ihnen, sobald sie selbst nicht mehr jagen können, immer die schlechteste Nahrung und auch diese nur kärglich; man läßt sie im strengsten Winter fast ohne Kleidung, und die Alten ertragen Alles, ohne eine Klage auszustoßen, und sehen stumpfsinnig der Stunde entgegen, wo ihre Kinder hartherzig und ohne Mitleid zu fühlen, sie im Schnee zurücklassen werden, um einsam und verlassen vor Hunger und Mangel umzukommen, wenn sie der Horde nicht weiter folgen können.

Für alles oben Gesagte wird der Leser in vorliegenden Denkwürdigkeiten den Beweis finden. Tanner, ist, wie alle ungebildeten Leute, nicht selten sehr ausführlich über Kleinigkeiten, man könnte sagen, er sei episch breit; er beschreibt, was er sah und hörte, bis in die kleinsten Einzelnheiten. Aber eben deshalb giebt uns seine Erzählung ein um so treueres Bild von den inneren Zuständen jener Völker, unter welchen er so lange gelebt hat…

Edler Wilder

Es ist eine Notwendigkeit, daß, wenn ein zivilisiertes, Gewalt verabscheuendes Volk, mit einem unzivilisierten, gewalttätigem Volke zusammenstößt und mit demselben in ein und demselben Lande wohnt, entweder sich gleichfalls zum Gewalttätigkeit  bequemen und das zivilisierte Handeln aufgeben oder untergehen muß.

21 Responses to “Da sprach der alte Häuptling der Indianer”


  1. 1 netzwerkrecherche 28. September 2010 um 05:41

    Aus welchem Buch stammt denn der Schlußspruch?

  2. 2 Mcp 28. September 2010 um 06:34

    Vor der Einheit wusste ich, dass es Indianer gab. Seit der 1989 weiß ich, dem Ossi sei Dank, dass die bösen Amerikaner an der Ausrottung der „edlen Wilden“ schuld sind. Und überhaupt, die Amis…

    Er ist schon erstaunlich, wie hartnackig sich Mythen halten oder wie effizient die SED (DEFA)-Propaganda, trotz ihrer Plumpheit, in Wirklichkeit war oder noch ist.

    Indianer waren veritable Ausländerfeinde, die auf alles losgingen, was ihr Land bereichern wollte.

  3. 3 Prosemit 28. September 2010 um 06:39

    Ich danke dem Blogbetreiber, daß er dem Text einen eigenen Eintrag widmet.

    Ich bin erst jetzt auf Tanner aufmerksam gemacht worden, obwohl seine Erlebnisse zu den wichtigstend Dokumenten der Indianer zu Beginn des 19, Jahrhunderts gehören. Er lebte von 1780 bis 1849.

    Ich darf das Wort „Lesebefehl“ nicht benutzen, weil es den Betreiber so an „Pflichtlektüre“ erinnert. Nun gut, ich will es umschreiben : Wer in Zukunft hier über Indianer mitdiskutieren will, muß das Buch gelesen haben.

    Man muß es sorgfältig lesen, mit Fragen im Hinterkopf und nicht als „Abenteuerroman“.

    Durch das ganze Buch zieht sich das Thema Hunger und verhungern, Nachbarn überfallen, stehlen und bestohlen werden. Man erfährt viel über die Jagd. Wenn ein Gebiet leergejagt ist, 25 Bären in einer Woche ist nicht selten für eine kleine Gruppe von zehn Leuten, staunt man immer wieder, daß man wenige Tage später wieder hungert – richtig hungert. So, daß man Mokassins kocht und Rinde von den Bäumen nagt. Dann werden wieder Mooselche geschossen und drei Tage später hungert man wieder und verhungert. Man geht auf einen Kriegszug und zwei Tage später gibt für die Gruppe nichts mehr zu essen und die Hälfte geht nach Hause. Tanner bleibt Monate von seiner Familie weg und findet sie halb verhungert wieder. Man stellt sich immer wieder die Frage, wieso man keine Vorsorge trifft. Man jagt Biber und die Felle gehen für ein Faß Rhum drauf. 3 Tage betrinkt man sich zur Bewußtlosigkeit und dann hungert man wieder. Und das in einer der fruchtbaren Gegenden. Man versteht, wieso Jäger und Sammler kulturell unter den ersten seßhaften Gesellschaften lebten und man versteht – mein Thema – daß es ein Intelligenzsprung ist, nicht hungernd die Gegend nach Eßbarem abzusuchen, sondern selber Nahrung „herzustellen“ und zu lagern.

