Noch mehr Fremdenfeindlichkeit

Bluttat in Germersheim. Seitens der deutschen und französischen Behörden werden Erhebungen über die Ursache und den Hergang der Bluttat ununterbrochen fortgeführt. Wie der Vertreter der TU. in Germersheim behördlicherseits erfährt, ist diese Bluttat in sofern eine große politische Tragweite beizumessen, als gegenüber den ersten widersprechenden Meldungen keine Notwehr sondern ein reiner Willkürakt des französischen Unterleutnants Russier vorliegt. Es handelt sich aber auch nicht um eine Tat als Folge eines Wirtschaftsstreites, wie anfangs gemeldet wurde. Aus vorgenommenen Zeugenvernehmungen wurde festgestellt, daß die furchtbaren Ereignisse in Germersheim gewissermaßen der Höhepunkt eines willkürlichen Auftretens der Besatzungsarmee darstellen, was bereits am 5. Juli durch die Fahnenschändung ausdrücklich hervorgehoben worden ist. Russier ist verhaftet worden.

Die von den Behörden eingeleitete Untersuchung der Bluttat von Germersheim ist jetzt so weit fortgeschritten, daß sich der Verlauf der Tat erklären läßt. Es hat sich bei der Untersuchung herausgestellt, daß der Täter der französische Unterleutnant Rouzier vom 311. Artllerieregiment, sich schon bei dem Zusammenstoß mit dem Schuhmacher Holzmann am Ludwigstor in einem Zustand der Gereiztheit und Erregung befand, der nach dem jetzigen Stand der Untersuchung auf Ausschreitungen französischer Besatzungsangehöriger zurückzuführen ist, die sich etwa zwei Stunden vor der Bluttat ereignet hatten und an denen auch der französische Unterleutnant beteiligt war. Ein etwa 17 Jahre alter Germersheimer, namens Klein,  wurde am Sonntag abend gegen 10.30 Uhr von mehreren französischen Besatzungsangehörigen auf der Straße in der Nähe des Ludwigstores unter der Anschuldigung, er habe einen französischen Soldaten mißhandelt, in einen Hauseingang geschleppt, dort von einem französischen Zivilisten mit der Reitpeitsche mißhandelt und dann einer herbeigerufenen, vier Mann starken französischen Streife übergeben. Unter fortgesetzten Stößen mit den Gewehrkolben auf Kopf und Rücken wurde der junge Mann in eine französische Kaserne gebracht. Nachdem sich dort herausgestellt hatte, daß die gegen ihn erhobene Anschuldigung jeder Grundlage entbehrte, wurde der junge Mann gegen 12 Uhr wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach einwandfreien Zeugenaussagen ist der französische Zivilist mit dem Unterleutnant Rouzier identisch, da beide einen dunklen Anzug, eine schwarze Hornbrille und eine Reitpeitsche trugen. Aus dieser ersten Ausschreitung erklärt sich die Erregung des Leutnants bei dem etwa zwei Stunden später erfolgten Zusammenstoß mit dem Schumacher Richard Holzmann. …

Stellungnahme der „Bayer. Staatszeitung„. Zu den französischen Mordtaten in Germersheim schreibt die  „Bayer. Staatszeitung“: Die Herausforderungen der französischen Besatzungstruppen in Germersheim anläßlich des deutschen Kriegervereinsfestes und der damit verbundenen Totenehrung sind noch ungesühnt, da greift ein Angehöriger der Besatzungsarmee, ein Leutnant vom 311. Art – Reg.t. zum Revolver und beschwert das lange Schuldregister der französischen Besatzungstruppen am Rhein mit einem neuen blutigen Konto. Blitzartig erhellt die Mordtat abermals die wahre Situation im Besatzungsgebiet und läßt erkennen, daß trotz aller Besprechungen der deutschen und französischen Politiker und trotz aller Vertragssiegel (wir möchten – um mit Poincaré zu sprechen – nicht allen Offizieren und Mannschaften der französischen Armee die in unseren Dörfern und Städten begangenen Barbareien zur Last legen.) ein Geist herrscht, der eher in die Gebräuche mittelalterlicher Kriegsrechte hineinpaßt, denn in eine Periode der Befriedung, von der man bei jeder Gelegenheit so dicke Töne zu reden beliebt. Die Erregung, die seit den Revolverschüssen in Germersheim die pfälzische Bevölkerung durchzittert, und die auch diesseits des Rheins deutlich genug zu verspüren ist, wird sich nicht mehr beschwichtigen lassen durch Hinweise auf diese oder jene hochpolitische Abmachungen, die sich erst auswirken müßten. Was heute von der Bevölkerung des besetzten Gebietes sowohl wie auch von all denen, die im unbesetzten Deutschland deren Not mitfühlen, verlangt werden muß, und zwar kategorisch verlangt werden muß, ist, daß endlich die Menschenrechte der Deutschen im besetzten Gebiet auch von den Angehörigen der Besatzungsarmee so respektiert werden, wie man es in einem zivilisierten und kulturell so hochstehenden Jahrhundert erwarten muß. Der Hinweis auf beklagenswerte Kriegsereignisse kann nicht mehr gelten. Der Geist des Weltkrieges, verkörpert in Hassgesängen und Repressalien, ist heute überlebt und gibt auch denen, die in ihm aufgewachsen sind, kein Recht mehr, mit Revolver oder dergleichen gegen eine friedliche Bevölkerung vorzugehen …. COBURGER ZEITUNG 30. SEPT. 1926.

