Archiv für 12. Oktober 2010

Lecterianer müssen leiden

Hatice Ay ist Lecterianerin in Deutschland. Also jemand, die bestimmte Eßgewohnheiten hat. Hier genießt sie alle Vorzüge des Sozialstaates, einer gut ausgebauten Infrastruktur und keine Schamanenmedizin und draußen laufen andauernd Appetithäppchen herum. Aber als Hatice Ay auf wundersame Weise plötzlich in Deutschland erwachte, da ahnte sie nicht, daß hier nicht Lecterianerland ist. Auf Schritt und Tritt wurde sie und ihre Familie von bisher unbekannten Gefahren bedroht, zum Beispiel von Schweinefleisch. An der Schule, an der ihre Kinder großzügigerweise das deutsche Bildungssystem erfahren dürfen, wird das Essen streng nach den kulturellen Vorstellungen getrennt. Vegetarier erhalten Vegetarisch, Durchschnittler, was auf den Tisch kommt und Lecterianer erhalten strikt ihre Lecterianerdiät, Schwein kommt bei ihnen nicht auf den Tisch und in den Mund, da würde Hannibal Lecter, den sie anbeten, furchtbar sauer werden. Unglücklicherweise vertauschte eine Lehrerin, die von der zarten Seele, die den Lecterianern innewohnt, nichts ahnte, einmal einen Teller, der Sprößling der  Hatice Ay aber merkte den Beschiß und nun sitzt die Lehrerin zuhause und starrt die Wände an. Nichts liegt den Deutschen nämlich mehr am Herzen, als das Wohl der Lecterianer auf deutschem Boden und Hatice Ay weiß das. Bis die Deutschen aber merken, daß sie es sind, die langsam gegessen werden, das wird wohl noch eine Weile dauern. Der Kannibalismus ist Teil Deutschlands und wir sind sein Vorrat in der Speisekammer.

Bild: Hatice Ay schildert die Höllenqualen, die ihr Sohn beim Anblick eines Schweineschnitzels erlitt. Gut, daß diese Lehrerin entfernt wurde, das wird allen anderen eine Lehre sein, die Anschläge auf Lecterianer mit Schweinefleisch verüben.

Zauber von Afrika

Vorgehen Deutscher Soldaten in Ost – Afrika 1905. Brandstiftung ist kein Kavaliersdelikt, auch nicht der Überfall auf Menschen. GRÜNE und LINKE zeigen sich besorgt über das Vorgehen der Streitkräfte und sehen eine erhebliche Verschärfung der Aufstandsbewegung voraus, wenn die Schutztruppe nicht sofort ihre Waffen niederlege, ohne Schutztruppe, würde es auch keine Überfälle und Brandstiftungen geben. Margot Käßmann aus Amerika per Kabel: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein! Zum Weihnachtsfest will sie mit den Aufständischen unter dem Sternenzelt um Frieden beten.

Avada Kedavra! Aus Daresssalam und Umgebung .  –  Zusammenstöße mit Aufständischen im Bezirk. – Wie wir bereits am letzten Donnerstag unseren Daressalamer Lesern durch Extrablatt mitgeteilt haben, ist der Polizeiunteroffizier Sergant Holzhausen, der mit einem Teil seiner im Distrikt Maneromango stationierten Polizeiabteilung am 3. Oktober nach Bilindo (liegt etwa 25 Kilometer südlich Daressalam) abmarschierte, um die Anstifter von dort neuerdings vorkommenden Gewalttätigkeiten (Überfälle von regierungstreuen Eingeborenen, Hüttenbrände pp.) dingfest zu machen, auf dem Marsche von Maneromango über Kisse nach Bikindo angegriffen worden. Die Aufständischen, deren Angriffe unter stetem Feldgeschrei „madji, madji*)“ sämmtlich zurückgeschlagen wurden, ließen insgesamt ca. 80 Tote zurück. Von der Polizeiabteilung wurde Sergant Holzhausen durch einen Streifschuß an der rechten Hüfte leicht verwundet (blieb aber dienst – und marschfähig), 1 Askari ist gefallen, 2 sind schwer und einer leicht verwundet.

Am Donnerstag früh marschierte Bezirksamtmann Böder mit einer kleinen Polizeiabteilung nach Bikindo ab. Hauptmann von Kleist rückte am selben Nachmittag mit dem größten Tel der  8. Kompanie (einschl. 8 europäischen Offizieren und Unteroffizieren) ebenfalls in Richtung Bikindo aus und eine 50 Mann starke Schutztruppenabteilung unter Leutnant von Wangenheim wurde auf das andere Hafenufer übergesetzt um durch den Distrikt Magogoni auf Kissidju zu marschieren, woselbst auch Unregelmäßigkeiten (Hüttenbrände, Bedrohung des Leuchtturms bei Ras Kansi und Angriffe auf einzelne Askari ) vorgekommen sind.

Gestern Abend brachte der Jumbe der Ortschaft Kurutini (etwa 20 Kilometer südwestlich Daressalam) hierher die Nachricht, daß seine Leute ihn dazu veranlassen wollten, zu den Aufständischen überzugehen und u. U. auch das Dorf Mbaruk (Kilm. 13 auf der Straße Daressalam – Morogoro), das regierungstreu sei, anzugreifen. Da er nicht eingewilligt hätte, so wäre er von seinen Leuten bedroht worden und sei geflohen.

Auf diese Meldung hin verfügte der Gouverneur sofort die Entsendung einer Schutztruppenabteilung in Stärke von 30 Mann unter Oberleutnant Franck, die dann auch noch gestern Abend um 11 Uhr über Aulep-Schamba nach Kurutini abgerückt ist. Regierungsrat von Winterfeldt, der frühere Bezirksamtmann von Daressalam, der die Leute und Jumben in dem unruhigen Gebiet sehr genau kennt, hat sich der Schutztruppenabteilung angeschlossen. – *) „madji madji“ heißt Wasser, Wasser. (Soll wohl das Zauberwasser bedeuten, oder aber eine Beschwörung sein, daß Wasser aus den Flinten der Europäer kommen muß.) Deutsch-Ostafrikanische Zeitung Dar es Salaam 1905-10-07 .

Unsensible Berichterstattung. – Zuwanderung von Indern – Die Pest in Zansibar hat eine große Menge Inder veranlaßt, auch unser Daressalam mit ihrem Besuch zu beglücken. So brachten u. A. die Zansibardampfer „Barawa“ und Kilwa“ in den letzten Tagen ca. 250 Inder für Daressalam mit. Dieselben wurden auf der Quarantäneinsel Makatumbe ausgeschifft und müssen dort bekanntlich erst noch 10 Tage verweilen, bevor sie ihren Fuß auf das Festland setzen können. Da die Pestgefahr wegen der größeren Zuwanderung von Indern auch für unsere Stadt immer größer wird, so hat sich die hiesige Gesundheitskommission u.a. veranlaßt gesehen, in den Inderhäusern und Straßen Rattengift zu streuen, um jene gefährlichen Pestüberträger nach Möglichkeit auszurotten. Der kleine Inder im Bundestag nannte diese Maßnahme diffamierend und verletzend, Inder mit der Pest in Zusammenhang zu bringen und ihre Bekämpfung mittels Rattengift zu veranlassen, übertreffe sogar noch die künftigen Verbrechen in Auschwitz .Deutsch-Ostafrikanische Zeitung Dar es Salaam 1905-10-07 . Weitere multikulturelle Zusammenstöße zwischen Schwarzen und Hellbraunen in eben dieser Zeitungs – Ausgabe.

 


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