    Das ist mir noch nie so klar geworden, wie nach der Lektüre dieses Buches. Also LESEBEFEHL!

  4. 4 Karl Eduard 28. September 2010 um 06:40

    Vor der Einheit gab es die Karl May – Filme. Die kamen nicht von der DEFA. Und der Vorwortschreiber des verlinkten Buches kann nun mal kein DDR – Bürger gewesen sein. er spricht aber vom „traurigen Schicksale der rothen Leute“. Das sollte uns nicht zu denken geben.

    Aus welchem Buch stammt denn der Schlußspruch: Aus meinem. Es ist nur noch nicht geschrieben.

  5. 5 schweinsleber 28. September 2010 um 09:43

    Ein hochinteressanter Text
    danke!

  6. 6 schweinsleber 28. September 2010 um 09:46

    Nachtrag:
    Habe mir das Buch als PDF gezogen und werde es so schnell als möglich lesen.

  7. 7 Blond 28. September 2010 um 10:15

    Sagt mal, wollt Ihr mit Macht meine schönen Kindheitserinnerungen kaputt machen? Waren nicht die Indianasse (und Innen) immer ein Ausdruck von Freiheit, Edelmut, Stolz und Herrlichkeit?
    So ähnlich wie die Geschichten aus Tausend-und-einer-Nacht auch?

  8. 8 Blond 28. September 2010 um 10:20

    Und außerdem ist das ja wohl
    ausländerfeindliches Gerede –
    issis,
    jawoll.
    „…
    wild ist der Westen,
    schwer ist der Beruf.
    Uff!“
    🙂

  9. 9 ostseestadion 28. September 2010 um 10:47

    Der Tanner scheint „Die Söhne der großen Bärin“ von Liselotte Welskopf Henrich nicht gelesen zu haben. Sonst wüsste er bescheid. pfht .

  10. 10 Prosemit 28. September 2010 um 11:16

    Ich freue mich, wenn ich den einen oder anderen Leser dieses Blogs animieren kann zum weiterlesen.

    Noch einmal zu Tanner.

    Es ist die Zeit um 1800. Weit und breit noch keine „westwards!“ und keine „go west, young man!“ Phase. Die sogenannten großen Indianerkriege liegen noch ein, zwei Menschenalter in der Zukunft. (*)

    Es ist eine realtiv friedliche Zeit zwischen Weiß und Rot. Nun, daß weiße Kinder (Tanner!) entführt werden, weil das eigene Kind gestorben ist, führt schon zu „Strafexpetitionen“, aber man geht sich eher aus dem Weg.

    Ansonsten zerplatzen die Indianermythen wie Seifenblasen. Natürlich schlägt man seine Kiinder und seine Frauen. Ein Prophet tritt auf, der sagt, daß man seine Kinder nicht mehr schlagen soll. Man schlägt auch schon einmal einem Kind mit der Axt auf den Kopf und wirft es tot weg, weil es einem nicht mehr gefällt. Auch kauft und verkauft man Kinder, die eigenen, wenn eine andere Familie ein Kind braucht.

    Im wesentlichen bringt man sich gegenseitig um. Bei Tanner wird nie so richtig klar, weshalb man ein Dorf überfällt und alle, die man antrifft – im wesentlichen Frauen und Kinder – erschlägt. Den beteiligten Indianern ist es auch nicht so klar. Ständig laufen wieder Gruppen weg – uns stehlen auch noch die Pferde der Kriegskameraden.