Bild: „Es hat sich doch manches gebessert. Französische Offiziere erschießen jetzt schon in Zivil deutsche Bürger.“

Damals mag ja noch der Hinweis, die Deutschen hätten so etwas wie Menschenrechte, auch unter der Besetzung, berechtigt gewesen sein und Zeitungen schrieben es sogar nieder, statt ihren Feuilleton – Chef salbadern zu lassen, wie es doch der deutsche Spießer verdient hat, abgeknallt oder ausgepeitscht zu werden. Heute ist ein Hinweis darauf aber völlig unsensibel und geeignet, unter den derzeitigen Besetzern Panik, Furcht und irrationale Ängste auszulösen, deswegen ist es keinesfalls hilfreich, auch nur Andeutungen zu machen, daß Aufforderungen zur Integration keinesfalls als ausreichender Grund gelten können, die Deutschen totzuschlagen, mit Messern zu stechen oder zu vergewaltigen.

4 Responses to “Noch mehr Fremdenfeindlichkeit”


  1. 1 Prosemit 30. September 2010 um 05:23

    Der Hinweis auf beklagenswerte Kriegsereignisse kann nicht mehr gelten. Der Geist des Weltkrieges, verkörpert in Hassgesängen und Repressalien, ist heute überlebt und gibt auch denen, die in ihm aufgewachsen sind, kein Recht mehr, mit Revolver oder dergleichen gegen eine friedliche Bevölkerung vorzugehen

    Der Schreiber irrt. Der französische Haß gründet sich noch auf 1870/71, nein eigentlich sogar noch auf die Niederlage der Grande Nation mit ihrem Kaiser Napoleon, dem Ersten. Oder, wenn es so etwas wie eine Volkspsyche geben sollte – der Haß auf Ludwig XVI, seiner Unfähigkeit, die nationale Ehre eines Roi Soleil zu bewahren.

  2. 2 netzwerkrecherche 30. September 2010 um 06:19

    Hätte der Feuilleton–Chef seinerzeit derart salbadert, wäre er wohl selbst abgeknallt worden, von einem deutschen Offizier. Mal davon abgesehen, wären derartige Töne wohl bestenfalls aus dem Irrenhaus gekommen, kaum aber aus der deutschen Presse, nicht mal aus der kommunistischen.

    Heute darf so einer geifern und hetzen, und alle zucken mit den Schultern, wahrscheinlich der Meinung, daß man da eh nichts machen kann, denn solcher Idioten gäbe es viel zu viele.

  3. 3 Pegnitzstrom 30. September 2010 um 21:10

    Das ist eben der Unterschied zwischen der Zeit nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Ersten war das deutsche Selbstgefühl zwar angeknackst, aber nicht gebrochen. Das vergaßen die Sieger nicht. Aus diesem Grund haben die Befreier dann nach dem Zweiten die Republik einfach abgeschafft. Sie schnitten ein paar Teile ab und gründeten nach ein paar Jahren fruchtbringender Aufbauarbeit mit willigen Helfern schließlich In einer nicht endenden Kette von realen und virtuellen Schauprozessen wurde dann in den beiden Neurepubliken den Nachwachsenden intensiver Ekel auf die eigenen Eltern und Großeltern beigebracht. Mit großem Erfolg und Tiefenwirkung. Die Bewohner in beiden Neurepubliken maulten zwar ein paar Jahre, aber mit Unterstützung der großen Brüder konnten sie schließlich doch auf den richtigen Weg gebracht werden. Inzwischen gibt es nur noch eine Neurepublik, aber diese ist nun der einzige Staat auf dieser Erde, in dem die Geschichte im Sinne seiner Befreier per Gesetz festgeschrieben worden ist – und niemand hat diese so verinnerlicht wie die Elite der neuen Neurepublik.

  4. 4 Pegnitzstrom 30. September 2010 um 21:15

    Das ist eben der Unterschied zwischen der Zeit nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Ersten war das deutsche Selbstgefühl zwar angeknackst, aber nicht gebrochen. Das vergaßen die Sieger nicht. Aus diesem Grund haben die Befreier dann nach dem Zweiten die Republik einfach abgeschafft. Sie schnitten ein paar Teile ab und gründeten nach ein paar Jahren fruchtbringender Aufbauarbeit mit willigen Helfern schließlich zwei Neue. In einer nicht endenden Kette von realen und virtuellen Schauprozessen wurde dann in den beiden Neurepubliken den Nachwachsenden intensiver Ekel auf die eigenen Eltern und Großeltern beigebracht. Mit großem Erfolg und Tiefenwirkung. Die Bewohner in beiden Neurepubliken maulten zwar ein paar Jahre, aber mit Unterstützung der großen Brüder konnten sie schließlich doch auf den richtigen Weg gebracht werden. Inzwischen gibt es nur noch eine Neurepublik, aber diese ist nun der einzige Staat auf dieser Erde, in dem die Geschichte im Sinne seiner Befreier per Gesetz festgeschrieben worden ist – und niemand hat diese so verinnerlicht wie die Elite der neuen Neurepublik.


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