    Und ja, auch Skalps kommen vor. Einer, der gerade nicht auf dem Beutezug war, bekommt einen Skalp geschenkt, damit er auch etwas hat, das er stolz nach Hause bringen kann.

    Der Marterpfahl scheint eher das heutige Unterschichtenfernsehen gewesen zu sein. Man hatte schlichtweg Spaß am Quälen. Auch konnte man seelenruhig jemand im Zelt hungern lassen, wenn man selber genug zu essen hatte und der betreffende nicht zur nächsten Famile gehörte.

    Und noch etwas schimmert durch. Unser ewiges Thema Bildung- und Bildungsfähigkeit. Obwohl Tanner als Kind geraubt wurde und unter den Indianer aufwuchs, setzt sich seine Intelligenz durch – nicht nur als hervorragender Jäger, sondern als einer, der viel zu hinterfragen scheint. Und nein, ich bin überzeugt, dass der Bericht so authentisch ist, wie nur möglich. Da versucht niemand sich selber zu beschönigen und hervorzuheben.

    In allem wieder ein ganz hervorragendes Buch, ich konnte Neues lernen.

    (*) Wikpedia wieder einmal 😉

    Stichwort „Indianerkriege“

    Das bekannteste Beispiel einer Umsiedlung war der Trail of Tears (Pfad der Tränen) im Herbst und Winter 1838–39. Diese Zwangsumsiedlung des Indianerstammes der Cherokee aus dem Südosten ins Indianerterritorium forderte zahlreiche Opfer aufgrund von mangelnder Planung, Verpflegung und Ausstattung, wobei von den etwa 10.000 nach Westen aufgebrochenen Indianern etwa 4.000 auf dem 2.000 km langen Weg starben.

    Das ist so natürlich auch wieder sehr verkürzt. Und wieso verzichtet Wikipedia auf ein höchst interessantes Detail? In dem Trail waren mehr als zweitausend(!) schwarze Sklaven dabei. Sklaven der Indianer.

  11. 11 Prosemit 28. September 2010 um 11:37

    Glatt noch ein Häppchen vergessen…

    An einem Flußabschnitt fährt Tanners Familie nur nachts vorbei – in der Flußmitte und unter größter Vorsicht. Der Grund ist einfach, diese Gegend ist dafür bekannt, daß die Sioux alles auf dem Fluß abknallen. Nicht, daß es irgendeine persönliche Angelegenheit wäre, oder die Sioux gerade auf dem Kriegspfad. Nein, es scheint mehr ein Sport gewesen zu sein, so wie Tontaubenschießen.

  12. 12 Mcp 28. September 2010 um 12:22

    Ich kannte weder eine Liselotte Weiskopf, noch kannte ich den sächsischen Autisten Karl May. Jedenfalls bis nach der Wende. Die muss man auch nicht kennen. Dafür kenne ich Batman, Superman und He-Mann. Ätsch!

  13. 13 Karl Eduard 28. September 2010 um 12:37

    Der Westen hat solche Super – Helden auch bitter nötig. In der DDR hat der Volkspolizist, der Grenzsoldat und der Angehörige des Ministeriums der Staatssicherheit ausgereicht, um das BÖSE auf seinen Platz zu verweisen.

    Ich kann immer nur Mitleid empfinden mit den verängstigten Repräsentanten von Gotham – City oder sonstwo, die nicht einmal mit durchgeknallten Verbrechern fertigwerden. 🙂

  14. 14 Geonaut 28. September 2010 um 19:16

    Danke, Prosemit für den Lesetipp. Werde ich mir zu Weihnachten wünschen.

    Bin auch sehr stark von DDR-Indianerbüchern geprägt worden, aber ebenso von Lederstrumpf und den 7 Tecumseh-Bänden.

    Bis vor kurzem glaubte ich auch noch, es habe bei Ankunft der Weißen nur 1 Mill. Indianer in Nordamerika gegeben, überwiegend Jäger und Sammler.

    Nun, daß soll aber angeblich so nicht stimmen (Forschungen der letzten 20 Jahre).

    Mindestens 10-12 Millionen sollen es gewesen sein, meist Ackerbauern (die meisten an der Ostküste!!).
    Sind ab 1500 wie die Fliegen gestorben, woran,ist ja bekannt.1620 war noch 1 Million übrig.
    Tanner hätte demnach eine völlig zusammengebrochene und daran verwahrloste Indianer-Restkultur erlebt. Sie konnte sich wohl in 300 Jahren nicht erholen, was natürlich eine schwache Leistung ist,

  15. 15 Prosemit 28. September 2010 um 19:59

    Geonaut 28. September 2010 um 19:16

    Danke, Prosemit für den Lesetipp. Werde ich mir zu Weihnachten wünschen.

    Schön! Ein weiterer Leser.


    Bis vor kurzem glaubte ich auch noch, es habe bei Ankunft der Weißen nur 1 Mill. Indianer in Nordamerika gegeben, überwiegend Jäger und Sammler.

    Mindestens 10-12 Millionen sollen es gewesen sein, meist Ackerbauern (die meisten an der Ostküste!!).

    Hmmm,

    ich bin kein Indianer Fachmann. Ich kannte nicht einmal Tanner, den man als Fachmann kennen müsste.

    Zu den Zahlen.

    In dem Gebiet, in dem Tanner lebte, ist mit Sicherheit nie Ackerbau betrieben worden, das Gebiet ernährte zu der Zeit nur schlecht und recht die darin lebende Zahl von Indianern, die obendrein durch das Gewehr Vorteile gegenüber der früheren Bogen Jagdweise hatten.

    (Auch zu Tanners Zeit jagte man noch mit dem Bogen, wenn man nahe genug an Bisonherden kam, da war der geräuschlose Bogen sinnvoller.)

    Die Zahl von einer Millionen beruht auf Arbeiten um 1900 mit dem Schwerpunkt : „Wieviel Menschen konnte das Land ernähren“. Für mich ein logischer Ansatzpunkt

    Die von Ihnen zitiert Zahl geht auf einen Anthropologen aus den sechziger Jahren zurück, der aus der der Mörtalitätsrate zurückrechnete: die Mortalität der Pocken ist bekannt, wenn also 10.000 Menschen überlebt haben, muß es vorher 10.000 mal Faktot X Menschen gegeben haben. Somit kann man zu beliebigen hohen Zahlen kommen. Zinzeszins!

    Aber : Es gibt einen Grund, wieso man heute höhere Zahlen „annimmt“.

    Das Deutsche Wikipedia verrät auch warum :

    Um 1940 folgte man überwiegend dem Anthropologen Alfred Kroeber, der die Bevölkerung der westlichen Hemisphäre im Jahr 1492 auf lediglich acht Millionen und nördlich des Rio Grande auf eine Million Menschen schätzte. Diese Schätzungen wurden bereitwillig aufgegriffen, da sie die Vernichtung in ihrem Ausmaß verminderte und den politischen Mythos aufrecht erhielt, die Weißen hätten einen weitgehend menschenleeren Kontinent erobert – und damit ihren Besitz legitimierte. Seitdem wurden immer neue, extrem abweichende Schätzungen auf unterschiedlichster methodologischer Grundlage erstellt.

    „Linke“ Geschichtsschreibung muß also möglichst hohe Indianerzahlen produzieren, um die „Schuld“ der Weißen zu vergrößern.

    Große Ackergesellschaften, die nach der Pockenepedemie auf das primitive Stadium der Sammler und Jäger zurückfallen? Nein, das widerspricht zumindest meiner Logik. Tanner ist authentisch, so waren die Indianer zumindest in dieser Gegend. Pocken hin, Pocken her.

  16. 16 Prosemit 28. September 2010 um 20:18

    Ergänzung :

    Die 1 Million Schätzung kam um 1891/2 von dem Anthropologen James Mooney. Sie war zu dieser Zeit sicher nicht politisch gefärbt.

    die 10 bis 12 Millionen publizierte um 1965(!!!) ein andererer Anthropologe namens Henry Dobyns.

    Ich zitiere jetzt auf englisch, es ist zu wichtig, daß man genau liest :

    Thus, according to Ward Churchill, a professor of ethnic studies at the University of Colorado, the reduction of the North American Indian population from an estimated 12 million in 1500 to barely 237,000 in 1900 represents a „vast genocide . . . , the most sustained on record.“ By the end of the 19th century, writes David E. Stannard, a historian at the University of Hawaii, native Americans had undergone the „worst human holocaust the world had ever witnessed, roaring across two continents non-stop for four centuries and consuming the lives of countless tens of millions of people.“ In the judgment of Lenore A. Stiffarm and Phil Lane, Jr., „there can be no more monumental example of sustained genocide—certainly none involving a ‚race‘ of people as broad and complex as this—anywhere in the annals of human history.“

    The sweeping charge of genocide against the Indians became especially popular during the Vietnam war, when historians opposed to that conflict began drawing parallels between our actions in Southeast Asia and earlier examples of a supposedly ingrained American viciousness toward non-white peoples. The historian Richard Drinnon, referring to the troops under the command of the Indian scout Kit Carson, called them „forerunners of the Burning Fifth Marines“ who set fire to Vietnamese villages, while in The American Indian: The First Victim (1972), Jay David urged contemporary readers to recall how America’s civilization had originated in „theft and murder“ and „efforts toward . . . genocide.“

    1965, es ist die Zeit des Vietnam Krieges und man vergleicht den Massenmord an den Vietnamesen mit dem größten Holocaust der Geschichte, der Millionen Einheimischen Indianern das Leben kostete.

    DAS ist das linke Amerika, daher kommen auch die anderen Zahlen! Kid Carson als Vorreiter der Menschen und Dörfer verbrennenden Fünfte Marine Corps.

  17. 17 Prosemit 28. September 2010 um 20:48

    Wie sehr Geschichtsschreibung und auch Forschung politischen Zwängen und dem Zeitgeist unterworfen ist, sieht man an dem Wikipedia Eintrag „Kannibalismus“ (Ist gerade Thema meines nächsten ethnologischen Buches)

    In dem ganzen langen Artikel taucht das Wort“ Afrika“ kein einziges mal auf! (Bitte selber nachprüfen!) Das ganze Thema Afrika wird in dem einem Satz abgehandelt :

    Noch in historischer Zeit war der Kannibalismus angeblich bei den Niam-Niam am Tschadsee und den Batak auf Sumatra verbreitet. … mit einem „angeblich“ verschönt.

    Dabei war der Kannibalismus in Afrika weit verbreitet und bestens belegt – selbst heute noch. Stichwort Albino.

    Aber Menschenfresser und Neger ist eine absolute Tabukombination, über die auch die Lexika zu schweigen haben.

  18. 18 Prosemit 29. September 2010 um 06:01

    Noch einmal Kannibalismus.

    Das ebenfalls politisch korrekte englischsprachige Wikipedia widmet wenigstens dem zeitgenössischen afrikanischen Kannibalismus einen eigenen Absatz unter African Reports.

    Und selbst das Wort Congo taucht mehrfach auf. Dabei war der Missionar im Kochtopf nicht nur eine Witzfigur.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Cannibalism

    Im Vergleich zwischen beiden Versionen sieht man die Bemühungen der Deutschen Wikipedia Autoren, besonders korrekt zu sein. 😉

    Wenn man das englische Stichwort liest, sieht man, daß ein breiter Raum dem weitverbreiteten Kannibalismus unter den Indianern gewidmet ist. Das war der Grund, wieso ich jetzt eine andere Studie zu diesem Thema lese.

    Among the North American tribes which practiced cannibalism in some form may be mentioned the Montagnais, and some of the tribes of Maine; the Algonkin, Armouchiquois, Iroquois, and Micmac; farther west the Assiniboin, Cree, Foxes, Chippewa, Miami, Ottawa, Kickapoo, Illinois, Sioux, and Winnebago; in the South the people who built the mounds in Florida, and the Tonkawa, Attacapa, Karankawa, Caddo, and Comanche (?); in the Northwest and West, portions of the continent, the Thlingchadinneh and other Athapascan tribes, the Tlingit, Heiltsuk, Kwakiutl, Tsimshian, Nootka, Siksika, some of the Californian tribes, and the Ute. There is also a tradition of the practice among the Hopi, and mentions of the custom among other tribes of New Mexico and Arizona. The Mohawk, and the Attacapa, Tonkawa, and other Texas tribes were known to their neighbours as „man-eaters.“[77]

    Darunter auch die Stämme, unter denen Tanner lebte. Jetzt ist der Link zum aktuellen Buch von Andree auch klar…

  19. 19 Geonaut 29. September 2010 um 19:35

    Sehr geschätzter Prosemit,

    besten Dank für so ausführliche und durchdachte Antworten. Habe wieder viel gelernt.

    Ich traue linken Historikern nun nicht blind über den Weg.
    Aber was ist, wenn die sich auf Archäologie stützen können? Saatgutfunde, massenhafte Reste von Holzhäusern etc.?
    Man müsste mal zu dem Thema „before dawn“ lesen, Autor ist mir gerade entfallen.

    10 Millionen Tote wären eine größere „Schuld“ der Weißen, als eine Million? ist nicht logisch.

    Die Seuchentoten waren unvermeidlich, schon lange vorprogrammiert durch 20 000 Jahre Trennung vom Rest der Welt und den „genetischen Flaschenhals“

    Wenn um 1500 kranke Schiffbrüchige angetrieben worden wären (und nicht im Kochtopf gelandet wären) oder die Chinesen an der Westküste gelandet wären: das gleiche Desaster wäre passiert.

    es grüßt

    Geonaut

  20. 20 Prosemit 30. September 2010 um 04:58

    Aber was ist, wenn die sich auf Archäologie stützen können? Saatgutfunde, massenhafte Reste von Holzhäusern etc.?

    Ist ja möglich, aber ich halte es für ausgeschlossen, dass eine bäuerliche Gesellschaft wieder auf die Stufe von Sammlern und Jägern herabsinkt. Egal ob Pest, Pocken oder 30-jähriger Krieg. Die Indianerstämme, die Tannner beschreibt, waren mit Sicherheit niemals seßhaft gewesen. Und sie haben sich zumindest um 1800 im Wesentlichen sich selber ausgelöscht. (Zelt-) Siedlungen mit allen Frauen und Kindern. Dutzende und hunderte. Die von Wei0en getöteten waren aus Sicht Tanners zu der Zeit verschwindend Wenige.


    10 Millionen Tote wären eine größere „Schuld“ der Weißen, als eine Million? ist nicht logisch.

    natürlich ist das nicht logisch. Es ist auch nicht mein Gedanke. Wenn sie das Zitat aus Wikipedie noch einmal lesen : es ist genau der Gedanke, derer, die froh sind, dass die Argumente der Weißen angeblich hinfällig sind :

    Diese Schätzungen wurden bereitwillig aufgegriffen, da sie die Vernichtung in ihrem Ausmaß verminderte und den politischen Mythos aufrecht erhielt, die Weißen hätten einen weitgehend menschenleeren Kontinent erobert – und damit ihren Besitz legitimierte.

    So denken tatsächlich Leute – es sind meistens die „Gutmenschen“.

  21. 21 Prosemit 30. September 2010 um 05:25

    @Geonaut

    Die Seuchentoten waren unvermeidlich, schon lange vorprogrammiert durch 20 000 Jahre Trennung vom Rest der Welt und den „genetischen Flaschenhals“

    Na, aber die Rache folgte auf dem Füße mit der Syphilis.


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